Matthias Cramer – Spielautor

Der Name Matthias Cramer ist noch nicht lange unter den Spielautoren zu finden. Was er aber macht, ist erfolgreich. Glen More, Mieses Karma oder Lancaster sind unter Spielern freudig aufgenommen worden. Lancaster steht sogar auf der Nominierungsliste des Kennerspiels des Jahres 2011. Sein neuestes Spiel wird garantiert ein weiterer Erfolg: Helvetia! Was soll mit diesem Namen schon schiefgehen. Und da hakt natürlich der Schweizer Brettspielblog nach:

Kosmos schreibt über Helvetia: Verheiraten sie ihren Bauernsohn in das Dorf eines Mitspielers. Worauf kann man sich bei Helvetia freuen? Eine Art Herzblatt in den Schweizer Alpen?
Matthias Cramer (M.C.): Flotte Sprüche zum Anbandeln liefert das Spiel nicht, das müssen die Spieler schon selbst erledigen. Bisher haben aber alle Testspieler diese Aufgabe mit Bravour gemeistert. Aber im Ernst: Helvetia ist ein Spiel, in dem ich viele verschiedene Dinge herstellen kann. Nur weniges davon schaffe ich selbst, also versuche ich die Lücken mit einer geschickten Heiratspolitik zu schließen. Somit ist jedes Dorf multikulturell und die Spieler beeinflussen sich auch mit ihren sonstigen Aktionen. Ich mag Spiele mit Win-Win Situationen, sie schaffen Interaktion ohne dem Mitspieler etwas wegzunehmen.

Wie kam Helvetia zum schweizerischen Thema? War das schon vom ersten Prototyp her so geplant?
M.C.: Nein, das Spiel war im Prinzip fertig und hatte kein Thema. Die Grafiken für den Prototyp hatte ich mir von einer Computerspielseite aus dem Netz geborgt und auch durch die Wahl der Produkte spielte das „Dorfspiel“ irgendwo in Mitteleuropa. Schließlich musste ich auf Namenssuche gehen und blieb bei dem Eigennamen eines Landes hängen, das man ruhig mal spielerisch würdigen kann. Und da der Autor eine Schwäche für ein paar Schweizer Käse-Spezialitäten hat, war das auch eine Bauch-Entscheidung.

Kulturlose kleine Bergdörfer in den Schweizer Alpen, Leute verkuppeln… Um Himmels Willen, welchen Eindruck hat denn Matthias Cramer von der Schweiz?
M.C.: Kulturlos? In Helvetia geht es um nichts anderes als Kultur. Wo man in anderen anspruchsvollen Spielen Holz, Lehm und Steine häuft, sind diese bei Helvetia gerade mal Ausgangsbasis für hochwertige Güter. Auch horte ich nicht möglichst viele Rohstoffe (kann man gar nicht), sondern ich versuche möglichst viele verschiedene Güter herzustellen. Gegen Ende der Partie errichte ich vielleicht noch ein oder zwei Kulturgebäude, die meinem ganzen Dorf etwas nutzen. Alltagskultur ist sowieso viel interessanter als das, was man gemeinhin unter „hoher Kultur“ versteht.

Mit Glen More oder Lancaster sind eher anspruchsvolle Spiele von Ihnen erschienen. Ist das auch die Art von Spielen, die Ihnen gut gefällt?
M.C.: Ja und nein. Ich mag, bis auf einige Ausnahmen, eigentlich keine Spiele, die mehrere Stunden dauern. Daher versuche ich bei meinen Spielen, das Spielende so nahe wie möglich an den Höhepunkt zu legen. Eine sechste Runde bei Lancaster würde meines Erachtens die spielerische Dichte zerstören genauso wie mehr Plättchen für die Glen-More-Schachtel.

Nach einem Thema wie Helvetia gibt es aus meiner Sicht eigentlich kein Steigerungspotential mehr. Stehen bei Ihnen trotzdem neue Themen an?
M.C.: Neue Themen stehen bei mir immer an, allerdings hänge ich zur Zeit in England fest. Der König verlangt nach Nachschub und wenn ich den nicht liefere, wird er meinen Kopf verlangen. Aber es gibt auch andere Projekte, über die ich im Moment allerdings nicht viel verraten kann.

Ich wusste ja, dass unser Käse für etwas gut ist. Damit steht einem Erfolg Helvetia’s nichts mehr im Weg. Matthias Cramer, besten Dank für das Interview und weiterhin viele tolle Spielideen!

> Zur Spielkritik von Helvetia

» Mit dem Newsletter immer spielend mehr wissen!

3 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Tolles Interview – vielen Dank Paddy (und natürlich auch an Matthias C.)

    Matthias Cramer kann man schon langsam als „Shooting Star“ der Spieleautoren bezeichnen! Und wenn er dann noch den SdJ-Preis mit Helvetia holt, …….

    • Danke Xavi. Auch für einen deiner früheren Kommentare, der mich zur Idee für dieses Interview brachte. Jetzt spielen wir uns sicher alle durch Helvetia ;-)

  2. Pingback: Gruezi! | BrettspielWelt Magazin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Pflichtfelder sind mit * markiert.