Café International – App – Spielkritik

Das Spiel Café International wurde 1989 (lang ist es her) zum Spiel des Jahres gewählt. Nun bekam das beliebte Café einen Transfer ins digitale Zeitalter geschenkt. Mit der Spiele-App für iOS und Android hat man sein eigenes Café jederzeit in der Hosentasche und spielt überall munter drauflos.

Café International 1Die Spielregeln des Café International-App sind nicht identisch mit denjenigen des Brettspiels. Das fällt schon auf den ersten Blick auf: Das Spielfeld auf dem iPad ist wesentlich kleiner, die Tische und Karten benötigen digitalen Platz. Trotzdem bleibt die spielerische Grundproblematik im Café gleich: Weibliche und männlich Gäste aus unterschiedlichen Nationen sollen möglichst gleichmässig an die Tische des Cafés verteilt werden. Die Karten aller Mitspieler liegen jederzeit offen.
Ein Tutorial führt schnell und ausreichend ins Spiel. Selbst Spieler, die zur Zeit des Brettspiels noch keine solchen waren, fanden sich mit der App schnell zurecht. Danach stehen verschiedene Spielmodi zur Auswahl: Als Einzelspieler, gegen die Zeit, gegen Computergegner (mit unterschiedlicher Stärke) oder online – sie Auswahl ist gross. Mit der Bestenliste jagt man jederzeit seine eigenen Rekorde und sucht eine noch bessere Strategie.

Café International 2

Café International spielt sich ein wenig wie Solitär. Man versucht seine Spielkarten möglichst punkteträchtig abzulegen, als Notnagel dient die Bar. Dort erhält man allerdings auch mal Minuspunkte. Die Tische im Café werden erneuert, sobald sie komplett sind. Nun gilt es einfach, die besten Kombinationen zu finden. Eine Partie dauert nicht sehr lange, der Wiedererkennungswert ist hoch. Die Gäste im Café grüssen immer freundlich in ihrer Landessprache.

Als kleine Knackpunkte haben sich anfangs die Übersichtlichkeit und die wenig durchschaubare Punktewertung erwiesen. Zur Übersichtlichkeit haben die Entwickler eine Lupe eingebaut. Mit ihr vergrössert man Bildschirmausschnitte sofort. Auf kleinen Bildschirmen ist trotzdem immer noch ziemlich viel los im Café. Die Punktewertung wird wichtig, wenn man um Rekorde spielt. Auf der Webseite der Hersteller kann man ein Handbuch herunterladen, das alle Fragen diesbezüglich beantwortet. Eine kundenfreundliche Lösung.

Fazit:
Café International ist eine gelungene Umsetzung des Brettspiels, wenn auch nicht identisch. Das muss auch nicht sein. Die App hat andere Vorteile: Die unterschiedlichen Nationalitäten werden akustisch hervorgehoben, das Nachlegen der Karten und der Ausweg über die Bar lassen das Spiel immer offen. Die vier Spielmodi bringen zudem Abwechslung in den Café-Alltag. Der einfache Spielablauf lädt sofort zu einer Partie ein. Beim Legen der Karten benötigt man ein wenig Überblick, ein Stück Weitsicht und natürlich Kartenglück. Dann werden die Rekorde sicher purzeln. Auf kleineren Bildschirmen wird es eng im Café, das Spiel benötigt Platz. Trotzdem: Die App von Café International bringt schnellen Spielspass – überall.

Café International – App | Autor: Rudi Hoffmann | Entwickler: Application Systems Heidelberg Software GmbH
Brettspiel-App für die ganze Familie | Android und iOS | Spieldauer: ab 15 Minuten | Benötigt: Übersicht im Café und Ordnungssinn für die Tische | Wiederspielreiz: gross

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Beasty Bar – Spielkritik

Der Zutritt zur angesagtesten Bar der Stadt ist gar nicht so einfach und unterliegt eigenen Gesetzen. In der Tierwelt ist das nicht anders. Die Schlange ist lang vor der Tür der Beasty Bar. Und die Reihenfolge ändert sich ständig, da manche Tiere sich in diesem Kartenspiel tierisch unanständig benehmen. Wer bringt die meisten Tiere in die Bar?

Beasty Bar 1Die Spielkarten sind gross und wunderbar illustriert. 12 Tiere erhält jeder Spieler, jedes mit einer unterschiedlichen Eigenschaft. Mal friedlich, mal aggressiv, mal laut oder mal hungrig. Vier Tierkarten nimmt jeder Spieler auf die Hand, die restlichen Karten bilden den persönlichen Nachziehstapel.
In der Tischmitte liegt der beschwerliche Weg zur Beasty Bar aus. Der Eingang wird von einem Gorilla bewacht. Er öffnet die Tür erst, wenn exakt 5 Tiere in der Warteschlange stehen. Und selbst dann lässt er nur die ersten beiden Tiere in die Bar. Das letzte Tier in der Reihenfolge fliegt aus dem Spiel.

Bis hierhin wäre das Spiel ja noch friedlich. Die Tiere haben allerdings alle ihre kleinen Macken. Das Krokodil frisst alle vor sich stehenden Tiere mit kleineren Werten auf. Das Nilpferd benimmt sich extrem ungeduldig und drängelt. Das Stinktier macht dicke Luft und vergrault die beiden stärksten Tiere in der Reihe. Oder die Robbe vertauscht mal schnell Eingang und Ausgang. Damit ist auch schnell klar: Das einzig Berechenbare an Beasty Bar ist das Unberechenbare!

Beasty Bar 3

In jedem Spielzug legt ein Spieler ein neues Tier hinten in die Reihe und führt dessen Eigenschaft aus. Danach erledigt man ständige Tiereigenschaften. Das Krokodil hat beispielsweise immer Hunger und sucht in jedem Spielzug nach Beute. Und zum Schluss lässt man Tiere in die Bar, wenn genau fünf in der Reihe stehen.

Sind alle Karten gespielt, wird abgerechnet: Wer die meisten Tiere in der Bar hat, gewinnt.

Fazit:
Beasty Bar ist ein Chaos-Spiel mit einfachen Regeln. Die Bedingungen wechseln jedoch immer wieder und die Eigenschaften der Tiere machen das Spiel ziemlich unberechenbar. Zudem benötigt man ein wenig Glück, um mit den passenden Tieren auf die Auslage reagieren zu können. Bis man sämtliche Eigenschaften der Tiere komplett kennt, muss man ein paar Partien spielen. In der Warteschlange vor der Bar passiert einiges… und doch nicht so viel wie zuerst erwartet, da sich ja höchstens 5 Tiere um die Rangordnung streiten. Beasty Bar lebt von der Unberechenbarkeit, der Schadenfreude und gelungenen Tierkombinationen. In dieser Hinsicht erinnert es an Kalimambo aus dem gleichen Verlag. Gross planen kann man seine Aktionen nicht. Wer sich auf solche Spiele einlassen kann, wird viel Spass haben im Gedränge vor der Beasty Bar.

Beasty Bar | Autor: Stefan Kloss | Verlag: Zoch
Kartenspiel für 2-4 Personen | Spieldauer: 20 Minuten | Ab 8 Jahren | Benötigt: Tierische Reize im Gedränge | Wiederspielreiz: gross

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Machi Koro – Spielkritik

Japanischen Städtebau lernt am schnellsten bei Machi Koro. Und schnell merkt man auch gleich: Der Japaner baut seine Häuser nicht, er würfelt sie. Mit einem Spielelement aus Die Siedler von Catan vergrössert man Runde für Runde seine Stadt. Hat man seine vier Grossprojekte schneller als in deutschen Grossstädten, aber vor allem vor seinen Mitspielern, verwirklicht, gewinnt man den Städtebauwettkampf.

Machi Koro 1Alle Spieler starten mit denselben Voraussetzungen: Ein Weizenfeld und eine Bäckerei. Dazu liegen noch vier unverwirklichte Grossprojekte rum. Mit genügend Geld können sie im Laufe des Spiels gebaut, die Karten umgedreht werden. Von 15 weiteren Unternehmen liegen in der Tischmitte Karten aus. In jedem Spielzug kann eines gegen Bezahlung in die eigene Stadt geholt werden.
Ein Spielzug verläuft ziemlich einfach: Mit einem oder zwei Würfel erspielt man sich erst den Ertrag (Catan lässt grüssen), denn jede Karte wird durch eine oder mehrere gewürfelte Zahlen aktiviert. Man begleicht seine Rechnungen und nimmt sich sein Einkommen. Ist noch genügend Geld in der Portokasse, darf man sich ein neues Unternehmen kaufen. Durch das ständige Kontrollieren der eigenen Städtekarten sind alle Spieler immer aktiv am Spielgeschehen beteiligt.

Machi Koro 2

Es gibt verschiedene Arten von Unternehmen, die man ansiedeln kann. Einige bringen persönlichen Gewinn, andere werfen auch bei fremden Wurfzahlen eine Beteiligung ab. Cafés und Restaurants müssen von fremden Spielern bezahlt werden. Und ein paar besondere Unternehmen bringen besondere Vorteile. Alle Karten sind gut und verständlich beschriftet. Schon nach einer Partie kennt man die Möglichkeiten auswendig. Von den meisten Karten dürfen mehrere Exemplare in der eigenen Stadt sein. Ihr Effekt vervielfacht sich auch dementsprechend.

Natürlich muss erst die Stadt so ausgebaut werden, dass sie Gewinn abwirft. Das grosse Ziel aber bleibt: Wer als Erster seine vier Grossprojekte baut, gewinnt!

Als Spielvariante wird nur mit 10 unterschiedlichen Unternehmen gespielt, die Runde für Runde ergänzt werden. Das macht Machi Koro ein wenig spannender, da nicht immer alle Gebäude verfügbar sind. Das Glückselement mit den Würfeln bleibt aber nach wie vor.

Fazit:
Machi Koro ist ein schnell erklärtes Würfelspiel. Der einfache Spielmechanismus lädt sofort zu einer ersten Partie ein. Die Karten sind sehr gut erklärt, es bleiben auch während des Spiels keine Frage offen. Doch eins ist klar: Bei Machi Koro handelt es sich um ein Glücksspiel. Man ist immer von den Wurfzahlen abhängig. Durch sie erhält man Ertrag oder sitzt eben geldmässig auf dem Trockenen. Und trotzdem spielt man gerne mit, denn jeder Spieler ist immer aktiv dabei. So hat man selbst bei ungünstigsten Würfelaugen noch das Gefühl, einiges für seine Stadt gebaut zu haben. Die Spieldauer ist zudem so kurz, dass man die Würfelorgie locker übersteht. Machi Koro ist ein flottes, glücksträchtiges Städtebauspiel und macht Spass. Glück und Pech liegen schiesslich so nahe beieinander.

Machi Koro | Autor: Masao Suganuma | Verlag: Kosmos
Würfelspiel für 2-4 Personen | Spieldauer: 30 Minuten | Ab 8 Jahren | Benötigt: Glückliche Karten in der eigenen Stadt | Wiederspielreiz: gross

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Brettspiel-Club von Hunter + Cron

Hunter + Cron beleben seit rund einem Jahr den Brettspiel-Rezensionsmarkt mit ihren Videos über die neuesten Brett- und Kartenspiele. Unermüdlich besprechen sie Spiel für Spiel vor der Kamera und ihre Werke lassen sich wirklich sehen. In einer angenehmen Länge und handwerklich richtig toll gelöst, erfährt man einiges über aktuelle Gesellschaftsspiele.

Hunter und CronNun gingen Hunter + Cron gar noch einen Schritt weiter du erfanden kurzerhand den Brettspiel-Club. In vorerst drei Folgen werden Brettspiele vorgestellt und durchgespielt. Black Fleet machte den Anfang im November, nun erschien ein Club-Video zum Thema Camel Up. Hunter + Cron laden immer zwei (mehr oder weniger bekannte) Persönlichkeiten zum Spielen ein. In der aktuellen Folge sind das Dr.Allwissend (“Es ist eben ein Glücksspiel.) und Melissa (“Brettspiele dauern so 10 Stunden”). Entstanden ist ein kurzweiliges Video, in dem man miterleben kann, wie wenig erfahrene Spieler sich in die Materie einleben. Der Spielspass steigt von Minute zu Minute. Zwischenkommentare aller Teilnehmer lassen einen Blick hinter die, mehr oder weniger, guten Strategien zu.
Als Zuschauer lernt man das ausgewählte Brettspiel gleich selber richtig kennen und spielen.

Hier ist der Link zur neuesten Folge des Brettspiel-Clubs: Brettspiel-Club mit Camel Up

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Socken Pfeffern – Spielkritik

Wer hat nicht schon einmal seine Socken zu Hause in die Ecke geschmissen? Mit Socken Pfeffern wird das Vorgehen legalisiert. Nun müssen die Socken geworfen werden. Der Weg ist bei diesem witzigen Wurfspiel das Ziel. Und am Ende landen erst noch alle Socken in der Waschmaschine.

Socken PfeffernRot und auffällig ist die Spielbox für die Socken, die zugleich auch die Waschmaschine, also das Ziel einer Partie ist. Die Spielidee, die sich hinter Socken Pfeffern verbirgt, ist eigentlich ziemlich verrückt: Socken werden mit ein wenig Gewicht gefüllt und durch einen Parcours geworfen. Alles, was zwischen Start und Ziel liegt, unterliegt den Abmachungen der Spieler. Gleichwohl gibt es ein paar Vorschläge. Ein Sockenparcours soll über mehrere Stationen gehen. Das kann im Haus in etwa so aussehen. Man werfe von der Küche auf den Esstisch, treffe danach die zweite Treppenstufe, schmeisst die Socke auf den grossen Sessel und zielt über das Sofa in die Waschmaschine. Noch mehr Möglichkeiten bietet eine Outdoor-Partie. Socken Pfeffern spielt sich im Haus ebenso gut, als auch ausserhalb.
Natürlich steht die Geschicklichkeit an erster Stelle. Socken Pfeffern ist ein wenig wie Boccia ohne Kugeln. Doch hier zählen die Wurf-Versuche bis zum Ziel. Wer seine Socke zuerst in die Maschine kriegt, schreibt eine Null. Die weiteren Mitspieler notieren sich die Anzahl zusätzlicher Versuche. In einem Durchgang muss man sich allerdings höchsten 4 Punkte gutschreiben lassen.

Socken Pfeffern 2

Vor dem Sockenspiel wird abgemacht, wie viele Runden man spielt. Nach verschiedenen Parcours endet Socken Pfeffern. Es siegt der Wäscheschmeisser mit der geringsten Punktzahl.

Fazit:
Was soll man zu so einem Spiel schon sagen? Die Spielidee ist simpel und derart witzig umgesetzt, dass es grossen Spass macht. Bei Ballspielen spricht man von Ballgefühl, hier benötigt man Sockengefühl. Man wird eins mit seiner Socke und wirft sie von Station zu Station. Das Spielmaterial ist spitze. Wer das Spiel nicht mag, trägt wenigstens die Socken mit Stolz. Woher kriegt man so originelle Socken? Socken Pfeffern ist ein turbulentes Wurfspiel, benötigt ein wenig Geschicklichkeit, ab und zu auch Glück. In den unterschiedlichen Parcours hat sich so manches Blatt, äh so manche Socke schon gewendet. Zudem kann man das Spiel einfach überall spielen.

Socken Pfeffern | Autor: Frank Bebenroth | Verlag: Zoch Verlag
Wurfspiel für 2-4 Personen | Spieldauer: Wird selber festgelegt | Ab 6 Jahren | Benötigt: Genauigkeit beim Wäschewurf | Wiederspielreiz: gross

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