Brändi Via – Spielkritik

Eine Burg ist eben noch eine Burg und muss auf dem grössten Grundstück stehen. Bei Brändi Via baut man zwar regelmässig Strassen, doch auf die Grundstücke kommt es am Ende an, oder besser gesagt: Auf die Grundstücke im eigenen Besitz. Ein taktisches Legespiel.

Brändi ViaSchöne Holzplättchen mit aufgezeichneten Strassen erwarten die Spieler bei Brändi Via. Geraden oder Kurven, mit und ohne Kreuzungen, auf jeden Fall wieder ein wunderschönes Spiel der Stiftung Brändi in hochwertiger Qualität. Auf einem Raster mit quadratischen Plätzen wird gespielt. Erst legt man gemeinsam die Startplättchen aufs Spielfeld, danach einige Wasserfelder. Zwei Start-Steine erhält jeder Spieler, die ab jetzt geheim gehalten werden. Der Reihe nach spielen alle ihre Aktionen, die Auswahl ist überschaubar: Ein Plättchen legen und eins nachziehen oder zwei Plättchen legen oder ein oder zwei Plättchen nachziehen. Es dürfen höchstens 3 Plättchen im eigenen Besitz sein, zwei Plättchen zieht man nur, wenn man gar keine mehr besitzt.

Zwar baut man in erster Linie Strassen, im Blick der Spieler sind aber immer die geschlossenen Grundstücke, die daraus entstehen. Die Legeregeln muss man natürlich beachten. Die Strassen müssen verbunden sein (ausser an Wasserplättchen oder am Spielfeldrand), Gerade an Gerade und Kurve an Kurve geht immer und in jeder Konstellation. Will man ein Kurvenplättchen an eine Gerade legen, müssen beide Plättchen gleich viele Ausgänge besitzen. Man ahnt es bereits, das bringt legetechnische Knoten mit sich. Nicht immer passt alles zusammen und einiges lässt sich nur noch mit „neutralem“ Wasser lösen. Solche Plättchen gehen immer.

Brändi Via

Entsteht ein abgeschlossenes Grundstück, kann man ein Haus darauf bauen. Für jeden Landteil, der zum bebauten Grundstück gehört, gibt es am Ende einen Punkt. Gross sollten die Ländereien also auf jeden Fall sein. Jeder Spieler besitzt genau eine Burg, mit der er seine Liegenschaften vermehren kann. Für die Burg gibt es nur eine Bedingung: Sie muss auf dem grössten Grundstück stehen! Baut man sie früh, grenzt man die eigenen Möglichkeiten für die kommenden Häuser ein. Dafür erhält man bis zu 2 neue Häuser geschenkt, je eher man die Burg einsetzt. Baut man die Burg spät oder gar nie, ist man beim Häuserbau freier, muss aber sicher viele Punkte einfahren, um den Burgen/Häuser-Bonus aufzufangen. Ein Dilemma.

Brändi Via

Brändi Via endet, wenn eine der drei Bedingungen eintritt: Es sind nur noch zwei oder weniger Baufelder frei. Der aktive Spieler besitzt drei Plättchen und muss passen, da er die Bauregeln nicht einhalten kann. Oder es sind sämtliche Häuser und Burgen verbaut. Wer die meisten Punkte aus den Landteilen besitzt, gewinnt.

Fazit

Brändi Via ist ein sehr schönes, klassisch angehauchtes Legespiel. Von den Grundregeln her eher einfacher Natur, engt man die Legemöglichkeiten mit fortlaufender Spieldauer immer mehr ein. Wie weit will man vorpreschen? Welche Vorgaben macht man den Mitspielern? Legt man mehrere Plättchen, wird man in der nächsten Runde zum passiven Sammler. Es gibt immer wieder taktische Entscheidungen zu treffen. Mit der Burg löst man weitere Häuser aus. Aber will man sich wirklich schon früh in der Grössenordnung festlegen? Der Denkprozess bei Brändi Via ist wichtig. Durch die kleine Anzahl an Geraden und Kurven weiss man bald, was möglich ist und wie man die Mitspieler blockiert. Ein gewisser Glücksfaktor ist auch im Spiel. Das Ziehen der Plättchen bringt nicht immer die gewünschten Ergebnisse. Oder manchmal läuft es wie geschmiert. 2er-Partien verlaufen für mich noch ein Stück taktischer, da man schneller wieder an die Reihe kommt. In voller Besetzung bauen zu viele Strassenbauer mit, das verwässert die taktischen Möglichkeiten ein wenig. Tolles Material, schnörkelloses Legespiel mit viel Denkarbeit.

Brändi Via | Autor: Bernhard Kläui | Verlag: Stiftung Brändi
Legespiel für 2-4 Personen | Spieldauer: 20-30 Minuten | Ab 10 Jahren | Benötigt: Den Blick aufs Grundstück hinter der Strasse | Wiederspielreiz: gross

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