Rokoko – Stefan Malz

Mit Rokoko erscheint im Herbst 2013 ein Strategiespiel, das in der Zeit Louis XV. spielt. Prestigepunkte erhält man hier aber durch… Kleider. So gesehen ein etwas ungewöhnliches Thema. Doch Kleider machen eben Leute – in diesem speziellen Fall gleich 3 Autoren (Stefan und Louis Malz, Matthias Cramer). Ein guter Grund für brettspielblog.ch, um bei Stefan Malz nachzufragen.

Im Herbst 2013 erscheint Ihr neues Spiel Rokoko. Gleich 3 Männer haben sich dem Thema Kleider verschrieben. Wie kam es zu dem ungewöhnlichen Thema des Spiels?
RokokoStefan Malz (S.M.): Das Thema kam erst relativ spät zum Spiel. Vor gut drei Jahren, als wir mit der Entwicklung von Rokoko anfingen, ging es noch um die St. James Street in London. Das ist die Straße, in der viele der berühmten Maßschuster ihren Firmensitz haben. Der Spieler hat also Maßschuhe für Damen und Herren hergestellt. Viele Grundelemente waren dort bereits vorhanden (Personal mit drei Ausbildungsstufen, verschiedene Rohstoffe, das Lagerhaus), aber einiges fehlte noch. Schon bald wurde das Thema erstmals angepasst und die Spieler hatten ein Bestattungsunternehmen. Man stellte Särge auf Kundenwunsch her und kümmerte sich um die Bestattung auf dem Friedhof Père-Lachaise in Paris. Das Spiel war nun schon 80% dessen, was demnächst als Rokoko erscheinen wird. Nur leider hat sich kein Verlag an dieses Thema herangetraut. Somit mussten wir uns ein neues Thema suchen, und haben es mit Rokoko gefunden.

Wie funktioniert eine Zusammenarbeit zwischen drei Spielautoren? Werden Uneinigkeiten demokratisch entschieden? Benötigen Entscheidungen auch drei Mal so viel Zeit wie üblich?
S.M.: Die Zusammenarbeit funktioniert tadellos. Es gab in der Tat Entscheidungen, die deutlich länger benötigt haben, als es alleine der Fall gewesen wäre. Aber gerade das war der Vorteil! Alle Aspekte wurden von mindestens drei Leuten durchdacht (in der Endphase dann auch noch vom Redakteur) und manche Entscheidung tagelang diskutiert. Dadurch ist jeder gezwungen, sich wirklich Gedanken zu machen und kein Element wird als gegeben festgeschrieben. Über alles konnte und sollte diskutiert werden. Es gab nie eine Abstimmung, sondern immer eine einvernehmliche Einigung. Ein weiterer Vorteil war, dass dadurch seit Mitte letzten Jahres drei Prototypen in drei getrennten Spielegruppen unterwegs waren, wodurch sehr viele unterschiedliche Mitspieler gefunden und Spielverläufe miterlebt werden konnten. Dadurch ist das Spiel ungemein gereift und hat eine große Vielfalt erlangt.

Rokoko hat ein „pompööses“ Thema, erfunden von drei Spielautoren mit sehr gutem Ruf, gestaltet von einem ausgezeichneten Illustratoren. Wie überzeugt die Spielmechanik?
S.M.: Diese Frage sollte wohl besser den Spieltestern gestellt werden. In unserer Stammrunde gibt es jedenfalls mehrere Spielerinnen und Spieler, die eine zweistellige Partienanzahl gespielt haben, und es immer noch wieder spielen möchten. Und auch wir mit unseren rund 50 Partien werden nicht müde. Zumal wir selbst jetzt immer noch vom Spiel überrascht werden, denn jede Partie ist anders. Der sichere Siegpfad aus einer Partie geht bei der nächsten gnadenlos unter. So soll es doch sein, oder?

Was sollte man bei Rokoko auf keinen Fall vernachlässigen, um zu Ansehen zu gelangen?
S.M.: Das Fertigen von Kleidungsstücken ist natürlich das Kernelement des Spiels. Wer kein einziges Kleid herstellt, wird das Spiel nicht gewinnen können. Aber dann kommt bereits die Frage, welche Kleider sich am meisten lohnen und was man mit diesen anfängt. Verkauft man sie, um flüssig zu sein? Versucht man, als Erster in allen Sälen vertreten zu sein? Konzentriert man sich auf besonders edle Kleider im Thronsaal und das Feuerwerk? Oder versucht man es mit Masse? Alles kann funktionieren. Zusätzlich zur Kleiderfrage muss aber auch mit Geld umgegangen und das Personal optimal geführt werden. Und Timing ist genauso wichtig wie das Beobachten der Mitspieler. Man sollte einfach nichts vernachlässigen!

Hat diese Zusammenarbeit des Autoren-Trios bei Rokoko Lust auf mehr gemacht? Laufen bereits neue Pläne?
S.M.: Ich möchte auf jeden Fall wieder mit anderen Autoren kooperieren. Gerne wieder mit Matthias, aber auch mit anderen. Denn gerade der oben beschriebene, nicht immer leichte Weg zum umso besseren Endergebnis macht das Spieleentwickeln für mich spannend. Eine Planung dazu gibt es noch nicht, weil wir gerade erst Rokoko abgeschlossen haben und uns jetzt erst einmal um andere Baustellen kümmern müssen. Aber da wird bestimmt noch etwas kommen…

Stefan Malz, besten Dank für das Interview. Da uns das Bestattungsunternehmen gerade noch mal so entgangen ist, vergnügen wir uns nun am Hof Louis XV. Mit den Illustrationen von Michael Menzel sicher auch ein toller Spielspass. Viel Erfolg mit Rokoko und weiteren Projekten. 

Weitere Informationen auf der Webseite von Louis und Stefan Malz:
» Malz Spiele

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