Captain Bluff – Spielkritik

Flughafen Nirgendwo, kurz vor Feierabend. Die letzten Flugzeuge rollen an, die Förderbänder starten und die Zeit wird knapp. Also weg mit den Koffern, egal wohin. Denn Captain Bluff möchte nach Hause und nutzt auch faule Tricks, um seine Arbeit zu erledigen.

Captain Bluff

Die Aufgabe für alle Spieler am Flughafen ist ziemlich einfach: Alle Karten müssen weg. Auf den Karten ist das Gepäck der Fluggäste zu finden, drei Destinationen, jeweils nummeriert mit den Zahlen von 1 bis 17. Je nach Spielerzahl erhält man seine Handkarten zufällig zugeteilt, dazu noch zwei Spezialkarten, mit denen man ausserordentliche Dinge leisten kann. Auf dem Tisch liegen sechs Gepäckförderbänder, die auf Arbeit warten. Oberhalb der Förderbänder legen die Spieler verdeckte Ortskarten, unterhalb rollt das Gepäck. Vor dem Start spielt jeder Spieler noch geheim einen beliebigen Startort an ein Förderband. Dann geht es ran an die Arbeit.

Captain Bluff fördert natürlich das Bluff-Element. Man muss beim Ablegen der Karten nicht korrekt spielen. Doch Vorsicht, die Mitspieler können die eben gemachte Auslage jederzeit anzweifeln. Und wie so oft, sammelt der Falschspieler oder der Falschbeschuldiger zur Strafe sämtliche Karten ein und erschwert die eigene Aufgabe erheblich. Also immer erst gut nachdenken, bevor man seinen Finger erhebt.

Während des eigenen Spielzuges wählt man eine von 5 Aktionen. Besonders beliebt: Gepäckkarten auf das Förderband legen. Es dürfen so viele Karten wie möglich sein, wenn sie die gleiche Destination besitzen und eine auf- oder absteigende Reihenfolge bilden. Allerdings darf nur ein Förderband von jeder Destination offen sein. Solange noch Platz vorhanden ist, darf man auch eine neue, geheime Destination legen. Allein dadurch wird man seine Karten allerdings nicht los, bei dieser Aktion muss man eine neue Karte vom Nachziehstapel nehmen. Um einen Bluff zu vermeiden, schaut man sich heimlich eine Destinationskarte an. Denn Wissen ist Macht bei Captain Bluff. Zu grösseren Irritationen unter den Mitspielern führt das Ändern der Destination. Dazu tauscht man einfach eine Karte über dem Förderband mit einer anderen aus. Und manchmal muss man ganz einfach schnell ein Förderband schliessen, um Platz für neue Koffer zu schaffen.

Captain Bluff

Mit diesen 5 Aktionen alleine hat man schon ganz viele Möglichkeiten, die Mitspieler zu irritieren und ihnen Fallen oder verlockende Angebote zu stellen. Denn wie gesagt: Bei Captain Bluff ist oft nichts so, wie es scheint und die Situationen verändern sich ständig. Mit einigen Flughafen-Spezialkarten, die man zusätzlich legt, sorgt man für weitere Unruhe. Da liegt ein Joker dabei, ein Richtungswechsel auf dem Förderband, das heimliche Anschauen von zwei Destinationen oder das Aufbrummen einer neuen Karte, wenn man weniger als 5 Handkarten besitzt. 2 Spezialkarten erhält man zufällig vor Spielbeginn zur freien Nutzung.

Captain Bluff

Es bleibt noch, einen entscheidenden Spielzug zu erwähnen, den man jederzeit machen kann. Die letzten Gepäckkarten am Förderband darf man, entgegen der eigenen Zielvorstellungen, einsammeln. Das klingt erst komisch, schliesst aber unter Umständen Lücken in der Kartenhand und verhilft in einem zweiten Schritt zum Abwurf mehrerer Karten.


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Fazit

Captain Bluff hat in den ersten Partien überrascht, denn den knallharten Bluff findet man in diesem Spiel nicht. Das Kartenspiel ist vielmehr ein Sammelsurium vieler wichtiger Aktionen, aus denen man sich die beste für die eigene Kartenhand rauspicken muss. Dabei ist das Wissen am Spieltisch weit gestreut. Einige kennen die Destinationen, andere bereiten heimlich eine lange Zahlenreihenfolge vor. Bluff findet hier an verschiedenen Stellen statt. Man tauscht die Destinationen. Wirklich? Man stellt in den ersten Spielzügen ein Falle. Oder doch nicht? Man holt sich Koffer zurück. Wozu? Und obwohl die Aufgabenstellung eindeutig ist und viele Möglichkeiten offen sind, schaffen es einige Spieler in den ersten Partien nicht, ihre Karten zu reduzieren. Denn wer nur auf den schnellen Bluff aus ist, geht am Förderband unter. So muss man aktiv mit seinen zugeteilten Handkarten spielen und flexibel bleiben beim Auslegen. Ganz einfach. Oder doch nicht? Captain Bluff ist also ein Karten-Auslegespiel mit Bluff-Elementen, die man gezielt nutzen muss. Elemente der Schadenfreude findet man hier ebenso, wie kleine taktische Kniffe. Das macht am Ende den wahren Meister aus.

Alles über Captain Bluff

Captain Bluff | Autor: Torsten Landsvogt | Illustration: Odile Sageat | Verlag: HELVETIQ

Spielerzahl: Kartenspiel für 2 – 5 Personen
Spieldauer: 20 Minuten
Altersangabe: ab 8 Jahren
Benötigt: Kein Gepäck, bitte!
Wiederspielreiz: gross

Geeignet für 2 Spieler: ok
Beste Spielerzahl: 3 – 5 Personen
Richtet sich an: Familie

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