Adventure Island – Spielkritik

Auf dem Weg nach Indien ist euer Schiff in einen Sturm geraten und eure schlimmsten Robinson-Träume werden wahr. Gestrandet auf einer einsamen Insel startet der Kampf ums Überleben. Heute inszeniert man bereits TV-Shows mit solchen Themen, doch hier startet der spielerische Ernst bei Adventure Island.

Adventure Island

Aus 6 Charakteren wählt man seine persönliche Spielfigur, die man durch das Abenteuer begleitet. Adventure Island ist ein kooperatives Spiel. Nur mit gemeinsamen Absprachen erreicht man die Ziele der 5 Abenteuer in der Spieleschachtel. Daher liegt die erste wichtige Entscheidung schon bei der Wahl des Charakters, denn diese Personen besitzen alle ihre persönlichen Vorzüge, die sie für das Team zur Verfügung stellen: Vorteile im Bereich der Nahrung, Stärke oder Korrekturen beim Würfeln. Welche Fähigkeiten sind im nächsten Kapitel entscheidend?

In Kapitel 1 lernt man die Grundlagen des Spiels kennen. Jeder Spieler führt jeweils 2 Aktionen nacheinander durch. Die Möglichkeiten sind vielfältig und auf den ersten Blick irgendwie alle wichtig. Aktionskarten bieten eine kleine, erste Auswahl an. Nahrung rückt immer wieder in den Fokus der Abenteurer. Am Ende eines Tages will jeder Spieler eine Nahrung zu sich nehmen, sonst droht die Erschöpfung. Ein Unterschlupf schützt vor Gefahren. Sein Bau benötigt ein wenig Holz. Das findet man unter Umständen im Treibgut am Strand. Oder man sucht neue Orte auf der Insel auf und entdeckt die neue Heimat Schritt für Schritt. Adventure Island verändert sich ständig. Hat man erste Entwicklungsschritte abgeschlossen, eröffnen sich neue Möglichkeiten. Oft spielt auch der Zufall mit, denn Ortskarten und Treibgut erscheinen von Spiel zu Spiel in zufälliger Reihenfolge aus dem Kartenstapel.

Adventure Island

Farbwürfel sind ebenfalls im Spiel. Sie sind häufig nötig, um eine Aktion mit einer Würfelprobe abzuschliessen. Die Anzahl der zu verwendenden Würfel geben die Fähigkeiten vor, die für die Aktion benötigt werden. Erwürfelt man die passende Anzahl an Farben, hat man eine Aktion abgeschlossen. Für jedes Scheitern erhält man einen Erfahrungsmarker, den man in späteren Aktionen verwenden kann, um erneut zu würfeln. Dieses Trostpflaster mindert die Glückskomponente ein wenig.

Haben die Spieler ihre Aktionen durchgeführt, bricht die Nacht herein. Unheil droht, im wahrsten Sinne des Wortes. Jeder Spieler zieht eine Unheilkarte. Die Spannweite ist gross: Von „Nichts passiert“ bis „Das Feuer geht euch aus“ liegt unter Umständen viel spielerische Arbeit dahinter. Aber es hat auch keiner behauptet, dass das wilde Inselleben ein Zuckerschlecken ist. Wie im richtigen Leben ist so ein Überlebenskampf ziemlich erschöpfend. Die Spieler können sich Erschöpfungsmarker einfangen, die ihre Fähigkeiten mindern. Das hat Auswirkungen auf die Würfelprobe und das Erfüllen von Aktionen – ein Teufelskreis.

Adventure Island

Das Ziel eines Abenteuer ist immer vorgegeben. In Kapitel 1 soll man Feuer machen und eine sichere Unterkunft finden. Doch die Zeit drängt. Die Unheilkarten wirken als Timer. Sind die Karten aufgebraucht, hat man das Abenteuer leider nicht bestanden. Kann ein Spieler keinen Erschöpfungsmarker mehr anlegen, ist das Ende ebenfalls erreicht. Adventure Island ist kein Ponyhof!


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Fazit

Gleich vorweg: Adventure Island ist kein einfaches Unterfangen. Das hat nichts mit dem Spielablauf zu tun. Der ist eingängig und nicht komplex. Das Lösen der Aufgaben fordert die Spieler und so gehört ein Scheitern bei Adventure Island zum Spiel. Die Insel muss erkundet werden, der Radius wird von Kapitel zu Kapitel grösser. Zusätzliche Karten, die verpackt beiliegen, bringen neue Elemente ins Spiel. Dieses Suchen nach dem richtigen Weg erzeugt Spannung, benötigt aber unter Umständen Zeit. Man tauscht Strategien am Tisch aus, bespricht die richtige Reihenfolge der Aktionen und plant sich von Runde zu Runde vorwärts. Nahrungssuche und Unheilkarten erzeugen Druck, die Zeit ist meist knapp bemessen. Man würde sich gerne noch länger umsehen, doch dann verpasst man das Ziel deutlich. So muss man sich fokussieren auf wichtige Aufgaben. Nun spielt der Glücksfaktor eine bedeutende Rolle bei Adventure Island. Die Würfelprobe oder das zufällige Erscheinen kann einen grossen Teil beim Erfüllen der Aufgaben beitragen – oder eben ein schnelles Scheitern forcieren. Wobei man das während des Spiels oft dramatischer sieht, als im Rückblick. So scheiterten bei uns gefühlt „katastrophale“ Runden am Ende am Fehlen einer einzigen Aktion. Und ein „sicheres Scheitern“ fand auch mit dem Erscheinen der gesuchten Karte ganz am Ende eines Stapels ein glückliches Ende. Etwas unglücklich gelöst ist, dass man jede Mission wieder ganz von vorne starten muss. Was man zuletzt erreicht hat, ist beim Weitergang der Story wieder weg. Das ist bei einem Spiel, das man in mehreren Anläufen absolvieren muss, bitter. Trotz allem: Adventure Island hat in den Spielrunden eine gewisse Faszination ausgelöst, den Ehrgeiz der Spieler geweckt. Wenn man mit der Mischung aus Glück und Strategie leben und das Scheitern ins eigene Spielerlebnis einschliessen kann, ist das Abenteuer spürbar.

Alles über Adventure Island

Adventure Island| Autoren: Michael Palm, Lukas Zach| Illustration: Lea Fröhlich, Lisa Lenz | Verlag: Pegasus

Spielerzahl: Abenteuerspiel für 2 bis 5 Personen
Spieldauer: 45-90 Minuten pro Kapitel
Altersangabe: ab 10 Jahren
Benötigt: Energie und Ideen auf der einsamen Insel
Wiederspielreiz: gross

Geeignet für 2 Spieler: geht gut
Beste Spielerzahl: 3-4 Personen
Richtet sich an: Kenner

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