Auf den Spuren von Marco Polo – Spielkritik

Gross sind die Spuren von Marco Polo und lang seine Reisen. Daher sollte man seine Route geschickt planen und viele Aufträge erfüllen. Auf den Spuren von Marco Polo ist ein anspruchsvolles Strategiespiel mit zahlreichen Möglichkeiten und einem tollen Würfel-Einsetz-Mechanismus.

Auf den Spuren von Marco Polo 1Marco Polo und seine Konsorten waren ja ein reiselustiges Völkchen. Doch Ruhm und Ehre erhält man nur, wenn man auch etwas leistet auf seinen Reisen. Deshalb sollte man lukrative Aufträge nicht ausschlagen und seinen Punktestand stetig vermehren. Gesteuert wird Auf den Spuren von Marco Polo über die Würfel. Jeweils einen, zwei oder drei Würfel setzt man auf eine Aktion, die man in seinem Spielzug durchführen möchte. Der Zahlenwert entscheidet, wie oft man eine Aktion macht oder wie viel man erhält. Wer als Erster eine Aktion wählt, die noch nicht besetzt ist, nutzt sie umsonst. Wer erst später eine bereits genutzte Aktion durchführen will, bezahlt mit Geld, im Wert des/der neu gelegten Würfel.
Gleich einige Aktionsmöglichkeiten stehen den Gefolgsleuten von Marco Polo auf ihren Reisen zur Verfügung. Auf dem Markt holt man sich Ressourcen (Seide, Pfeffer, Gold und Kamele), die man benötigt, um Aufträge zu erfüllen. Aufträge holt man sich ebenfalls mit den Würfeln. Je grösser die Zahl, desto grösser die Auswahl. Die Anzahl der Aufträge ist übrigens in jeder Spielrunde limitiert. Reisen ist ebenfalls eine Alternative. Je mehr Schritte man auf der grossen Landkarte machen will, desto mehr Geld kostet die Reise. Zudem verlangen einige Wege noch weiteren Aufwand (Kamele oder Geld). Dafür erhält man in kleinen Städten einen regelmässigen Bonus am Anfang jeder Runde ausbezahlt, wenn man ein Kontor errichtet. Grosse Städte locken mit attraktiven, weiteren Aktionen, die man nur nutzen darf, wenn man dort auch angesiedelt ist.

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Wird das Geld knapp? Mit den Würfeln holt man sich auch mal schnell neue Münzen oder setzt auf die Gunst des Khan, um günstiger an Waren oder Kamele zu kommen. Alle Aktionen haben eines gemeinsam: Sie dürfen von jeder Würfelfarbe nur ein Mal benutzt werden.
Da jedes Gesetz aber eine Lücke hat, auch dieses: Mit Zusatzaktionen kann man neutrale Würfel (schwarz) erwerben. Da sie keiner Spielerfarbe angehören, darf man sie auch für eine weitere Aktion nutzen.

A propos Zusatzaktionen. Die darf man beliebig oft, vor oder nach der hauptsächlichen Würfeleinsetzaktion nutzen. Das kostet meistens ein paar Kamele. Doch der Einsatz lohnt sich. Als Zusatz würfelt man neu, dreht eine Zahl höher oder tiefer oder kauft sich ein Mal pro Runde einen schwarzen Extrawürfel. Auch Aufträge erfüllt man so ganz nebenbei. Erfüllte Aufträge bringen immer auch einen Lohn: Geld, Punkte, Rohstoffe oder Kamele, die man gleich weiter verplanen kann.
Gespielt wird so lange, bis alle Würfel eingesetzt sind. Danach werden neue Aufträge ausgelegt und eine neue Runde startet, insgesamt sind es 5.

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Was zählt aber am Ende der langen Reise? Erfüllte Aufträge sind wichtig. Besuchte Städte bringen Punkte, denn jeder Spieler verfolgt persönliche und geheime Ziele auf der grossen Karte Asiens. Peking ist auch nicht zu verachten, wenn man es früh erreicht und einen hohen Bonus einstreicht. Wer die meisten Punkte erreicht, ist ganz dicht dran Auf den Spuren von Marco Polo.

Doch das Beste habe ich noch gar nicht erwähnt. In jeder Partie verkörpert man einen Charakter aus der Sippschaft von Marco Polo. Diese Charaktere haben es in sich und verändern den Spielablauf unter Umständen extrem. Mit Matteo Polo erhält man beispielsweise immer einen Würfel mehr, während Raschid ad-Din Sinan seine Würfelaugen immer selber bestimmen kann. So ändert sich in jeder Partie auch die Spielausrichtung der einzelnen Spieler.

Fazit:
Auf den Spuren von Marco Polo ist ein sehr vielschichtiges Optimierungsspiel. Die grundsätzlichen Ziele bleiben zwar in jeder Partie erhalten (Aufträge erfüllen, Reisen), die Ausrichtung des eigenen Spiels ist aber immer anders. Die eigenen Vorteile wollen so gut wie möglich genutzt werden, trotzdem müssen die Aktionen so geplant sein, dass sie nicht unnötig viel kosten. Der Grat ist oft ziemlich schmal während des Spiels. Schwimmt man im Geld, fehlen die Kamele. Besitzt man Rohstoffe, kommt man schlecht an neue Aufträge ran. Es gibt einige Möglichkeiten, die Spielplanung ist flexibel, meist führen mehrere Wege zum Ziel (oder nach Peking). Nur wer die Mitspieler beobachtet und auch ihre Pläne mitliest, plant selber effizient.
Der Würfel-Einsetz-Mechanismus gefällt mir sehr gut, durch den Erwerb zusätzlicher Würfel verlängert man die eigene Spielrunde bei Bedarf. Die 5 Spielrunden verlangen von den Spielern einige Entscheidungen ab, was sich gegen Ende zu einem Feilschen um jeden Punkt auswirkt.
Die spezielle Würze in der Marco Polo – Suppe sind eindeutig die Charaktere. Mit ihnen muss man jede Partie neu ausloten und in den unterschiedlichen Kombinationen entwickeln sie sich nochmal anders.
Auf den Spuren von Marco Polo ist eine spannende Reise für Spielstrategen, die gerne die Würfelwelt immer wieder neu entdecken. Absolut empfehlenswert!

Auf den Spuren von Marco Polo | Autoren: Daniele Tascini, Simone Luciani | Verlag: Hans im Glück
Brettspiel für 2-4 Personen | Spieldauer: 20-25 Minuten pro Person | Ab 12 Jahren | Benötigt: Flexible, würfelgesteuerte Reiseplanung | Wiederspielreiz: sehr gross

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