La Granja – Michael Keller und Andreas Odendahl

Im Juli 2014 erscheint das Spiel La Granja, bei dem die Spieler versuchen, ihren kleinen Bauernhof zu einem grossen Landgut auszubauen. Das wird zur planerischen Herausforderung auf Mallorca. Zudem bemerkenswert: Aus Autorensicht ist La Granja eine deutsch-schweizerische Co-Produktion. Ein guter Grund für brettspielblog.ch, um bei den beiden Autoren Michael Keller und Andreas Odendahl nachzufragen.

Spielworxx ist ein Kleinverlag, der „anspruchsvolle Spiele für den Spielegourmet“ veröffentlicht. Euer Erstlingswerk La Granja erscheint nun genau bei diesem Verlag. Was kann man von La Granja erwarten?
Andreas Odendahl: La Granja ist genau das geworden, was man von diesem Verlag erwarten kann. Es ist klar ein Spiel für Vielspieler und Kenner. Was man vielleicht als Charakteristikum nennen kann, ist, dass der Spielablauf selber im Grunde recht einfach ist. Allerdings steckt dann noch viel dahinter. Trotz einfachem und strukturiertem Rundenablauf entsteht die Tiefe durch die Zusammenhänge der Spielelemente. Insofern ist es schon ein wenig ein Spiel, das man entdecken muss und auch kann. Wir haben gemerkt, dass die meisten Spieler nach der Hälfte der Kennenlernpartie Ablauf und Regeln verinnerlicht haben und sich meist schon auf weitere Partien freuen, in denen sie die Tiefe dann ausloten können. Mir selbst gefallen solche Spiele auch am besten. Ich mag es, wenn da mehr dahinter steckt, als die erste Partie mir aufzeigt.

Das Spiel entstand in Zusammenarbeit mit Andreas Odendahl. Wie habt ihr euch gefunden und wie funktioniert so eine deutsch-schweizerische Co-Autorenschaft möglichst effizient?
La GranjaMichael Keller: Ich wurde vor einigen Jahren auf Andreas aufmerksam. Ich war sehr angetan von Uwe Rosenberg „Vor den Toren von Loyang“ und habe den Verleger kontaktiert. Und so habe ich dann ein paar Leute kennengelernt, die mit dem Verlag zu tun hatten. Neben Ralph Bruhn waren das eben auch Uwe Rosenberg und Andreas, der in Essen Loyang am Verlagsstand erklärt hat. Schlussendlich haben wir über Chat angefangen, über unsere Spielideen und Entwicklungen zu schreiben. Dann kam das Eine zum Anderen und mittlerweile sind wir „Spielefreunde“, auch privat. Der Ideenaustausch und die Entwicklung über die Distanz sind in der Tat nicht immer einfach: Man kann sich zwar über alles austauschen per Chat oder Videotelefonie, es benötigt aber viel mehr Zeit, als wenn man eben zusammensitzen könnte und darüber reden. Dafür kann man einander spontan im Internet  anschreiben, wenn man gerade etwas loswerden möchte, oder wenn man eine gute Idee hat.

Wie schwierig war es, einen Verlag für La Granja zu finden?
Andreas Odendahl: Eine schwierige Situation ist es erst mal gewesen, da weder Mike noch ich in irgendeiner Art und Weise bekannt waren. Für viele kleine Verlage ist es einfacher, wenn sie Spiele bekannter Autoren veröffentlichen. Wenn der Verlag nicht ganz so bekannt ist, dann ist es sinnvoll, wenn die Autoren in der Spielergemeinschaft ein hohes Ansehen haben. Und Aufmerksamkeit ist sehr wichtig. Besonders, weil jedes Jahr so viele Spiele veröffentlicht werden.
Bei anderen Verlagen wird von einer treuen Fangemeinde jedes neue Spiel bemerkt. Diese Verlage können es sich leisten auch Autorenneulinge zu veröffentlichen. Ich denke, Spielworxx ist so ein Verlag und wir danken Uli Blennemann sehr dafür, dass er den Mut hatte, mit zwei so Frischlingen, die noch grün hinter den Ohren sind, zusammen zu arbeiten.

Wie sehr hat sich das Spiel mit dem Zuzug des Verlages noch verändert?
Michael Keller: Der Verlag hat uns lange Zeit viele Freiheiten gelassen, das Spiel so zu weiter zu entwickeln, wie es uns am besten gefällt. Hin und wieder wurde das Spiel auch von Verlagsseite getestet und es gab immer wieder kleinere Rückmeldungen. Erst kurz vor Schluss gab es dann ein paar detailliertere Punkte, die dann von Uli noch glattgeschliffen wurden. Wir haben in der Zusammenarbeit viel über Verlagsarbeit gelernt und durften uns auch immer intensiv in die Gestaltung des Spiels einbringen. Alles in allem muss man schon sagen, dass der Verlag es ermöglicht hat, dass noch sehr, sehr viel von uns in dem Spiel steckt.
Was die grafische Ausarbeitung betrifft, so wurde von Harald Lieske Grossartiges geleistet: Er war ja nicht nur für die grafische Gestaltung verantwortlich, sondern musste auch das ganze Material aufeinander abstimmen… das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen!

Und zum Schluss: Warum muss man sich La Granja unbedingt anschaffen?
Michael Keller: So eine Frage kann man als Autor schlecht beantworten. Von uns aus muss natürlich jeder ein La Granja haben, keine Frage – aber wir haben hier auch ein Spiel entwickelt, das ziemlich genau unseren Spielegeschmack trifft. Wir haben einfach unsere Vorlieben, was Spiele angeht, und die haben wir bei der Entwicklung von La Granja intensiv ausgelebt. Viele Elemente, die schlussendlich im Spiel gelandet sind, haben wir in anderen Spielen kennen und schätzen gelernt. Und wir wollten diese mal in abgewandelter Form in einem eigenen Spiel sehen. Vor allem Andreas hat ein grosses Repertoire an „Lieblingsmechanismen“, welche dann irgendwo wieder auftauchen, während ich mehr von der thematischen Seite aus gewisse Elemente entwickle. Ich denke, das merkt man dem Spiel auch an. Es ist nichts wahnsinnig Innovatives oder Neues im Spiel, aber alles ist neu abgeschmeckt zu unserer eigenen Kreation geworden. Und so haben wir uns unser eigenes Lieblingsspiel gebastelt!

Michael Keller und Andreas Odendahl, besten Dank für das Interview. Ich wünsche euch viel Erfolg mit eurem ersten Spiel.

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