Belratti – Spielkritik

Der Name Belratti erinnert ganz bewusst an Kunstfälscher Beltracchi. Und Belratti möchte die Kunstwelt ebenfalls hinters Licht führen, um seine Werke ins Museum zu bringen. Dazu muss man nichts von Kunst verstehen. Menschenkenntnisse sind von Vorteil, denn hier wird assoziiert.

BelrattiJe nach Spielerzahl befinden sich bei Belratti eine Menge an Malern oder Museumsleiter am Spieltisch. Die Rollen wechseln im Laufe der Partie, jeder kann das Spiel aus unterschiedlichen Augen betrachten. Insgesamt ist Belratti aber trotzdem ein kooperatives Spiel. Alle gewinnen gemeinsam, wenn sie ihre jeweilige Rolle perfekt ausführen. In der Spielschachtel befinden sich vor allem Bilderkarten. Auf ihnen sind unterschiedlichste Gegenstände aus diversen Bereichen des Lebens abgebildet. Als Grundstock erhält jeder Spieler eine Anzahl dieser Bildkarten, die man natürlich verdeckt hält. Das Spiel läuft in vier Phasen ab, in denen Maler und Museumsleiter ihre Aufgaben erledigen müssen. Erst sind die Museumsleiter dran. Sie decken zwei Bilderkarten vom Nachziehstapel auf, schon sind die beiden Themen der kommenden Ausstellung bestimmt. Das können dann so abstruse Sachen sein wie Lupe, Fliegenpilz, Einkaufswagen etc. Die Museumsleiter zeigen sich Runde für Runde äusserst phantasievoll. Doch wie füllt man eine solch abstrakte Ausstellung? Also schnell eine Anzahl Bilder bei den Malern anfordern. Zwischen 2 und 7 Werke müssen es sein. Die Leiter legen gemeinsam die Zahl fest.

Belratti

In der zweiten Phase sind die Maler gefordert. Aus ihren Handkarten suchen sie sich nun die besten Bilder aus – ohne dabei die Dinge beim Namen zu nennen. Sie dürfen allerdings absprechen, ob sie gute, mittelmässige oder schlechte Beiträge zu den beiden Themenkarten liefern könnten. Am Ende einigen sie sich auf die geforderte Anzahl Bilder. Dabei ist es egal, wie viele Bilder jeder einzelne Maler zum Erfolg beiträgt. Hat ein Maler gerade ein künstlerisches Tief, liefert ein anderer eben die gesamte Anzahl an Werken. Die Maler liefern ihre Bilder verdeckt aus und damit startet die Zeit von Belratti. Er mischt vier Fälschungen unter die Bilder – willkürlich gezogen vom Nachziehstapel. Die Bilderkarten von Belratti und den Malern reicht man gemischt den Museumsleitern weiter.

Belratti

Durch die Fachkenntnisse der Leiter ist es nun ein Leichtes, alle Bilder in der dritten Phase dem passenden Thema zuzuordnen. Oder eben nicht. Welche Begriffe bringt man mit einem Thema in Verbindung? Ist die Sache so klar, wie sie scheint? Oder hat Belratti die Finger im Spiel? Die Museumsleiter müssen sich festlegen, die Bilder sogar dem entsprechenden Thema zuordnen – oder sie als Fälschungen liegen lassen. In der letzten Phase lösen die Maler die Zuordnung auf. Liegt ein Bild an der richtigen Stelle, erhalten die Spieler einen Punkt. Schafft es ein Werk Belrattis in die Ausstellung, gibt es einen Punkt für den Fälscher.
Hat Belratti am Ende einer Runde 6 oder mehr Punkte erreicht, endet das Spiel. Mit 15 Spielerpunkten hat man Belratti geschlagen. Doch da ist noch viel Luft nach oben bis zur perfekten Ausstellung, die beim Publikum Begeisterungsstürme auslöst.

Den Spieler stehen noch vier Hilfskarten zur Verfügung, mit denen sie ein wenig manipulieren können. So kann man die Themenkarten austauschen, eine Bilderkarte abfragen, die Handkarten tauschen oder die geforderte Anzahl an Bildern nach oben oder unten korrigieren. Leider nutzt man die Karten nur ein Mal, mit einer perfekten Runde hat man jedoch die Chance, Karten zu reaktivieren. Es lohnt sich, die Karten eher früher als später einzusetzen. Sie gehen sonst schnell vergessen und am Ende ärgert man sich über vergebene Möglichkeiten.


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Fazit

Belratti ist ein locker flockiges Assoziationsspiel, das in den Spielrunden schnell am Ehrgeiz der Spieler kratzt. Durch den Rollenwechsel entstehen immer neue Gruppenkonstellationen, mit denen Maler und Museumsleiter erst einmal zurecht kommen müssen. Wer weiss schon immer, was die Anderen denken? Dazu kommt noch die Unsicherheit mit Belrattis Fälschungen. Auch der Fälscher kann einmal thematisch richtig liegen und plötzlich sind zu viele passende Bilder auf dem Tisch. Das Spielgeschehen wechselt zwischen den Rollen hin und her. Doch auch in einer passiven Phase sollte man den Mitspielern gut zuhören, um keine Hinweise zu verpassen. Mit Belratti habe ich schon zahlreiche Spielrunden erlebt. Da gibt es die begeisterten Assoziierer, die verwunderten Bildbetrachter und die skeptischen Kooperierer. In allen Runden war der Tenor am Ende aber gleich: Das geht noch besser, das machen wir noch einmal. Ein Spiel mit hohem Aufforderungscharakter, das ab 4 Spielern so richtig Spass macht beim Rätseln und Raten über die Gedankengänge der Mitspieler.

Belratti | Autor: Michael Loth | Verlag: Mogel-Verlag
Kartenspiel für 3-7 Personen | Spieldauer: 20-45 Minuten | Ab 9 Jahren | Benötigt: Den Blick in die Gedankenstränge der Mitspieler | Wiederspielreiz: sehr gross

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