Spring ins Feld! – Spielkritik

Gartenfee Flora hat nicht nur Blumen im Kopf. Nein, sie trägt auch noch einen Würfel unter ihrem Hut. Der bewegt sich mit jedem von Floras Sprüngen ins nächste Gartenbeet und bestimmt, was Flora einsammelt. Spring ins Feld!

Erst muss man Flora und die Blumen noch flott zusammen kleben. Dann geht es auch schon los mit der ersten Partie. 7 Blumenbeete werden beliebig mit Blumen und Schmetterlingen gefüllt. Danach hilft Flora, das Körbchen jedes Spielers zu füllen. Wer an der Reihe ist, bewegt Flora möglichst schwungvoll in ein Blumenbeet. Gleichzeitig purzelt der Würfel unter ihrem Hut hin und her und zeigt die nächste Aktion an.
Je nach Würfelvorgabe nimmt man sämtliche Blumen oder Schmetterlinge der entsprechenden Farbe zu sich. Bei einem Smiley wählt man sich selber etwas aus. Ins Körbchen passen nur zwei Teile jeder Sorte. Sollte im Beet einmal keine Blume der gewürfelten Farbe mehr liegen, hilft der Glückskäfer. Man legt ihn in ein beliebiges Beet und pflückt sich eine Blume oder einen Schmetterling. Diesen Joker darf man auch nutzen, wenn das Körbchen in der gesuchten Farbe schon komplett gefüllt ist.
Bei einem weiteren Fehlwurf holt man sich den Glückskäfer wieder zurück. Damit verliert man zwar einen Spielzug, ist aber schon in der kommenden Runde wieder voll einsatzfähig. Oder anders ausgedrückt: Eine etwas liebevollere Art für „Einmal aussetzen“.

Wer seinen Korb als Erster gefüllt hat, gewinnt und wird zur Blumenkönigin oder zum Blumenkönig.

Fazit

Spring ins Feld! richtet sich ganz klar an die jüngsten Spieleinsteiger. Einfachste Regeln benötigen ein wenig Farbwissen, aber auch Koordination. Wenn Flora übermotiviert durch die Beete hüpft, rutschen auch mal die Blumen aufgeregt hin und her. Besonders gelungen am Spiel: In jedem Spielzug gibt es etwas zu tun, auch wenn man nur den Glückskäfer fliegen lässt. Für Kinder ist das optimal. Die Idee mit Floras Würfelhut ist zumindest originell, thematisch ist das Spiel ein wenig Geschmackssache. Ich habe schon bessere Cover aus dem Hause Zoch gesehen. Das Spiel funktioniert einwandfrei, ist in der Zielgruppe jedoch arg eingeschränkt. Für Spieleinsteiger ab drei, vier Jahren eignet es sich bestens. Wer schon ein wenig Spielerfahrung mitbringt, sucht sich aber schnell grössere Herausforderungen. Spring ins Feld! – für kindliche Spieleinsteiger.

Spring ins Feld! | Autoren: Anja Dreier-Brückner und Klaus Zoch | Verlag: Zoch
Kinderspiel für 2-4 Personen | Spieldauer: 15 Minuten | Ab 4 Jahren | Benötigt: Den farbigen Sammeltrieb | Wiederspielreiz: ok

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Swiss Gamers Award 2016

Der Swiss Gamers Award 2016 wurde wieder als einer der ersten Spielpreise des Jahres verliehen. Zur Wahl zugelassen sind die Spielerinnen und Spieler, die in Vereinen und Clubs in der Schweiz organisiert sind. Das waren in diesem Jahr immerhin noch 19 Spiele-Clubs. Weit über 30 Spiele haben Punkte erhalten, das Spektrum ist gross. Trotzdem findet man eher Kennerspiele auf den ersten Rängen. Das erstaunt wenig: Wer regelmässig in Clubs spielt, wagt sich auch anspruchsvolleres Spielmaterial.

» Zur Homepage des Swiss Gamers Awards 2016

Hier sind die Preisträger des Swiss Gamers Awards 2016:

1. Scythe
Autor: Jamey Stegmaier | Verlag: Matagot

2. Codenames
Autor: Vlaada Chvátil | Verlag: Czech Games, Heidelberger

3. Great Western Trail
Autor: Alexander Pfister | Verlag: eggertspiele

4. First Class
Autor: Helmut Ohley | Verlag: Hans im Glück

5. Terraforming Mars
Autor: Jacob Fryxelius | Verlag: Schwerkraft Verlag

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Forest – Spielkritik

Helvetiq hat mit Bandido erst gerade einen Blitzstart hingelegt: Kleines Spiel im ungewöhnlich länglichen Kartenformat. Und zack – erscheint Forest. In der kleinen Schachtel, im länglichen Kartenformat. Das kann kein Zufall sein…

Forest ist erneut ein Legespiel, doch die Karten liegen nicht lange auf dem Tisch. Der Märchenwald breitet sich diesmal immer weiter aus. Neben Spielkarten mit Baumstämmen, gibt es auch welche mit Baumkronen. Wer an der Reihe ist, legt eine seiner drei Handkarten passend in den Wald. Viele bekannte Märchenfiguren tummeln sich im dort. Allein das Erraten der jeweiligen Märchen unterhält im Spiel mit Kindern eine ganze Weile. Doch beachten sollte man vor allem Eulen, Weihnachtsmänner, Feen und Frösche. Sie sind ein wenig kleiner gezeichnet und verstecken sich mal da, mal dort zwischen den Bäumen. Für Strategen gut zu wissen: Zwischen 0 und 4 kleine Gestalten können sich auf einer Karte befinden, jedoch niemals mehr als drei einer Sorte.

Jeder Spieler legt eine Karte und zieht wieder ein nach. Nun muss man nur noch ein wenig mitzählen. Liegen 7 oder mehr Figuren einer Art aus, darf man die entsprechenden Karten einkassieren. Der Märchenwald schrumpft zusammen, das Spiel geht weiter. Je näher man an die 7 rückt, desto grösser wird die Gefahr, den Mitspielern eine Vorlage zu liefern. Das lässt sich nicht immer vermeiden, es besteht Zugzwang.

Ist der Nachziehstapel leer, spielt man die letzten Karten noch aus. Wer als Letzter eine 7 legen konnte, räumt auch die restlichen Karten ab. Der Spieler mit den meisten Karten gewinnt.

Fazit

Klein, einfach, schön! So umschreibt man das Spiel Forest kurz und treffend. Das kleine Kartenformat und die einfachen Spielideen überzeugen mich bisher total. Auch Forest spielt man überall und schnell zwischendurch. Das Spiel ist blitzschnell erklärt und doch nicht banal. Das Märchenthema mit seinen Illustrationen regt die Phantasie der Kinder an. Wer bis 7 zählen kann, spielt sofort mit – und ist auch gerne bei weiteren Partien mit dabei. Der Märchenwald wartet, bis er entdeckt wird.

Forest | Autor: Leo Colovini und Fabio Visintin | Verlag: Helvetiq
Kartenspiel für 2-5 Personen | Spieldauer: 15 Minuten | Ab 6 Jahren | Benötigt: 1,2,3,4,5,6,7 Zauberwesen | Wiederspielreiz: sehr gross

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Neuheiten von carta.media im Frühjahr 2017

Die Schweizer Verlage lassen sich dieses Frühjahr nicht zwei Mal bitten. Auch der Verlag carta.media bringt zwei neue Kartenspiele auf den Markt. Doch das ist noch nicht alles: Im März erscheint auch noch ein interessantes Buch.

Keilerei

Dieses Kartenspiel ist eigentlich eine richtige Sauerei. Und wie der Titel schon vermuten lässt, ärgert man seine Mitspieler ganz schön. Nebenbei versucht man, die eigenen Karten passend in die Reihen zu legen. Denn nur wer seine Schweine schnell los wird, gewinnt. Mit tollen, schweinischen Illustrationen.
Autor: Bertram Kaes | Ab 8 Jahren | Für 2-4 Spieler 

Swissino

Ganz weit entfernt erinnert das Spiel an UNO. Immerhin soll man seine Karten passend auf den Stapel legen. Aber habt ihr bei UNO schon einmal gejodelt? Und dann gibt es da noch die Ereigniskarten, die nicht nur Gutes bringen. Ein witziger Spielspass für die ganze Familie.
Autor: Bertram Kaes | Ab 7 Jahren | Für 2-5 Spieler

Kinder erklären die Schweiz

Ist Ricola tatsächlich ein Salat? Welchen Beruf übt Roger Federer aus? Wie wird man kantolisch? Kinder im Alter von 7 bis 9 Jahren erklären die Schweiz. Dabei mischen sie ihr Wissen mit ganz viel Halbwissen und Charme. Illustriert von Michael Menzel (Die Legenden von Andor), erscheint das Buch im März. Geschrieben und kommentiert wurde es von Patrick Jerg.

  

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Barracuda – Spielkritik

Endlich einmal ins Bargeschäft abtauchen – eine eigene Kneipe eröffnen, noch lieber zwei oder drei. Barracuda ist ein knallhartes Verhandlungsspiel, bei dem man schon in der ersten Partie das Motto deutlich spürt: Hier schmilzt das Geld wie Eis in der Sonne.

Eher nüchtern und abstrakt kommt das Spiel daher, das Material aber hochwertig. Die dicken Geldscheine sind das zentrale Element bei Barracuda. Sie wechseln die Besitzer ziemlich schnell. Zudem liegen 10 Bars verdeckt auf dem Tisch. Sie unterscheiden sich vor allem in der Pacht (zwischen 2000 und 6000) und den Plätzen. Während einige Bars nur für einen einzelnen Pächter bestimmt sind, bieten andere die Möglichkeit, einen Partner mit ins Boot zu holen. Barracuda ist eigentlich ein knallhartes Verhandlungs- und Wirtschaftsspiel. Es geht ums Geld. Wer am längsten und erfolgreichsten kalkuliert, gewinnt am Ende den Wettstreit.

Mit 5 Spielfiguren und 50000 startet man in den Kneipenwettkampf. In der ersten Runde dreht jeder Spieler ein Plättchen um und sichert sich so seine erste Bar. Die Spielerreihenfolge wechselt in jeder Runde. Sie wird immer neu ausgelost.
Ab Runde zwei bleibt das grundlegende Schema gleich: Man zahlt seine Pacht und führt eine Aktion aus. Die Pacht ist bei jeder Bar vorgegeben. Ab der dritten und vierten Bar gibt es Rabatte.
Bei den Aktionen gibt es einige Möglichkeiten:
– Man eröffnet eine weitere Bar und dreht ein Plättchen um. Die Spieleranzahl bestimmt die Anzahl der offenen Bars im Spiel.
– Man bewirbt sich als Partner in einer Bar. Das geht nur, wenn ein freier zweiter Platz vorhanden ist. Bei einer eigenen Bar ist das kostenlos. Einem anderen Spieler unterbreitet man ein geheimes Angebot. Nimmt er es an, wird der neue Partner gesetzt. Lehnt er ab, muss er ihm die gleiche Angebotssumme zurückzahlen.
– Man versucht, die Bar eines Mitspielers zu übernehmen und bietet ihm geheim Geld an. Mindestens der Pachtpreis muss drin liegen. Allerdings kann auch hier der Spieler annehmen oder ablehnen. Man ahnt es bereits: Eine Ablehnung kostet die exakt gleiche Summe als Schutzgeld.
– Schliesslich kann eine Bar auch wieder versteigert werden. Alle Spieler unterbreiten ein geheimes Angebot, der Verkäufer wählt aus. Nimmt er kein Angebot an, wird die Bar (mitsamt Partner) geschlossen. Das kostet allerdings noch 1000 für die Reinigung.
Jeder Spieler besitzt noch eine Menge an Falschgeld. Die 0er-Noten können beiläufig zu den Angeboten gemischt werden. So frisiert man den Kaufpreis, auch wenn man fast nichts mehr besitzt.

Gegen Ende wird das Geld knapp – sehr knapp. Meist wird es ziemlich eng, und das bei allen Spielern. Wer Angst hat, seine Pacht nicht mehr begleichen zu können, ruft vor der Auslosung der Reihenfolge eine „Last order!“ aus. Jetzt machen alle Spieler ein geheimes Angebot. Wer am meisten geboten hat, kommt auch als Letzter an die Reihe. Das kann taktisch sehr wichtig sein. Denn wer pleite ist, verliert.

Daher kann das Spielende auch unterschiedlich eintreten: Wenn ein Spieler seine 5 Spielfiguren in den Bars platziert und eine ganze Runde überstanden hat, gewinnt er. Ist ein Spieler pleite, endet Barracuda ebenfalls sofort. Wer zu diesem Zeitpunkt am meisten Spielfiguren in den Bars hat, gewinnt.

Fazit

Barracuda ist in der Tat sehr nüchtern gehalten. Kein unnötiger Schnick-Schnack, nur Geld, Bar-Plättchen, Spielfiguren. Durch das Verhandeln lohnt es sich, mit vier oder fünf Spielern anzutreten. Sämtliche Testrunden sind in etwa gleich verlaufen. Nach dem Erklären der Spielregeln gab es erstaunte Gesichter: „Geht das?“ Lockeres Handeln in den ersten gemütlichen Runden. Hektisches Geldzählen und Durchrechnen in der Schlussphase. Die Situation jedes Spielers spitzt sich gegen Ende dramatisch zu. Man spekuliert auf dem Zahnfleisch und hofft, das Ende überhaupt noch aktiv zu erleben. Es wird verhandelt, geblufft und viel riskiert. Manch einer, der auf „dicke Hose“ macht, gibt sie schneller ab, als er denkt. Und die skeptischen Spielerblicke zu Beginn nicken am Schluss anerkennend: Auch wenn es nicht danach aussieht, dieses Spiel hat was. That’s business!

Barracuda | Autor: Christoph Cantzler | Verlag: Drei Hasen in der Abendsonne
Handelsspiel für 3-5 Personen | Spieldauer: 30-45 Minuten | Ab 10 Jahren | Benötigt: Pokerface und Verhandlungsgeschick | Wiederspielreiz: gross

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