Peter W. Gygax – CEO Carletto AG

Wer sich in der Schweiz mit Brett- und Kartenspielen beschäftigt, stellt schnell fest: Hier läuft der Vertrieb oft anders als in Deutschland. Verlage wie Schmidt, Hans im Glück, Amigo, HABA oder Zoch beispielsweise setzen in der Schweiz auf den Vertrieb durch die Carletto AG. Selbst in den Spielregeln wird der Schweizer Grosshändler oft separat erwähnt. Ein guter Grund für Brettspielblog.ch, um bei Peter W. Gygax, dem CEO der Carletto AG, nachzufragen.

Welchen Stellenwert nehmen Brett- und Kartenspiele bei einem Spielwaren-Grosshändler wie der Carletto AG ein?
Peter W. Gygax (P.G.): Einen hohen, wir erzielen mit der Spiele-Distribution rund 50% unseres Umsatzes.

Weshalb hat die Schweiz häufig einen Sonderstatus im Vertrieb von Brettspielen und ist nicht Deutschland angeschlossen?
P.G.: Eine erfolgreiche Vermarktung muss sich den Gegebenheiten des Marktes anpassen. D.h. für die Schweiz müssen Spiele multilingualisiert, im Design oder inhaltlich angepasst werden. Einige Verlage haben keinen dementsprechenden Partner oder eigenen Vertrieb und liefern deshalb aus Deutschland, Italien oder Frankreich direkt in den CH-Markt. Diese Verlage erreichen meist aber nur einen Teilmarkt. Wir sind für die von uns vertretenen Verlage mehrheitlich für die Produkt-Adaptionen, Produktionen, Verkauf und das Marketing vollumfänglich zuständig.

Viele neue und auch kleine Spieleverlage sind entstanden, jährlich erscheinen mehrere hundert neue Brettspiele. Wie umkämpft ist der Spielmarkt?
P.G.: Der Markt ist sehr umkämpft. Viele herausragende Spiele schaffen leider nicht den Sprung in die Wirtschaftlichkeit oder in den Handel.

Ist der Konkurrenzdruck für Carletto im Brettspielbereich spürbar?
P.G.: Konkurrenz belebt das Geschäft. Wir sind ein Marktteilnehmer unter vielen, natürlich spüren wir alle möglichen Varianten von Konkurrenz, sei es von „ennet dä Gränze“, Online oder auf Markenebene.

Gibt es Produkte im Brettspielbereich, die Carletto noch gerne im Portfolio hätte?
P.G.: Unter Umständen ja, aber wir sind mit unserem Portfolio ganz gut beschäftigt und sehen in dieser Arbeit noch viel Potential, Aufgaben und Chancen.

Die Carletto AG feierte 2011 das 25 Jahr-Jubiläum. Wie entwickelt sich Carletto in den nächsten 25 Jahren weiter?
P.G.: Wir müssen uns dem veränderten Marktumfeld noch besser anpassen. Der Schweizer Detailhandel steht vor massiven Veränderungen. Grenzübergreifender Onlinehandel wird marktbestimmend, Preise nähern sich dem EU-Niveau und Konsumenten erwarten nicht nur mehr vom selben, sondern einzigartige, individuelle Produkte. Eine Herausforderung für die Verlage, die Distribution, den Handel, aber mit guten Chancen für unsere kleine Industrie. Das war vor 25 Jahren nicht anders als heute und in Zukunft.

Kennt Peter Gygax, der CEO von Carletto, sämtliche Brettspiele in seinem Vertrieb? Oder welche Spiele spielen Sie denn gerne?
P.G.: Ich befasse mich im Tagesgeschäft viel mit Spielen und den Verlagen. Wir sind sehr früh in die Entwicklung eingebunden und versuchen schon in diesem Stadium die Marktchancen eines Titels abzuschätzen. Persönlich richtet sich meine Spielfreude nach unseren Kindern die jetzt allmählich den Kleinkinderspielen entwachsen sind.

Peter W. Gygax, besten Dank für das Interview. Der Carletto AG wünsche ich weiterhin viele spannende Spiele, die sie in der Schweiz vertreiben kann. In einer Aussage waren wir uns beide nämlich einig: Der Schweizer Spielemarkt wird oft unterschätzt!

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