Wettstreit im Hexenwald – Ulrich Blum

Der Schweizer Spielautor Ulrich Blum hat in diesem Spielejahrgang gleich drei neue tiptoi-Spiele veröffentlicht. Das hat vor ihm noch keiner geschafft. Zudem tritt er schon zum 2. Mal zum Interview mit brettspielblog.ch an. Auch das hat vor ihm noch keiner geschafft!
Wettstreit im Hexenwald ist erstmals ein tiptoi-Spiel, das sich auch an Erwachsene richtet. Das Spiel mit dem Stift scheint nämlich noch lange nicht ausgereizt.
Wie funktioniert das Arbeiten mit dem Stift? brettspielblog.ch hat bei Ulrich Blum nachgefragt.

Gleich 3 neue tiptoi-Spiele bei Ravensburger sind von Ulrich Blum. Wird der Verlag demnächst in Blumensburger umbenannt, oder wie kam es zu dieser ausserordentlichen Ehre?
Wettstreit im Hexenwald 4Ulrich Blum (U.B.): Das war vor allem viel Glück. Die Entwicklung bei tiptoi läuft so, dass Ravensburger sogenannte Suchfelder an einige Autoren gibt und diese bittet, ein erstes Grobkonzept abzugeben. Anhand dieser Konzepte wird entschieden, welches Spiel gemacht wird. Dies hat vor allem den Grund, dass die Entwicklung für tiptoi relativ aufwändig ist und ein tiptoi-Spiel welches Ravensburger nicht publizieren möchte, nicht ohne weiteres einem anderen Verlag angeboten werden kann. Durch dieses Vorgehen hält sich der Aufwand, mit dem man als Autor in Vorleistung geht, in Grenzen. Erst wenn man weiss, dass das Spiel auch publiziert wird, muss man die volle Arbeit reinstecken.

Ich habe also in Essen 2010 drei dieser Suchfelder präsentiert bekommen. Das allein war für mich als Neuling in der Spieleszene (gerade waren meine ersten zwei Spiele publiziert worden) eine große Ehre, weshalb ich mich auch sofort dran gemacht habe drei Konzepte auszuarbeiten. Bis Nürnberg 2011 gab es eine erste Rückmeldung. Alle drei Spiele waren noch im Rennen. Ich wurde um einen weiteren Ausarbeitungsschritt gebeten. Bis zum Sommer 2011 hatte ich dann die Zusage für alle drei Spiele mit Publikationstermin ein gutes Jahr später. Offenbar hatte ich den Geschmack der Redaktion getroffen. Aber wie schon gesagt, da war natürlich auch viel Glück dabei. Da die Ausarbeitung von drei tiptoi-Spielen einen großen Aufwand bedeuten würde, entschied ich mich damals, die Chance zu packen und hauptberuflicher Spieleautor zu werden. Das war wirklich eine unglaubliche Entwicklung, die mich wahnsinnig freute.

Mit Wettstreit im Hexenwald erschien erstmals ein tiptoi-Spiel, das sich auch an Erwachsene richtet. Was ist das Besondere an Wettstreit im Hexenwald?
U.B.: Mein Schwerpunkt in der Entwicklung lag darauf, möglichst viele der Möglichkeiten das Stifts zu nutzen und gleichzeitig die Vorteile des klassischen Brettspiels beizubehalten. Der Stift verwaltet einige komplizierte Vorgänge, die in einem Brettspiel sonst nur mit viel Handling darzustellen wären. Ausserdem gibt es diverse verdeckte Informationen, an die die Spieler nur über den Stift kommen. Gleichzeitig haben wir aber das besondere Gemeinschaftserlebnis, welches nur am Tisch stattfinden kann. Es gibt auch Elemente, die nur mit dem klassischen Material dargestellt werden. So weiss der Stift zum Beispiel nicht, wie viele Zutaten ich habe, da das Handling davon mit dem Stift viel zu kompliziert wäre, sich mit Plättchen aber genau so einfach gestaltet, wie in einem normalen Brettspiel. Wie in einem Computerspiel gibt es Vorgänge, die ich zwar einschätzen, jedoch nicht genau berechnen kann (wie viele Zutaten finde ich, wie lange geht meine Reise?). Auf der anderen Seite gibt es Elemente, die ich wie in einem Brettspiel strategisch planen kann (reise ich gleich zu meinen Kobolden, um sie aufzunehmen, oder braue ich erst noch die Muskelmixtur, die mir erlaubt mehr Zutaten zu tragen, weil ich vermute, dass ich viel finden werde. etc). Das Zusammenspiel all dieser Elemente macht den Reiz von Wettstreit im Hexenwald aus.

Worauf muss man gefasst sein, wenn man sich mit dem Entwickeln von tiptoi-Spielen befasst? Wie unterscheidet sich die Arbeit im Gegensatz zu einem normalen Brettspiel?
U.B.: Der größte Unterschied ist, dass man die Spiele nur indirekt testen kann. Der Stift muss irgendwie simuliert werden. Bei einfacheren Spielen, kann der Autor beim Test den Stift spielen und mit Papier und Bleistift dessen Verhalten nachvollziehen. Wenn die vom Stift übernommenen Vorgänge komplexer sind, kommt man nicht umhin, ein Programm zu schreiben, welches den Stift simuliert. Meine letzte Programmiererfahrung vor der Entwicklung der Spiele waren einige winzige BASIC Programme in der 6. Klasse. Ich habe also schon während ich die Konzepte
erarbeitet habe nach einem einfachen Weg gesucht mir Programmieren anzueignen. Schnell war klar, dass das erlernen einer normalen Programmiersprache zeitlich keine Option war. Durch einen Tipp stiess ich auf das Programm „Stencyl“. Dieses erlaubt es, Flash-Programme zu schreiben, gänzlich ohne eine komplexe Syntax erlernen zu müssen. Für jeden Standard-Befehl gibt es einen Block. Auf den Blocks steht, was sie machen. Diese Blocks kann man dann ineinander puzzeln. Das Programm nimmt einem nicht die Arbeit ab, komplexe Aufgaben in kleine
Einzelschritte aufzuteilen, man kann aber fast sofort loslegen, ohne sich merken zu müssen, wo man welche Klammern, Sonderzeichen und Befehle hinschreiben muss. Ohne dieses Programm wäre die Entwicklung für mich nicht möglich gewesen. Durch das schnelle Programmieren konnte ich die Spiele fast wie normal testen, Änderungen einfügen und wieder testen.

Wie vielschichtig kann ein tiptoi-Spiel werden? Was liegt in der Entwicklung überhaupt noch drin?
U.B.: Theoretisch kann ein Programm für tiptoi ziemlich komplex sein. Der Prozessor im Stift ist sehr gut und beherrscht alle Standard-Vorgänge, die man von einem Prozessor erwartet. Die Beschränkung liegt eher im Interface. Informationen die der Stift verarbeiten soll, müssen via Tippen in den Stift gelangen. Das Feedback an die Spieler muss via Audio geschehen. Dies sind relativ starke Einschränkungen, die es zu beachten gibt. Ein zu kompliziertes Handling hindert den Spielfluss massiv. Wettstreit im Hexenwald verlangt den Spielern hier in der ersten Partie doch einiges ab. Wir haben viele Überlegungen zum Interface angestellt. Wann wird wo getippt? Wie können wir die Anzahl Tipps verringern? etc. Das Ergebnis ist meines Erachtens ein befriedigender Kompromiss aus komplexen Möglichkeiten des Spiels und einfachem Handling. Die Erfahrung zeigt, dass die Abläufe, so kompliziert sie anfangs scheinen, relativ schnell verinnerlicht werden und spätestens ab der zweiten Partie ein intuitives, schnelles Spielen ermöglichen.

Im Hexenwald begegnet man sehr vielen Trollen, Zwergen und Feen. Welche Tipps gibt es vom Spielautor für den sicheren Sieg beim Wettstreit im Hexenwald?
U.B.: Anfangs macht man vielleicht den Fehler, sich alles merken zu wollen. Man sollte seinen Gehirnschmalz aber lieber auf eine gute Planung verwenden. Gerade zu Anfang des Spiels ist es noch nicht so wichtig, welche Zutaten ich finde, da die Hexen noch fast alles gebrauchen können. Erst mit der Zeit muss ich gezielt auf die Suche gehen. Auch muss ich nicht zwingend genau wissen, welche Hexe denn nun die böse ist. Ich sollte nur möglichst schnell ein bis zwei Hexen kennen, die NICHT böse sind. Diese kann ich dann gefahrlos beliefern.

Wettstreit im Hexenwald 5Wichtig ist auch, seine Reiserouten gut zu planen. Eine weite Reise kann durchaus mal sinnvoll sein, aber geschickter ist es, auf dem Weg noch einen Zwischenhalt zu machen, um dort auch noch etwas zu erledigen. Nicht das Reisen an sich bringt mich zum Spielsieg, sondern, die Aktionen dazwischen.

Das geschickte Nutzen der Tränke bringt viele Vorteile und lohnt die Zeit, die ich für das Brauen verwenden muss.
Zu guter Letzt sollte ich einen Blick darauf haben, wie lange das Spiel noch dauert. Zu Anfang einer Partie füllen sich die Hexenkessel nur langsam. Dann kann es aber mitunter relativ schnell gehen. Wähne ich mich in Führung, kann ich das auch noch forcieren. Steht das Spiel kurz vor Schluss, muss ich abschätzen, ob ich noch eine Lieferung schaffe oder meine Zutaten lieber via Ruhmeswasser in Punkte umwandle. Das ist zwar weniger lukrativ, aber besser als nichts.
Wie immer gilt es natürlich zu erkennen, was meine Mitspieler vorhaben und darauf zu reagieren.

Das sind aber noch längst nicht alle Feinheiten die in dem System stecken. Ich wünsche viel Spaß beim Erkunden der Möglichkeiten!

Besten Dank, Ulrich Blum, für den interessanten Blick hinter tiptoi und die guten Spieletipps. Wer bei Wettstreit im Hexenwald ausserhalb des Spiels ein wenig im Wald herumtippt, wird einige zusätzliche Überraschungen erleben. Also nur zu – der Wald will erforscht werden!

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