Die SPIEL.digital im Rückblick

In einem Pandemiejahr läuft einiges ein wenig anders. So hat der organisierende Friedhelm Merz Verlag schon früh entschieden, dass die Internationalen Spieltage 2020 in Essen nicht stattfinden. Nur um wenige Tage später die SPIEL.digital ins Leben zu rufen, ohne damals genau zu wissen, wie sie denn aussehen soll.

SPIEL.digital

Die Vorbereitungszeit war dementsprechend kurz, um eine digitale Plattform zu generieren, die allen Beteiligten ein wenig Messe-Feeling transportiert und den unterschiedlichen Bedürfnissen gerecht wird. Mit viel Kribbeln und einem gehörigen Abenteuergefühl startete die SPIEL.digital am 22. Oktober 2020 und versprach während vier Tagen ein vielseitiges Programm.

Die Webseite der SPIEL.digital verstand sich dabei vor allem als Plattform, auf der man zahlreiche Informationen fand. Da gab es eine grosse Datenbank mit über 1400 Spiele-Neuheiten und Kacheln mit über 400 Ausstellern. Die Messestände der Aussteller waren unterschiedlich gestaltet. Ob nur reine Informationen, weiterführende Links, Medienbeiträge oder digitale Angebote, die zu bestimmten Zeiten stattfanden – die Verlage liessen sich einiges einfallen. Auch hier wurden mehr oder weniger Ressourcen eingesetzt. Der Aufwand der einzelnen Verlage war unterschiedlich gross und auch für sie Neuland. Eine analoge Sache digital umzusetzen erfordert einen gewissen Einsatz und vor allem Know-How. Unter nicht gerade einfachen Bedingungen zu Pandemie-Zeiten eine zusätzliche Herausforderung, vor allem für Kleinverlage.

SPIEL.digital
Die Verlagsstände an der SPIEL.digital

Auch die Besucher der SPIEL.digital mussten sich auf unterschiedliche Systeme einstellen. Es konnte online gespielt werden auf Tabletopia, zahlreiche Streams liefen über YouTube oder Twitch, ein Brettspielradio lieferte Interviews und Hintergrundinformationen, via Discord konnte man sich Verlagen anschliessen und sich neue Spiele live erklären lassen – nur um einige Beispiele zu nennen. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit verlor man sich in der digitalen Brettspielwelt. Wer sich darauf einliess konnte an unterschiedlichsten Stellen auf Entdeckungsreise gehen und sich immer wieder überraschen lassen, je nach eigenen Vorlieben. Mit einem schnellen Klick konnte man sich von uninteressanten Angeboten wieder ausklinken und befand sich mit dem nächsten Klick in einer neuen Show. Diese SPIEL.digital war an keine Öffnungszeiten gebunden, nur die Spielerklärer waren nicht jederzeit verfügbar, je nach Herkunft und Zeitzone.

Einen Überblick über das gesamte Angebot zu behalten war schwierig. Es lief derart viel, oft gleichzeitig und nicht alles dem eigenen Geschmack entsprechend. Durch den Einbezug von Bloggern und YouTubern produzierte die Messe einen enormen Output. Vielleicht zu viel, um alle Kanäle zu beachten? Doch das Engagement aller Beteiligten war riesig, Enthusiasmus an vielen Stellen auch digital spürbar. Am Ende musste man erkennen: Wer wollte, konnte sich über Neuheiten informieren, Spielabläufe kennenlernen, Erklärungen mitverfolgen und auch ganz oft spielen. Für einmal in etwas ungewohntem Rahmen, aber es funktionierte einwandfrei.

SPIEL.digital
Das Medienangebot an der SPIEL.digital

Dass sich die SPIEL.digital nicht mit einer realen SPIEL vergleichen lässt, war von vornherein klar. Doch diese neue Veranstaltung hat bewiesen, was möglich ist: 148’000 individuelle Besucher verzeichnete die Plattform. Da die Videos, Erklärungen und Informationen noch bis Ende Jahr offen stehen, wird sich die Zahl weiter vergrössern.
In Zeiten einer Pandemie läuft nicht alles rund. Das haben auch die Verlage zu spüren bekommen. So erscheinen einige Spiele später und sind erst in den nächsten Monaten zu kaufen. Das liess sich selbst mit noch so viel gutem Willen nicht ändern. Gute Spiele spielt man aber sicher auch später noch gerne.

Die SPIEL.digital präsentierte sich mutig, kreativ, ideenreich, informativ und unter den gegebenen Umständen erstaunlich vielseitig. Ich kenne keine Premiere, die perfekt ablief. Muss es auch nicht. Ebenso wenig wird die digitale Version die originale SPIEL ersetzen. Aber sie ergänzt sie perfekt und führt sie in die Moderne.

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