Kampf gegen das Bünzlitum – Spielkritik

Die Warnungen auf der Spielschachtel sind eindeutig: Fieslinge sollen den Kampf gegen das Bünzlitum antreten. Das Spiel ist ab 18 Jahren, kombinierbar mit Bier und logisch – für Bünzlis gänzlich ungeeignet. Und ich kann jetzt bereits bestätigen: Die Aussagen sind wahr!

kampf-gegen-das-buenzlitumEin Bünzli ist ein Spiessbürger. Wer dieses Kartenspiel Ernst nehmen will, sollte ihm dringend fernbleiben. Kampf gegen das Bünzlitum orientiert sich an Cards against Humanity. Das Originalspiel stammt aus den USA und wird selber als taktlos beschrieben. Nun wurde das Spiel für den Schweizer Markt angepasst, auf Kickstarter finanziert und liegt bereits in der 2. Auflage vor. Die Spielschachtel ist gefüllt mit Karten, das Gewicht der Box lässt keine Zweifel offen.
Auf roten Karten steht ein Lückentext, der von den Spielern mit weissen Antwortkarten gefüllt werden muss. Der Rundenboss zieht eine rote Karte und liest den unvollständigen Satz vor. Jeder Spieler besitzt 8 weisse Handkarten, mit denen der genannte Satz komplettiert werden muss. Das Ziel: Möglichst lustig und inkorrekt soll die Antwort ausfallen.

Sämtliche Spieler geben dem Rundenboss verdeckt ihre gewählten Antworten. Der wählt aus den gemachten Angeboten seinen Favoriten aus. Der Gewinner erhält die rote Spielkarte als Trophäe. Mit einem neuen Rundenboss geht es ab in die nächste Spielrunde.

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Im Spiel gibt es auch Sätze mit mehreren Lücken. In diesem Fall wählen die Spieler auch mehrere Antworten. Als Variante darf man sämtliche Spielkarten auswechseln, setzt dafür aber eine Runde aus. Antwortkarten zieht man am Ende einer Runde nach, um wieder über eine grosse Auswahl zu verfügen.

Das Spielziel kann individuell festgelegt werden. Ein Zeitlimit oder eine gewisse Anzahl Trophäenkarten ermittelt den Gewinner.

Fazit:
Kampf gegen das Bünzlitum glänzt mit einfachen Regeln, der Inhalt hat es aber faustdick hinter den Ohren. Das Kartenspiel schreckt vor keinem Thema zurück. So wirkt es in einem Moment sexistisch und frauenfeindlich, im nächsten geschmack- und pietätlos. Aber genau das will das Spiel ja. Während man entsetzt auf die einen Antworten schielt, ertönen bereits die ersten Lacher über die eben gemachten Aussagen. Kampf gegen das Bünzlitum ist eine stete Gratwanderung, aber wer outet sich schon gerne als Bünzli? Die Hinweise auf dem Schachteldeckel sind Ernst gemeint. Kampf gegen das Bünzlitum ist nicht zu unterschätzen und eignet sich überhaupt nicht für jede Spielgruppe. Man benötigt eine Menge an schwarzem Humor, um die total abstrusen Sätze über sich ergehen zu lassen. In einer geselligen Gruppe (Schachteldeckel: kombinierbar mit Bier) macht der Kampf gegen das Bünzlitum aber Spass. In der 2. Auflage wurden einige Antworten noch einmal angepasst und aktualisiert. Ein aussergewöhnliches Spiel, das bisher aussergewöhnlich erfolgreich war.

Kampf gegen das Bünzlitum | Autorin: Angela Vögtli
Kartenspiel für 3-10 Fieslinge | Spieldauer: frei wählbar | Ab 18 Jahren | Benötigt: Humor in schwarz | Wiederspielreiz: in der richtigen Spielgruppe gross

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Der Brettspiel-Podcast-Adventskalender 2016

brettagogeWie jedes Jahr startet sie viel zu früh – die Adventszeit. Während sich die Geschäfte langsam füllen und die Spielregale leeren, haben sich die Brettagogen was Tolles einfallen lassen, um die Wartezeit bis Weihnachten zu verkürzen: Den Brettspiel-Podcast-Adventskalender. Zahlreiche Blogger und Webseitenbetreiber aus dem Spielbereich sind ihrem Rufe gefolgt. Nun erscheint täglich ein kurzer Podcast mit den unterschiedlichsten Themen, die natürlich immer irgendwo in der Spielewelt angesiedelt sind. Hinter einem der Türchen findet man auch einen Beitrag von brettspielblog.ch, ist ja klar.

Noch ein kurzes Wort zu den Brettagogen. Die beiden Lehrer lassen die Hörer zwar wieder wie Schüler aussehen. In ihren Podcasts verbinden sie aber gekonnt Spielvorstellungen mit geschichtlichen Hintergründen zu den einzelnen Titel. Da drückt man doch gerne wieder mal die Schulbank.

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Qwixx Duel – Spielkritik

Qwixx heisst das Würfelspiel, das auf dem Weg zum Klassiker ist. Nun gibt es das Spiel in der neuen Variante nur für 2 Personen. Qwixx Duel ist zwar an das Original angelehnt, unterscheidet sich aber trotzdem in einigen Punkten.

qwixx-duelVom kleinen Spielblock muss man sich in der Duell-Variante verabschieden, hier wird auf EINEM kleinen Brett gespielt. Die Spieler legen Steine in ihrer gewählten Spielfarbe auf die Zahlen. Denn die Zahlenreihen sind identisch mit der bekannten Qwixx-Grundvariante – aufsteigend in rot und gelb, absteigend in grün und blau.
Auch bei den Würfeln bleibt alles gleich. Zwei weisse Würfel stehen vier Würfeln in den Farben der Zahlenreihen gegenüber. Da es aber nun ein Duell ist, sucht nur immer ein Spieler seine perfekten Zahlen. Erst addiert man die weissen Würfel, danach darf man weiss mit einer beliebigen Farbe kombinieren. Eine Zahl muss besetzt werden, eine zweite darf man gerne mitnehmen, wenn es passt. Während die weisse Kombination in jeder Reihe verwendet werden darf, setzt man das gemischte paar in der gleichfarbigen Reihe ein. Mit einem eigenen Spielstein besetzt man die gewürfelte(n) Zahl(en). Danach ist der andere Spieler an der Reihe.

Fehlen nur noch die Qwixx Duel – Special Effects:
– Den vordersten Spielstein jeder Reihe darf man dem Mitspieler klauen, wenn man die gleiche Zahl würfelt.
– Den vordersten Spielstein einer Reihe kann ein Spieler aber auch absichern, indem er nachlegt und einen zweiten Stein draufstellt. Ab zwei Steinen ist der Turm sicher. Überbauungen finden nur beim vordersten Stein statt.

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Gespeilt wird von links nach rechts. Jeder Spieler muss zahlenmässig immer vorwärts schreiten, jedoch nicht unbedingt mehr vorweisen als der Mitspieler. Im Rücken des Duellgegners lassen sich so ebenfalls Steine setzen, die unbehelligt bleiben.
Hat man fünf Steine in einer Farbreihe, darf man sie mit der letzten Zahl (2 oder 12) abschliessen und erhält einen Bonusstein dazu.

Am Ende zählen die Anzahl der Spielsteine einer Reihe. Je mehr Steine, desto mehr Punkte erhält man. Qwixx Duel endet, wenn ein Spieler alle Steine legen konnte, wenn zwei Reihen abgeschlossen oder vier Fehlversuche notiert wurden.

Fazit:
Logisch, Spiele mit dem gleichen Namen müssen sich einem Vergleich stellen. Doch Qwixx Duel ist eine eigenständige, schnelle Würfelei, ein Duell auf Augenhöhe. Die Wartezeiten sind kurz, es fällt nicht ins Gewicht, dass man nicht mehr gleichzeitig spielt. Die Prioritäten sind schnell klar: Verdrängung kommt an erster Stelle. Absicherung ist auch nicht zu verachten, zudem bringt ein Turm am Ende mehr Punkte. Auch beim Duell kann man das Spiel vorantreiben. Wer seine Steine vor die des Mitspieler legt, bringt ihn unter Zugzwang und verbaut seine Turmabsichten. Qwixx Duel ist ein kurzweiliges 2er-Spiel, flott gespielt und mit grossem Hang zur Revanche. Besonders schön: Der Schachteldeckel ist extra als Würfelunterlage gepolstert.

Qwixx Duel | Autor: Steffen Benndorf | Verlag: Game Factory (CH) / Nürnberger-Spielkarten-Verlag (D)
Würfelspiel für 2 Personen | Spieldauer: 15 Minuten | Ab 8 Jahren | Benötigt: Würfelkombinationen im direkten Duell | Wiederspielreiz: sehr gross 

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Costa Rica – Spielkritik

Im Regenwald von Costa Rica suchen ganze Entdeckerscharen nach exotischen Tieren. Ist ein Forscher zufrieden, verlässt er die Expedition. So lichtet sich zwar der Regenwald, doch hoffentlich nicht das Punktekonto der Spieler.

costa-rica-1Nicht nur einmal ertönte der Ruf beim Aufbau von Costa Rica: „Das ist ja wie Siedler!“ Die grosse Landschaft besteht zwar auch aus sechseckigen Plättchen, aber damit endet die Gemeinsamkeit der beiden Spiele bereits. Daher sei hier klar erwähnt: Siedler ist was anderes! Der Regenwald in Costa Rica ist gross und besteht aus Gebirge, Sumpf oder Wald, die man zufällig ausgelegt. In den drei unterschiedlichen Gebieten verstecken sich Tiere. Jede Landschaft beheimatet zwei Tierarten, die mal mehr oder weniger vorkommen, selten auch in Kombination. 6 Expeditionsgruppen stehen ausserhalb des Regenwaldes bereit. Jeder Spieler stellt genau ein Mitglied jeder Gruppe und hat also insgesamt sechs Mal die Möglichkeit, seltene Tiere zu entdecken.

Der erste Expeditionsleiter wählt eine Gruppe aus, mit der er durch den Urwald startet. Er deckt ein erstes Landschaftsplättchen auf und steht bereits vor seiner ersten Entscheidung: Nehme ich das Plättchen und steige aus oder marschiere ich weiter. Nimmt er das Plättchen zu sich, ist er aus der aktuellen Expeditionsgruppe raus. Seine Mitspieler dürfen in weiteren Spielrunden mit der verbliebenen Gruppe aber den Regenwald weiter durchforschen. Will der Expeditionsleiter nicht aussteigen (was beim ersten Plättchen durchaus Sinn macht), entscheidet der nächste Spieler, ob vielleicht er das Plättchen haben möchte. Wenn alle Spieler ablehnen, deckt der Leiter ein nächstes angrenzendes Plättchen auf. Die Karawane zieht weiter und das Spielchen beginnt von vorne.
Gründe zum Ausstieg gibt es einige: Die Anzahl oder Art der bisher entdeckten Tiere passen in die eigene Sammlung und man steigt aus. Oder die Gefahr im Regenwald wird zu gross. Angst ist ein schlechter Begleiter, daher nimmt man die Tiere und verschwindet.
Auf einigen Landschaftsplättchen symbolisiert ein Moskito die aktuelle Gefahr. Deckt der Expeditionsleiter seinen zweiten Moskito auf, fallen die Moskito-Plättchen aus der Wertung und er muss mit dem Rest an aufgedeckten Tieren den Regenwald verlassen. Im schlechtesten Fall geschieht das beim zweiten Landschaftsplättchen, dann verbleiben keine Tiere mehr für die eigene Sammlung und ein Expeditionsteilnehmer ist auch noch futsch.

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Bei Costa Rica muss man also rechtzeitig aussteigen, um viele Tiere für die Endwertung zu erhalten. Als kleine Spielhilfe weiss man über die Häufigkeit der Tierarten Bescheid und in welcher Landschaft die Gefahr grösser ist. Trotzdem bleibt die Spannung gross, was unter dem gerade gewählten Plättchen wohl versteckt ist.

Noch zwei besondere Fälle können in Costa Rica auftreten. Expeditionsgruppen können abgeschnitten werden, wenn eine andere Gruppe das Einstiegsplättchen wegschnappt. Ein schöner, kleiner, taktischer Kniff, der nicht nur Freude bereitet, wenn sich eine ganze Gruppe vom Spiel verabschieden muss.
Schafft man es, als Letzter einer Gruppe übrig zu bleiben, so sollte man die gewonnene Freiheit nutzen. Die Auswahl ist gross, das Risiko aber auch.

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Das Spiel endet, wenn alle Entdecker oder alle Plättchen aus dem Regenwald sind. Für die gesammelten Tiere gibt es Punkte. Je mehr, desto höher die Punktzahl. Ein Set aus allen 6 verschiedenen Tierarten bringt zusätzlich 20 Bonuspunkte ein.

Fazit:
Costa Rica ist ein einfaches Entdecker-Familienspiel. Es gilt abzuwägen, wann man aus einer Expeditionsgruppe aussteigt. Wer nie genug kriegt, den bestrafen die Mitspieler. Sie können ja jederzeit ebenfalls aussteigen und bisher entdeckte Tiere einsammeln. Als Expeditionsleiter hat man zwar das „Vorkaufsrecht“, der Neid der Mitspieler ist allerdings oft grösser. Man sollte es nicht auf die Spitze treiben. Mit vielen Mitspielern wird es schnell eng im Dschungel. Die sich laufend verändernde Landschaft sollte man genau im Auge behalten, um nicht vom Regenwald abgeschnitten zu werden. Ein verlorener Expeditionsteilnehmer bedeutet auch weniger Tiere und weniger Punkte. Die Expedition im Urwald verläuft schnell. Meist ist man aktiv am Spiel beteiligt, ausser man ist nicht mehr in der aktuellen Expeditionsgruppe. Costa Rica ist ein gutes Spiel für die ganze Familie, bei dem man auch mal seine Mitspieler ärgern kann.

Costa Rica | Autoren: Matthew Dunstan, Brett J. Gilbert | Verlag: Lookout Spiele
Spiel für 2-5 Personen | Spieldauer: 30-45 Minuten | Ab 8 Jahren | Benötigt: Tierbevölkerte Wege durch den Dschungel | Wiederspielreiz: gross

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ZenMaster – Spielkritik

Autor Reiner Knizia verbindet ZenMaster mit Yin und Yang. Dabei hat die Spiel-Welt locker in einer Streichholzschachtel Platz, in einer grossen allerdings, denn ZenMaster ist das neueste Spiel aus der Game.Set.Match.-Reihe von Helvetiq.

zenmaster-1Bevor man sich grosse Gedanken machen muss: Das Spiel gab es schon einmal. Unter dem Namen Fifty Fifty erschien es einst im Zoch-Verlag. Nun feiert es ein Comeback beim innovativen Schweizer Verlag Helvetiq. Zahlenkarten von 1-50 sind im Spiel. Jeder Spieler erhält zufällig neun Karten davon auf die Hand. In jeder Spielrunde liegt eine Punktekarte aus. Sie zeigt an, wie viele Streichhölzer man ziehen muss, wenn man die höchste oder niedrigste Karte spielt. Mit der höchsten Karte nimmt man eine bestimmte Anzahl schwarzer Streichhölzer, weisse gibt es immer mit der niedrigsten Zahlenkarte. Alle Spieler, die dazwischen liegen gehen leer aus und das ist vorerst mal gar nicht so schlecht. Denn Ziel des Spiels ist es, möglichst wenige Streichhölzer zu sammeln.

Der Reihe nach spielen die Spieler eine Zahlenkarte aus und stechen weisse oder schwarze Streichhölzer. Auch wenn man lieber keine Hölzchen hätte, ein Stich ist noch nicht weiter schlimm. Er kann wieder korrigiert werden. Besitzt man Paare aus weiss und schwarz, darf man sie sofort wieder abgeben. Das Karma scheint dann ausgeglichen zu sein.
Die eigenen Karten bestimmen ein wenig die Strategie. Spielt man auf weisse oder schwarze Streichhölzer oder weicht man gar aus? Nach neun Runden ist Schluss und man notiert die übriggebliebene Anzahl an Streichhölzern. Gespielt werden so viele Partien, wie Spieler teilnehmen. Schafft man nämlich eine glatte 0, streicht man sein schlechtestes bisheriges Ergebnis durch. Das freut das Spielerherz.

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Fazit:
ZenMaster ist keine spielerische Neuheit. Grafisch hat es sich gegenüber der früheren Variante verbessert. Je näher man der maximalen Spielerzahl kommt, desto spannender wird das Kartenspiel. Doch nach wie vor dominiert beim schnellen Stichspiel das Glück. Einer unausgewogenen Kartenhand kann man nicht ausweichen. Wer nur hohe Karten besitzt, wird schwarze Streichhölzer sammeln – und das nicht zu knapp. Das führt zu Frust. Auch das Eliminieren von Streichhölzern funktioniert nur, wenn man auch zu beiden Arten gelangt. So wird man gelegentlich vom Spiel gespielt. Die deutsche Spielanleitung ist noch ein wenig holprig geschrieben. Aber ich denke, da wird der Verlag nachbessern. Trotzdem: ZenMaster ist kein schlechtes Spiel. In Familien und mit Kindern findet es seine Anhänger, das muss ich aus eigener Erfahrung anerkennen. Persönlich ist mir der eigene Einfluss während des Spiels zu gering.

ZenMaster | Autor: Reiner Knizia | Verlag: Helvetiq
Kartenspiel für 3-5 Personen | Spieldauer: 30 Minuten | Ab 8 Jahren | Gleichgewicht in Schwarz und Weiss | Wiederspielreiz: ok

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