Barracuda – Spielkritik

Endlich einmal ins Bargeschäft abtauchen – eine eigene Kneipe eröffnen, noch lieber zwei oder drei. Barracuda ist ein knallhartes Verhandlungsspiel, bei dem man schon in der ersten Partie das Motto deutlich spürt: Hier schmilzt das Geld wie Eis in der Sonne.

Eher nüchtern und abstrakt kommt das Spiel daher, das Material aber hochwertig. Die dicken Geldscheine sind das zentrale Element bei Barracuda. Sie wechseln die Besitzer ziemlich schnell. Zudem liegen 10 Bars verdeckt auf dem Tisch. Sie unterscheiden sich vor allem in der Pacht (zwischen 2000 und 6000) und den Plätzen. Während einige Bars nur für einen einzelnen Pächter bestimmt sind, bieten andere die Möglichkeit, einen Partner mit ins Boot zu holen. Barracuda ist eigentlich ein knallhartes Verhandlungs- und Wirtschaftsspiel. Es geht ums Geld. Wer am längsten und erfolgreichsten kalkuliert, gewinnt am Ende den Wettstreit.

Mit 5 Spielfiguren und 50000 startet man in den Kneipenwettkampf. In der ersten Runde dreht jeder Spieler ein Plättchen um und sichert sich so seine erste Bar. Die Spielerreihenfolge wechselt in jeder Runde. Sie wird immer neu ausgelost.
Ab Runde zwei bleibt das grundlegende Schema gleich: Man zahlt seine Pacht und führt eine Aktion aus. Die Pacht ist bei jeder Bar vorgegeben. Ab der dritten und vierten Bar gibt es Rabatte.
Bei den Aktionen gibt es einige Möglichkeiten:
– Man eröffnet eine weitere Bar und dreht ein Plättchen um. Die Spieleranzahl bestimmt die Anzahl der offenen Bars im Spiel.
– Man bewirbt sich als Partner in einer Bar. Das geht nur, wenn ein freier zweiter Platz vorhanden ist. Bei einer eigenen Bar ist das kostenlos. Einem anderen Spieler unterbreitet man ein geheimes Angebot. Nimmt er es an, wird der neue Partner gesetzt. Lehnt er ab, muss er ihm die gleiche Angebotssumme zurückzahlen.
– Man versucht, die Bar eines Mitspielers zu übernehmen und bietet ihm geheim Geld an. Mindestens der Pachtpreis muss drin liegen. Allerdings kann auch hier der Spieler annehmen oder ablehnen. Man ahnt es bereits: Eine Ablehnung kostet die exakt gleiche Summe als Schutzgeld.
– Schliesslich kann eine Bar auch wieder versteigert werden. Alle Spieler unterbreiten ein geheimes Angebot, der Verkäufer wählt aus. Nimmt er kein Angebot an, wird die Bar (mitsamt Partner) geschlossen. Das kostet allerdings noch 1000 für die Reinigung.
Jeder Spieler besitzt noch eine Menge an Falschgeld. Die 0er-Noten können beiläufig zu den Angeboten gemischt werden. So frisiert man den Kaufpreis, auch wenn man fast nichts mehr besitzt.

Gegen Ende wird das Geld knapp – sehr knapp. Meist wird es ziemlich eng, und das bei allen Spielern. Wer Angst hat, seine Pacht nicht mehr begleichen zu können, ruft vor der Auslosung der Reihenfolge eine „Last order!“ aus. Jetzt machen alle Spieler ein geheimes Angebot. Wer am meisten geboten hat, kommt auch als Letzter an die Reihe. Das kann taktisch sehr wichtig sein. Denn wer pleite ist, verliert.

Daher kann das Spielende auch unterschiedlich eintreten: Wenn ein Spieler seine 5 Spielfiguren in den Bars platziert und eine ganze Runde überstanden hat, gewinnt er. Ist ein Spieler pleite, endet Barracuda ebenfalls sofort. Wer zu diesem Zeitpunkt am meisten Spielfiguren in den Bars hat, gewinnt.

Fazit

Barracuda ist in der Tat sehr nüchtern gehalten. Kein unnötiger Schnick-Schnack, nur Geld, Bar-Plättchen, Spielfiguren. Durch das Verhandeln lohnt es sich, mit vier oder fünf Spielern anzutreten. Sämtliche Testrunden sind in etwa gleich verlaufen. Nach dem Erklären der Spielregeln gab es erstaunte Gesichter: „Geht das?“ Lockeres Handeln in den ersten gemütlichen Runden. Hektisches Geldzählen und Durchrechnen in der Schlussphase. Die Situation jedes Spielers spitzt sich gegen Ende dramatisch zu. Man spekuliert auf dem Zahnfleisch und hofft, das Ende überhaupt noch aktiv zu erleben. Es wird verhandelt, geblufft und viel riskiert. Manch einer, der auf „dicke Hose“ macht, gibt sie schneller ab, als er denkt. Und die skeptischen Spielerblicke zu Beginn nicken am Schluss anerkennend: Auch wenn es nicht danach aussieht, dieses Spiel hat was. That’s business!

Barracuda | Autor: Christoph Cantzler | Verlag: Drei Hasen in der Abendsonne
Handelsspiel für 3-5 Personen | Spieldauer: 30-45 Minuten | Ab 10 Jahren | Benötigt: Pokerface und Verhandlungsgeschick | Wiederspielreiz: gross

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