Anansi – Spielkritik

Anansi ist der Hüter der Geschichten. Doch Weisheit erlangt er erst, wenn er andere inspiriert. So gewinnt man dieses Stichspiel durch ausgeglichenes Taktieren. Ein aussergewöhnliches Kartenspiel mit inspirierenden Elementen.

Anansi

Manche würden Anansi wohl als komischen Kauz bezeichnen. Andere sind beeindruckt von seinem Vorgehen, die Inspiration unter die Menschen zu bringen. Im Kern findet man bei Anansi bekannte Elemente: Drei Story-Karten mit Leopard, Hornisse und Schlange und den Werten von 1 bis 14. Eine Art wird zur Trumpf-Farbe. Man muss Farbe bekennen, so lange es geht, danach darf man ausweichen oder mit einer Trumpfkarte stechen. Wer den höchsten Wert legt, sticht. Stiche legt man einzeln vor sich aus. So ist man sich das bereits gewohnt von anderen Stichspielen, man könnte das im Ablauf als klassisches Stichspiel bezeichnen. Doch Anansi bietet weit mehr. Auf den ersten Blick einmal glanzvolle Karten und ein eindrucksvolles Artwork, die ein erstes Staunen auslösen.

Auf den zweiten Blick erhält Anansi seinen spielerischen Glanz durch seine wechselnden Trumpffarben und ein ausgeglichenes Verhältnis an inspirierten Menschen. Die Trumpffarbe legt man zu Beginn durch eine zufällige Auslage und das Ziehen zweier Story-Karten fest. Die Farbe mit den meisten Karten in dieser Auslage, ist Trumpf. Das ändert sich unter Umständen von Stich zu Stich und erfordert eine vorausschauende Flexibilität von den Spielern. Wer einen Stich eröffnet, spielt eine Karte aus seiner Hand. Danach haben die Mitspieler die Wahl: Entweder man spielt eine passende Karte in den Stich oder man wirbt Zuhörer an. Für die Anwerbung spielt man ebenfalls eine Karte, doch nur die hohen Werte berechtigen zum Ziehen von uninspirierten Zuhörer-Karten. Bei bis zu vier Spielern kann nur sich nur jemand Zuhörer sichern, in grösseren Spielrunden sogar zwei Spieler. Die Zuhörer-Karten sind wichtig für die Wertung – wenn sie denn Inspiration erlangen.
Karten, die man für Zuhörer einsetzt, enden in der Trumpfauslage und verändern das Geschehen ganz plötzlich. Da die Mehrheit die Trumpffarbe bestimmt, wendet sich vielleicht das (Farb-)Blatt.

Anansi

Die Wertung ist das zweite Element, das die Spieler schon während der Partie herausfordert. Nach dem letzten Stich holt man sich nur über inspirierte Zuhörer seine Punkte. Das bedeutet: Auf jeden eigenen Stich muss eine Zuhörer-Karte, die man wendet und nun ein buntes und inspiriertes Gesicht zeigt. Bleiben uninspirierte Gesichter übrig, geht man ohne Punkte aus der aktuellen Runde. Sind alle Zuhörer inspiriert, es bleiben aber noch Stiche übrig? Kein Problem, jeder inspirierte Mensch bringt einen Punkt. Im allerbesten Fall hat man derart ausgeglichen gespielt, dass die Zuhörer exakt mit der Anzahl Stiche übereinstimmt. Damit erhält man neben den Zuhörer-Karten noch einen Rundenbonus. Eine schöne Sache: Auch mit 0 Stichen und ohne Zuhörer erhält man diesen Bonus zugesprochen.

Nach drei Spielrunden ist Schluss. Wer die meisten Punkte sammelt, gewinnt.

Anansi

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Fazit

Anansi startet als normales Stichspiel und schafft es mit wenigen Elementen, eine beachtliche Spieltiefe reinzubringen. Hier muss man sich ständig neuen Situationen anpassen. Das beginnt bei der sich verändernden Trumpffarbe, geht weiter beim rechtzeitigen Einkassieren von Zuhörern und endet mit einem ausgeglichenen Verhältnis von Zuhörern und Stichen. Natürlich entscheidet die Kartenhand mit, was überhaupt drin liegt. Gemeinerweise sind die hohen Karten doppelt wichtig. Sie sorgen für Stiche und viele Zuhörer. Doch selbst bei einem total schlechten Blatt hat man die Möglichkeit auf Null zu spielen. Anansi ist ein kleines, spannendes Spiel der Entscheidungen und Wendungen und fordert die Spieler immer aufs Neue heraus. Nach einer ersten Partie merkt man erst richtig, wie sich gewisse Entscheidungen auswirken, denn Anansi ist ein Geben und Nehmen. Und schnell bringt man dabei auch die Mitspieler zur Verzweiflung. Stichspiele gab es in letzter Zeit nicht mehr so häufig, Anansi ist für mich eine klare Stichspiel-Empfehlung: Klar im Ablauf und doch mit einer kleinen Komplexität, um an die Punkte zu gelangen.

Alles über Anansi

Anansi | Autoren: Cyril Blondel & Jim Dratwa | Illustration: Dayo Baiyegunhi, Emmanuel Mdlalose | Verlag: Heidelbär Games

Spielerzahl: Stichspiel für 3 – 5 Personen
Spieldauer: 30 Minuten
Altersangabe: ab 10 Jahren
Benötigt: Zuhörer mit Stich
Wiederspielreiz: sehr gross

Geeignet für 2 Spieler: kein 2er Spiel
Beste Spielerzahl: 3 – 5 Personen
Richtet sich an: Familie

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