Das Spiel beginnt! – Interview zur grossen ZDF-Fernsehshow

„Das Spiel beginnt!“ heisst die grosse Samstagabend-Show des ZDF. Sie richtet sich an Spielbegeisterte von 3-99. Prominente und Kinder messen sich im spielerischen Wettkampf. Bekannte Gesellschaftsspiele werden fernsehgerecht und in ungeahnter Grösse für die Zuschauer umgesetzt. Verantwortlich für die Realisierung der Show ist Riverside Entertainment. Deren Redakteur, Thore Klostermann, war an der Spielwarenmesse in Nürnberg äusserst aktiv und hat sich nach neuem Spielmaterial umgeschaut. brettspielblog.ch hat nachgefragt, was es für eine derart grosse Fernsehunterhaltung alles braucht.

“Das Spiel beginnt!” ist die grosse Samstagabend-Show des ZDF, bei der sich alles um Gesellschaftsspiele dreht. Promis treten im direkten Duell gegen Kinder an. Wie sucht man sich die passenden Spiele für so eine Show aus?
Thore Klostermann (T.K.): Ich denke, die wichtigste Voraussetzung für eine passende Auswahl ist die eigene Begeisterungsfähigkeit für das Thema Spiele. Wir in der „Das Spiel beginnt!“-Redaktion sind nicht nur von Berufs wegen am Spielen, sondern tun das auch in unserer Freizeit. Und das gilt auch für unsere Kollegen beim ZDF.
Die konkrete Suche nach Spielen für unsere Sendung besteht dann aus einem großen Recherchezug quer durch die Spielelandschaft. Von Spielen aus dem privaten Leben, über das Rauskramen von Klassikern, Verlagskatalogen und Forumsbeiträgen, bis hin zu den Neuerscheinungen der Spielwarenmesse klopfen wir alles auf Tauglichkeit ab.
Und obwohl der Markt eine schier endlose Auswahl bereithält, bleiben am Ende der Rechercherunde gar nicht so viele Titel übrig, die wir so für die Sendung umgestalten können, dass es passt.

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Die Moderatoren Faye Montana und Johannes B. Kerner. Quelle: ZDF / Frank W. Hempel

Was lässt sich im Fernsehstudio überhaupt umsetzen? Welche Kriterien müssen die Spiele erfüllen? Wo seid Ihr an eure Grenzen gestoßen?
T.K: Für „Das Spiel beginnt!“ müssen die Spiele vor allem eines sein: extrem schnell verständlich. Johannes B. Kerner sollte die Möglichkeit haben, jedes Spiel in drei Sätzen zu erklären. Zweitens müssen wir die Spiele ja fürs Fernsehen modifizieren. Außerdem müssen die Spiele kurz und kurzweilig sein. Und ganz wichtig: Letztendlich müssen wir in der Auswahl der Spiele berücksichtigen, dass bei uns Kinder gegen Erwachsene spielen und in jedem Spiel eine Chancengleichheit zwischen Groß und Klein besteht.
Dieses Korsett an Voraussetzungen hat uns natürlich schon einige Spiele kippen lassen. Interessanterweise sind wir schon einige Male daran gescheitert, klassische Würfelspiele zu inszenieren. Das Moment des Würfelns zieht den Fokus so sehr vom Spiel und macht die Spiellänge so unkalkulierbar, dass leider eine ganze Bandbreite an spannenden Spieleklassikern vorerst nicht bei uns gespielt wird.

Die Sendung lebt vor allem vom Spieleifer der Kinder, aber auch der Prominenten. Wie stellt Ihr eine möglichst knackige Spielgruppe auf beiden Seiten zusammen?
T.K.: Seit der Ausstrahlung der ersten Sendung, bewerben sich die Kinder selbstständig bei uns. Wir schauen uns dann jedes einzelne Kind genau an. Besonders wichtig ist für uns die Frage: Wie spielt das Kind?
Auch bei den Erwachsenen schauen wir natürlich als erstes, wie sie zu Spielen eingestellt sind. Dann ist hier natürlich die Mischung wichtig. Es soll sich ja möglichst jeder Zuschauer angesprochen fühlen.

Die erste Sendung hat nicht nur in der “Brettspielszene” einige Kritik einstecken müssen, bezüglich Moderation, gewählte Spiele, Chancengleichheit etc. Liest man als Redakteur einer Sendung diese Kritik? Wenn ja, welche Veränderungen wurden daraus für die zweite Sendung umgesetzt, die ja deutlich besser abschnitt in der Beurteilung von aussen?
T.K.: Ja, die Kritiken lese ich natürlich sehr aufmerksam. Jede produktive Kritik haben wir sehr ernst genommen und auf verschiedenen Ebenen herausgearbeitet, was der ersten Sendung noch gefehlt hat. Allerdings ist es für den Zuschauer manchmal nicht zu verstehen, dass ein jedes Spiel auch „fernsehtauglich“ sein muss.

Das Spiel beginnt 1

“Das Spiel beginnt!” bringt eigentlich alles mit für eine gute Familienshow am Samstagabend: Spiele, Spass, Spannung über alle Generationen. Wie schwierig ist es, in der heute schnelllebigen Fernsehlandschaft, eine derartige Sendung zu etablieren? Hat man überhaupt noch Zeit, um ein Sendeformat weiterzuentwickeln?
T.K.: Es ist tatsächlich so, dass sich heute eine neue Sendung sehr schnell bewähren muss und schlechte Quoten ansonsten ein frühes Aus noch früher herbeiführen können, als das vielleicht früher noch der Fall war. Mit „Das Spiel beginnt!“ haben wir allerdings das Glück, dass wir diese Sendung für das ZDF produzieren dürfen. Bei diesem Sender greift nicht gleich helle Panik um sich, wenn die Quote für eine gute Sendung mal ein paar Prozent hinter den Erwartungen zurückbleiben. Daher haben wir nach jeder Sendung die Möglichkeit, die Stärken und Schwächen klar zu analysieren und Verbesserungen für die nächste Sendung zu erarbeiten.

Sieg und Niederlage gehören zum Spiel. Am Ende der zweiten Sendung schaute man vor dem Fernseher allerdings in traurige Kinderaugen, die in der letzten Runde alles verspielten. Wird man den Einsatz der Kinder in Zukunft, auch bei einer Niederlage in einer geeigneten Form belohnen?
T.K.: Bisher gilt der harte Grundsatz, dass wir in dieser Sendung einen möglichst authentischen Wettkampf haben möchten, ohne dass Kinder in irgendeiner Form bevorteilt werden. Ob das nun auch bedeutet, dass die Kinder auf der Bühne keinen Trostpreis erhalten sollten, werden wir noch diskutieren. Hinter der Bühne, so viel sei gesagt, hat jedes Kind einen Trostpreis erhalten.

Abschlussfrage: Wenn alles möglich wäre, in welche Richtung soll sich die Sendung “Das Spiel beginnt!” noch entwickeln?
T.K.: Im Optimalfall würde sich „Das Spiel beginnt!“ zum vielbeschworenen Fernseh-Lagerfeuer entwickeln, um das sich am Samstagabend die ganze Familie schart und sich gemeinsam gut unterhalten fühlt. Als Kind habe ich es immer geliebt für „Wetten, dass ..?“ länger wach bleiben zu dürfen und war verzaubert von den Wetten und den Gästen. Wenn wir das mit unserer Sendung, unseren Spielen und unseren Gästen auch schaffen, wäre ich sehr zufrieden.

Besten Dank für das Interview.

Thore Klostermann, Riverside Entertainment und dem ZDF wünsche ich natürlich eine erfolgreiche dritte Fernsehshow. Die Spiele sind jeweils spannend umgesetzt und können einer breiten Masse präsentiert werden. Also unbedingt einschalten und staunen, was aus den kleinen Brettspielen gezaubert wurde.

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2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

    • Es waren immer an die 10 Spiele, die umgesetzt wurden. In Folge zwei und drei auch einige doppelt, da die Aufzeichnungen der Sendungen nah aufeinander erfolgten. Das Spektrum ging von Klassikern (Memory, Stadt-Land-Fluss) bis zu neueren Umsetzungen (Diego Drachenzahn, Lift it). Einige Spiele, wie z.B. Lotti Karotti, Hamsterrolle oder Looping Louie wurden schon eindrücklich und fernsehtauglich umgesetzt. Ob das Format weitergeht, ist noch nicht bekannt.

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