Great Western Trail – Spielkritik

Als Viehzüchter die Herden nach Kansas City treiben und verladen. Great Western Trail ist ein thematisch grosser Spielgenuss, der sich mit seinen vielen Möglichkeiten klar an erfahrene Spieler richtet. Die werden aber bei ihrer Reise durch den Wilden Westen nicht enttäuscht.

Spielplan, Anleitung, Material – alles ist bei Great Western Trail ein wenig grösser, benötigt auch mehr Platz, als man es sich vielleicht von einem normalen Brettspiel gewöhnt ist. Auf den ersten Blick wirkt das eindrücklich und einschüchternd. Doch wer sich auf das Western-Spiel für Kennerspieler einlässt, erlebt eine überraschend lockere Spielatmosphäre. Und so funktioniert der Viehtrieb:

Als Viehzüchter treibt man seine Viehherde nach Kansas City, bewegt sie über vorgegebene Pfade und liefert das Rind ab. Mit der Eisenbahn folgt der Transport an unterschiedliche Städte. An neutralen oder eigenen Gebäuden auf dem Weg nach Kansas legt man Pausen ein und führt Aktionen durch, an fremden Gebäuden zumindest noch eine Hilfsaktion mit geringerem Aktionsradius. Der Spielablauf ist für ein Kennerspiel sehr einfach gehalten: Den Viehtreiber bewegen, die Aktionen des erreichten Ortes durchführen, Handkarten nachziehen. Speziell wird Great Western Trail durch die zahlreichen Ausbaumöglichkeiten, die vielen Regeldetails, die das Spiel besitzt.
Doch widmen wir uns zuerst einmal den Handkarten. Sie bestehen aus verschiedenen Rinderarten mit unterschiedlichen Werten. Ein kleines Zwischenziel bei Great Western Trail besteht darin, mit möglichst unterschiedlichen Rinderkombinationen Kansas City zu erreichen. Nur jeweils eine Karte pro Sorte bringt Bargeld und Punkte, die für den Bahntransport der Rinder entscheidend sind. Kansas City wird man mehrere Male in einer Partie erreichen. Jedes Mal liefert man seine Rinder in eine Stadt – je weiter, desto besser. Durch das Setzen eines Städte-Spielsteins entlastet man gleichzeitig die eigene Spielerablage. Man spielt sich zusätzliche Funktionen und Aktionen frei: Der Bewegungsradius der Eisenbahn wird erweitert, die Handkartenzahl erhöht, zusätzliche Schritte für den Viehtreiber liegen drin.

Alles ist in den Aktionen wunderbar verzahnt. Die Crux liegt darin, zu entscheiden, in welche Richtung man sich bewegen will. Siegpunkte erreicht man auf vielfältige Weise. Wo will man seine Stärken ausspielen? Auf dem Weg nach Kansas City hat ein Spieler diverse Möglichkeiten, seine Handkarten zu nutzen und auszubessern. Jeder Spieler startet mit vier Handkarten. Man tauscht sie unterwegs gegen Geld. Mit Geld stellt man beispielsweise Cowboys, Handwerker und Ingenieure ein. Der Arbeitsmarkt wächst stetig an, die Preise für die Angestellten verändern sich. Cowboys handeln auf dem Viehmarkt günstigere Preise für neue Rinder aus. Mit Handwerkern baut man neue Gebäude auf dem Weg nach Kansas City. Ingenieure lassen die Eisenbahn weiter fahren. Grundsätzlich arbeiten die Spieler an drei grossen Punkten bei Great Western Trail: Ein möglichst vielseitiges Rinder-Kartendeck soll entstehen. Die Eisenbahnlinie muss gut ausgebaut sein. Und die Gebäude auf dem Spielfeld dürfen gerne wichtige Vorteile für den weiteren Spielverlauf liefern.
Jede Entscheidung bei Great Western Trail ist wichtig und wirkt sich für den weiteren Spielverlauf aus. Trotzdem bleibt man nie in einer Sackgasse stecken, man schreitet Runde für Runde voran.

Am Ende liegen ganz viele Siegpunkte auf den zahlreichen Wegen nach Kansas City: Geld, Rinder, Gebäude, Aufträge aus Bahnhöfen und Auftragskarten, die Angestellten. Doch wie spielt man am besten? Spezialisiert man sich auf ein Themengebiet oder sucht man eine gute Mischung aller Punktemöglichkeiten? Wer am Ende die meisten Punkte auf seinem Konto hat, wird neuer Rinderbaron.

Fazit

Great Western Trail ist ein bis zum Ende äusserst spannendes Kennerspiel. Der Spielablauf selber ist einfach gestrickt, die zahlreichen Regeln und Möglichkeiten benötigen aber ihre Zeit. Eine Spieleinführung dauert gut und gerne 30 Minuten. Doch die investierte Zeit lohnt sich. Die Symbolik auf dem Spielfeld ist klar und verständlich. Sie hilft schon nach kurzer Zeit, einen roten Faden zu finden, Aktionen zu deuten und das eigene Spiel weiterzuentwickeln. Das Kartendeck mit den Rindern ist wichtig. Auf dem Weg nach Kansas City nutzt man die Rinder vielfältig, holt Geld, wirft Karten ab, frischt sein Deck auf. Doch in Kansas City beginnt die Arbeit erst. Das Eisenbahnnetz muss bis zu den Handelsstädten reichen. Mit jeder Rinderlieferung verbessert man die eigene Ausgangslage, indem man weitere Spielmöglichkeiten freilegt. Es gibt viel zu entdecken bei Great Western Trail. Die Gebäudeplättchen bieten noch eine B-Seite an. Selbst nach zahlreichen Partien, zieht mich das Spiel immer noch magisch an. Mit nur wenigen Glückskomponenten dreht man spielerisch an vielen Schräubchen, um am Ende mehr Punkte als die anderen Rinderbesitzer zu erhalten. Dabei spielt sich Great Western Trail in jeder Besetzung atmosphärisch spannend bis zum Schluss.

Great Western Trail | Autor: Alexander Pfister | Verlag: eggertspiele/Pegasus
Brettspiel für 2-4 Personen | Spieldauer: 75-150 Minuten | Ab 12 Jahren | Benötigt: Die besten Pläne für wechselnde Konstellationen im Wilden Westen | Wiederspielreiz: sehr gross

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Crime Master 2 – Spielkritik

Crime Master 2 ist bereits der zweite Teil der erfolgreichen Kriminalfallreihe aus dem Gmeiner-Verlag. Diesmal dreht sich alles um den Urlaub. Die Ermittler sind aufgefordert, ihr gesamtes Wissen zur Lösung der 25 Fälle zur Verfügung zu stellen.

Die Kriminalfälle kann man im Team lösen, aber auch im Wettstreit der Ermittler. So oder so benötigt man einen Crime Master, der die Ermittlungen leitet und führt. Er ist für die Punktevergabe zuständig und besitzt den totalen Durchblick.
Zu Beginn studieren sämtliche Spieler die Fallkarte. Man erhält Hintergrundinformationen, es liegt eine Tatortskizze bei und am Ende erhält man die Angaben, welche Einzelheiten man noch ermitteln soll. Gesucht werden weitere Einzelheiten zum Täter, Motiv, Tathergang und den benutzten Hilfsmitteln. Mit einer Ermittlungsakte für die Notizen startet man ins Verhör. Der Crime Master wird in die Mangel genommen. Er weiss von Anfang an mehr, als der Rest der Spielgruppe. Der Crime Master kennt die Details, den Hergang, die Schuldigen. Denn er hat Einblick in die Aufklärungskarte.

Jeder Spieler darf dem Crime Master Fragen stellen, die er mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten muss. Solange er mit „Ja“ antwortet, geht das Verhör weiter. Im besten Fall findet der Befrager Einzelheiten zur Lösung des Falles heraus, für die er einen Punkt erhält. Bei einem „Nein“ übernimmt der nächste Spieler das Verhör.
In bester Tatort-Manier versuchen die Spieler den Fall zu rekonstruieren. Nicht alles verläuft immer gradlinig. Oft ist ein wenig Mut oder Einfallsreichtum gefragt. Es sind keine 08/15-Fälle zu lösen, auch George Clooney könnte mal auftauchen.

Es gibt immer 12 Details herauszufinden. Der Crime Master entscheidet, ob eine These zutrifft. Wer am meisten Einzelheiten errät, gewinnt den Fall.

Fazit

Crime Master 2 ist ein Frage- und Antwort-Spiel mit bestem kriminalistischen Hintergrund. Die 25 Fälle liegen dabei nicht klar auf der Hand. Es muss kombiniert, phantasiert und verdächtigt werden. Wer bereits einige Krimi-Erfahrung mitbringt, ist im Vorteil. Denn Crime Master 2 ist kein klassisches Spiel, man begibt sich tief ins Elend. Wenn man mit Mord und Totschlag spielt, klettert auch das Alter der Zielgruppe in die Höhe. Das Ermittlungsfeld steht offen, alles ist möglich, nichts unmöglich. Mit reinen Standardfragen kommt man nicht weit. Man darf sich auch mal ein wenig weiter aus dem Fenster lehnen, um ermittlerische Fortschritte zu erzielen. Stück für Stück puzzelt man sich die Kriminalfälle zusammen, verfolgt Spuren anderer Ermittler weiter. Crime Master 2 spielt man im Team oder auch gegeneinander. Persönlich gefällt mir der Wettkampf besser. Das Spiel erhält dann den gewissen Charme alter Fernseh-Ratespiele: „Gehe ich recht in der Annahme…?“ Die 25 Kriminalfälle können nur ein Mal gelöst werden. Danach kennt man ja die Lösung. Für Krimi-Freunde bleibt trotzdem noch genug Ratespass in der kleinen Schachtel.

Crime Master 2 | Autorin: Sonja Klein | Verlag: Gmeiner
Ratespiel ab 2 Spielern | Spieldauer: 20 Minuten pro Fall | Ab 14 Jahren | Benötigt: Phantasievolle Lösungsansätze für ungelöste Fälle | Wiederspielreiz: gross

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Xart – Spielkritik

Xart ist ein Legespiel, ein Puzzle – aber vor allem ein klassisches Duell, das von Strategie und Taktik geprägt ist. Rot und weiss schlängeln sich die Linien über den Tisch. Dabei ist doch der Ring das Ziel…

Xart ist keine spielerische Neuheit mehr, auch schon unter dem Namen Trax erschienen. Doch es spielt sich zeitlos, zudem auch noch schnörkellos, wie auf der Verpackung angegeben ist. Tatsächlich. Die Regeln simpel, in der Anleitung zudem gut bebildert, das direkte Duell kann ganz schnell beginnen. Doch schon in den ersten Partien wird man Lehrgeld bezahlen. Man merkt schnell, worauf es ankommt, worauf man im Spielverlauf achten soll. Ob man das Wissen in späteren Partien auch anwenden kann, steht wieder auf einem ganz anderen Blatt geschrieben.

64 Legesteine, beidseitig bedruckt, befinden sich im Spielbeutel – mit roten und weissen Geraden und Kurven. Abwechselnd ziehen die Spieler einen Stein und legen ihn in die Auslage (Xart genannt). Neue Steine muss man Kante an Kante legen. Das Ziel: Einen Ring in der eigenen Farbe zu produzieren. Der Ring kann länglich, gross oder klein sein – Hauptsache in der eigenen Spielfarbe. Damit hat man beinahe die gesamte Spielregel schon begriffen. Es folgt noch der Clou, mit dem man taktische Meisterleistungen vollbringen kann, wenn Auge und Hirn mitspielen: Der erzwungene Raum! Enden zwei Linien gleicher Farbe in einem freien quadratischen Raum, muss der zwingend mit einem weiteren Spielstein gefüllt werden. Was nun folgt, dürfte klar sein: Man versucht, den Gegenspieler in eine ausweglose Situation zu manövrieren. Hier kommt die Erfahrung ins Spiel. Der geübte Spieler erkennt sofort, wann es gefährlich wird. Es gibt Konstellationen, die man zwingend abwehren muss. Sonst erspielt sich der Gegner über einen erzwungenen Raum einen Ring zum Sieg.

Wie steht es doch so schön geschrieben: Zu Beginn werden die meisten Spiele mit Ringen gewonnen. Wie wahr! Es benötigt einiges an Aufmerksamkeit und ein geschicktes Abwehrverhalten, um Bedrohungen zu erkennen und zu vermeiden. Doch nicht nur Ringe führen zum Ziel. Da gibt es auch noch die Gewinnlinie. Wer eine Linie über 8 Reihen führen kann, erhält den Sieg ebenfalls zugesprochen.

Xart bietet einige Varianten an. Eine davon lässt auch Spieler mit unterschiedlichem Spielniveau fairer gegeneinander antreten (Lucky Xart). Die Anleitung liefert auch Trainingsbeispiele und zeigt Situationen auf, die man beachten sollte. Vorbildlich. Wer sich darauf einlässt, wird sich schnell verbessern.
Als solitäre Variante verwandelt sich Xart zu einem Puzzlespiel, bei dem man zufällige Steine zu einem Quadrat verbinden soll. Dabei muss eine Linie durch alle Steine des Quadrates führen.

Fazit

Xart wirkt auf den ersten Blick derart simpel, dass man erst auf den zweiten Blick das gesamte Ausmass erkennt. Der Ablauf ist schnell klar, doch worauf es ankommt, das erlernt man Schritt für Schritt von Partie zu Partie. Hier ist die volle Aufmerksamkeit nötig. Situationen erkennen, den Gegenspieler bedrängen, in die Irre führen. Hier muss ich noch einmal die Anleitung loben. Sie führt die Spieler durch das Spiel und bringt ihnen fortlaufend neue Tricks bei. Das Spielmaterial insgesamt ist grosse Klasse. Mit der kleinen Tasche ist Xart überall mit dabei, die Spielsteine sind hochwertig. Wer nicht im direkten Duell spielen will, findet zusätzlich einige Puzzlevarianten. Mit Xart lässt sich auf jeden Fall gut spielen. Ich zitiere die Anleitung: Mit jedem Spiel werden Sie besser!

Xart | Autor: David Smith | Verlag: Quecke Verlag
Strategiespiel für 1-2 Spieler | Spieldauer: 10-20 Minuten | Ab 6 Jahren | Benötigt: Auge, Angriff, Abwehr | Wiederspielreiz: sehr gross

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Havanna Tube Games – Spielkritik

Die Havanna Tube Games sind eine kleine Reihe unterschiedlicher Würfelspiele, schick verpackt in einer Zigarrenhülle. Zigarren findet man allerdings keine, dafür kleine Spiele unter dem Motto „schnell gespielt“.

Gleich vorweg: Die Havanna Tube Games laufen alle unter der Altersangabe „ab 16 Jahren“. Rein spielerisch ist das aber nicht zu vertreten. Ich vermute, die Verpackung ist für diese Rahmenbedingung verantwortlich. Zigarren sind nun mal (meist) kein Spielgerät. Doch widmen wir uns hier dem Inhalt. Zwei der kleinen Spiele habe ich mir angeschaut und getestet. Hier sind sie:

Die oberen 10 000

Ganz klar ein Spiel für Mathematiker und risikofreudige Spieler. Denn nur wer rechtzeitig mit Würfeln aufhört, sichert sich seine Punkte. Mit 5 schwarzen und einem roten Würfel macht man sich auf Punktejagd. Gut sind 1er (100 Punkte), 5er (50 Punkte), dazu Drillinge oder eine Strasse. Nach jedem Wurf muss man Würfel zur Seite legen, gefolgt von der Entscheidung: Noch einmal? Wer es zu bunt treibt, verliert sämtliche bisher erwürfelten Punkte. Schafft man es, alle 6 Würfel zur Seite zu legen, nimmt man alle Würfel wieder ins Spiel und kann weiter Punkte sammeln. Dasselbe gilt auch, wenn der rote Würfel einen Glückstaler zeigt. Das funktioniert aber nur, wenn man zusätzlich einen weissen Würfel zur Seite legen kann.

Hat ein Spieler 10 000 Punkte erreicht, endet das Spiel. Es ist eine klassische Variante von Risiko einschätzen und rechtzeitig aufhören. Wer zu viel will, scheitert meist kläglich.

Auf mein Wort

Hier sind die Sprachgenies gefordert. Es wird zwar auch gewürfelt, doch befinden sich diesmal nur Buchstaben im Spiel. Konsonanten findet man auf 4 Würfeln, Vokale liegen als Chips auf dem Tisch bereit. Gesucht werden Wörter, die aus maximal vier Silben bestehen. Ein Spieler würfelt, alle raten mit. Die gewürfelten Konsonanten ergänzt man mit geeigneten Vokalen zu einem Wort. Wer die Würfel zuerst abdeckt, darf raten. Stimmt die Lösung, schnappt man sich die entsprechenden Vokale aus dem Vorrat. Vokale gibt es so lange, wie der Vorrat reicht. Bei einem falschen Lösungswort, muss man zwei Vokale abgeben. Wer am Ende die meisten Vokale gesammelt hat, gewinnt. Bei Auf mein Wort setzt nach einer gewissen Spielzeit ein Lerneffekt ein. Wer sich einige Schlagwörter merken kann, wendet sie erneut an. Es lässt sich nicht vermeiden, dass die Würfel hin und wieder gleiche Kombinationen liefern.

Fazit

Es ist in der Tat etwas komisch, dass die kleinen Spiele erst ab 16 Jahre sind. Am Schwierigkeitsgrad liegt es nicht. Ich tippe da eher an die gesetzliche Vorgaben in Bezug auf die Wahl der Verpackung. Die Spiele bieten schnellen Spielspass in einer kleinen, robusten Hülle. Man findet unter den Havanna Tube Games keine total neuen Spielideen, aber gut funktionierende, einfache Spielvarianten für unterwegs. Immer mit Würfel, immer mit unterschiedlichen Themen. Kurze oder gar keine Wartezeiten sind garantiert, das Würfeln flutscht. Nun kommt es auf die Vorlieben der Mitspieler an: Zahlen oder Buchstaben? Dann steht einem kleinen Spielchen nichts im Weg.

Havanna Tube Games | Autoren: Hajo Bücken, Dirk Hanneforth | Verlag: moses.
Würfelspiele für 2-4 Personen | Spieldauer: 15 Minuten | Ab 16 Jahren (Angabe auf der Verpackung), Ab 8 Jahren (Angabe brettspielblog.ch) | Benötigt: Unterschiedliche Fähigkeiten im gewählten Bereich | Wiederspielreiz: ok

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Bärenpark – Spielkritik

Der Traum vom eigenen Zoo wird wahr. Auch wenn sich im Bärenpark nur Pandas, Gobibären, Eisbären und Koalas tummeln, so ein Tierpark soll gut ausgebaut werden, um Publikum anzuziehen. Das Puzzle- und Legespiel eignet sich perfekt für Gartengestalter mit Blick für Formen.

Auf dem Vorratsplan stapeln sich die Geländeteile. Während die Grünanlagen noch mit einfachen Formen glänzen, bieten die Tierhäuser schon anspruchsvollere Flächen an. Von beiden Geländearten gibt es mehrere Exemplare. Die Tierhäuser bringen allesamt Punkte ein. Je später man zugreift, desto weniger werden es allerdings. Und dann gibt es noch die Aussengehege, in ihrer ganzen Form einmalig und nicht immer ganz einfach zu platzieren.
Jeder Spieler besitzt ein Parkgelände – leer, aber ausbaubar. Zudem bekommt jeder noch eine Grünanlange und der Bärenpark kann wachsen. Der Spielablauf ist nicht kompliziert. Zuerst legt man ein Plättchen in sein Parkgelände. Das Gelände ist mit unterschiedlichen Symbolen ausgestattet. Deckt man ein Symbol ab, darf man sich ein neues Plättchen vom Vorratsplan nehmen. Symbole gibt es für Grünanlagen, Tierhäuser oder Aussengehege. Natürlich sollte man seine Plättchen mit Bedacht wählen. Sie müssen schliesslich in einem nächsten Spielzug in den eigenen Tierpark eingebaut werden. Über die Symbole lässt sich auch die gesamte Parkanlage erweitern. Man wählt eine neues Parkgelände und baut es seitlich an seinen Park an.
So baut jeder Spieler Runde für Runde am Bärenpark, puzzelt sich seine Bärengehege passend oder baut aus. Jedes neue Plättchen muss an einem alten Anschluss finden. Ein kleines Feld auf jedem Parkgelände darf nicht bebaut werden. Deckt man alle anderen Flächen erfolgreich ab, erstellt man auf dem freien Feld eine Bärenstatue.

In ganz seltenen Fällen, wenn sich ein Spieler verplant hat, passt keines der Plättchen in den Bärenpark. Das ist bitter. Man passt, setzt eine Runde aus und nimmt sich dafür eine Grünanlage aus dem Vorrat. So findet jeder wieder aus der Sackgasse.

Hat ein Spieler sein viertes Parkgelände gefüllt, endet das Spiel. Jeder andere Spieler darf noch einen Spielzug machen, dann wertet man die Punkte. Jedes Tierhaus oder Aussengehege bringt Punkte ein. Wie schon erwähnt: Je eher man zugreift, desto höher fallen die Punkte aus. Das gilt auch für die Bärenstatuen. Dort ist die Punktspanne sogar noch grösser.

Mit ein wenig Spielerfahrung greift man auf das Modul der Aufträge zurück. Verschiedene Auftragsplättchen stehen zur Auswahl, drei davon kommen ins Spiel. Mit ihnen erhält man Bauauflagen: Baue drei Wasserwege aneinander! Du hast von jeder Sorte ein Tierhaus! Du hast drei Plättchen mit Koalas verbaut! Es ist nicht immer einfach, die Vorgaben zu erfüllen, aber es lohnt sich. Je eher man einen Auftrag erfüllt, desto mehr Punkte sahnt man ab. Es erhalten jedoch höchstens drei Spieler Auftragspunkte.

Fazit

Bärenpark ist ein richtig tolles Familienspiel. Eine Mischung aus puzzeln und perfektem Legen. Ein gutes Auge für Formen ist klar von Vorteil. Vorausschauendes Planen mit Formen ist nicht jedermanns Sache. Trotzdem kann man bei Bärenpark einige Entscheidungen treffen. Je nachdem, welches Symbol man abdeckt, holt man sich begehrte Teile vom Vorrat. Achtet man auf seine Mitspieler, kann man manchen Plan vereiteln, wenn man schneller zugreift. Die Aufträge sind schliesslich noch das Salz in der Suppe. Mit ihnen muss man wirklich zielgerichtet bauen, um am Ende um den Sieg mitzuspielen. Wo setzt man nun die Prioritäten? Einzig der Abschluss überzeugt nicht ganz. Beendet ein Spieler seinen Park, darf jeder andere noch eine Runde spielen. Das führt häufig zu einem Ungleichgewicht. Einzelne Spieler haben mehr Spielzüge als andere. Das wäre nicht nötig. Bärenpark ist ein Spiel für das einfache Spielergemüt, das Puzzeln fordert immer wieder neu heraus und macht grossen Spass. Sofort wieder!

Bärenpark | Autor: Phil Walker-Harding | Verlag: Lookout Spiele
Legespiel für 2-4 Bärsonen | Spieldauer: 30-45 Minuten | Ab 8 Jahren | Benötigt: Auge und Planung für einen Park in Form | Wiederspielreiz: sehr gross 

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