Cities Skylines – Das Brettspiel – Spielkritik

Auf dem PC ist die Städtebausimulation bekannt. Nun lockt Cities Skylines die Planer auch ans Spielbrett, in einer kooperativen Variante und einigen Szenarien. Damit auch alle Wünsche in die Planung einfliessen und die Stadtviertel aus dem Boden spriessen.

Cities Skylines

Eine Stadt zu entwickeln erfordert strategisches Vorgehen. Cities Skylines führt die Spieler vom Grundspiel durch mehrere Szenarien in die Welt des Städtebaus ein. So lernt man die spielerischen Möglichkeiten, aber auch die Gebäude der Stadt Schritt für Schritt kennen. Das ist zentral, um einigermassen sinnvoll zu planen. Denn zahlreiche Faktoren bestimmen am Ende den Erfolg: Umweltbelastung, Verkehr, Kriminalität, die Versorgung, der Arbeitsmarkt – sie alle sorgen für die Zufriedenheit der Bevölkerung. Was auf dem PC mit einigen Reglern schnell nachgetragen ist, funktioniert auf dem Spielbrett nur in exakter Handarbeit und nicht so detailreich.

Im Grundspiel erlernt man die Mechanik, auf die das Spiel baut. In späteren Szenarien erweitert man Cities Skylines mit zusätzlichen Kniffen. Auf den Spielplanteilen wird gebaut. Die Parzellen sind in kleinen Quadraten bereits abgesteckt. Je nach Szenario liegt eine andere Baufläche aus, die erst erschlossen werden muss. Mit dem Bezahlen der Erschliessungskosten wendet man einen Spielplanteil und startet einen sogenannten Meilenstein. Mit dem Startkapital startet man ins Spiel, Geld benötigt man regelmässig. Im Verlaufe einer Partie gewinnt man auch neue Einnahmen dazu.

Cities Skylines

Cities Skylines ist ein kooperatives Spiel, die Ziele werden gemeinsam verfolgt. Daher spielt man mit offen Karten. Je nach Spielerzahl beginnt man mit einigen Baukarten, später zieht man ständig aus 3 unterschiedlichen Baustufen Karten nach. Die gewählte Baustufe lässt ein wenig erahnen, in welche Richtung es geht in Bezug auf Kosten, Gebäudegrösse oder möglichen Gewinnen. Die Karten erscheinen allerdings zufällig. Die Kartenstapel werden zu Beginn gemischt, so kann man nicht auf eine bestimmte Reihenfolge setzen.

Der aktive Spieler bestimmt eine Aktion, die er vorgängig mit allen Spielern bespricht. Wohl am häufigsten spielt man eine Baukarte. Damit baut man unterschiedlichste Gebäude in die Stadtviertel. Dienstleistungs- und Versorgungsgebäude kosten Geld und erhöhen dafür die Werte bei Strom, Wasser, Müll und der Zufriedenheit. Auf dem Spielplan entwickelt sich mit dem Bau eine Puzzleaufgabe. Einzelne Gebäude sollen nur ein Mal in einem Viertel vorkommen, andere sind wiederum abhängig von bereits existierenden Gebäuden.
Wohn-, Gewerbe- und Industriegebiete kosten kein Geld, liefern aber gewisse Vorteile, wenn sie von anderen Dienstleistungen profitieren. Leider bringen sie oft auch ungewollte Nebenwirkungen: Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, Umwelt, Verkehr oder Kriminalität. Wie im richtigen Leben eben. Die Zusammenhänge sind bei Cities Skylines gut sichtbar und verständlich.
Es lohnt sich, die Stadt in einem gesunden Gleichgewicht zu halten. Ein Übermass in gewissen Bereichen beendet den Städtebau sonst vorzeitig. Die Zufriedenheit insgesamt darf nicht zu tief sinken.

Cities Skylines

In jeder Runde muss eine Baukarte eingesetzt werden. Nicht alle Karten sind aber jederzeit baubar. Daher ist ein wenig Weitsicht gefordert – oder Aktionsmöglichkeit 2: Eine Baukarte austauschen. Für nur 2 Geld legt man eine Karte in den offenen Austausch und zieht sich eine andere Karte nach. Ohne Geld gibt es sonst in so einer Situation keinen Ausweg.

Als letzte Aktion kann man einen Meilenstein beenden. Das ist möglich, wenn man in jedem Quartier mindestens ein Plättchen gebaut hat. Damit löst man eine Zwischenwertung aus. Alle Faktoren der Stadt werden überprüft, die Zufriedenheit ermittelt und übertragen. Nun muss noch genug Geld übrig sein, um einen neuen Meilenstein aufzudecken, einen neuen Bauplatz zu erschliessen. Danach geht es weiter. Natürlich darf auch auf den bisherigen Meilensteinen wieder fleissig gebaut werden, sofern Platz vorhanden ist.

Sind alle Bautafeln aufgedeckt, kann man das Spiel auch beenden, wenn man mindestens 2 Plättchen in jedes Quartier gebaut hat. Nach einer letzten Wertung, überprüft man anhand einer Punktetabelle, ob man es zur Weltmetropole geschafft hat.

Cities Skylines liefert gleich einige Szenarien mit. Da sollen in der Stadt plötzlich einzigartige Gebäude entstehen oder durch bestimmte Rollen erhalten die Spieler besondere Fähigkeiten. Mit Stadtrichtlinien und News erhält man Vor- oder Nachteile, die man geschickt umgehen muss. Kurz: Da sind einige spannende Ideen dabei, die für gute Unterhaltung und Überraschungen bei der Stadtplanung sorgen.


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Fazit

Cities Skylines kommt mit seinen Möglichkeiten nicht an ein Computerspiel heran, doch die Spielmechanik pickt einige Elemente heraus und setzt sie auf dem Spielbrett echt gut um. Die ganz grosse Vielfalt erreicht man nicht, doch die Zusammenhänge der Versorgung, der Umweltbelastung, Kriminalität oder der Arbeitslosigkeit durchschaut man schnell. Danach hat man nur noch die Zufriedenheit der Bevölkerung im Kopf. Der Spielablauf ist nicht sehr komplex, mit der Symbolik muss man erst vertraut werden, danach erklären sich die Karten und deren Auswirkungen von alleine. Trotzdem muss man die erste Partie wohl als Lernpartie abhaken. Das hat vor allem mit der fehlenden Übersicht über die Bauteile und deren Zusammenhänge zu tun. Legt man seine Puzzlestücke völlig quer in die Landschaft, verpasst man einige Boni für das weitere Spiel. Doch man lernt dazu und perfektioniert sein Spiel gemeinsam. Das Spielmaterial ist toll, die Szenarien bieten einige Abwechslung. Doch da gibt es einen Punkt, der mich an Cities Skylines massiv stört: Der hohe Glücksfaktor beim Ziehen der Karten. Es ist möglich, dass man wichtige Punkte beachtet, schöne städteplanerische Ketten aufbaut und gewisse Karten einfach nicht ins Spiel kommen, weil sie weit unten im Stapel liegen. Das lässt sich auch mit Geld und dem Austausch von Karten nicht regeln. In gewissen Situationen kann man noch so gut planen, die lange, spielerische Vorarbeit kann richtig blockiert werden, ohne dass man gross etwas dagegen unternehmen kann. Das trübt den Spielspass ein wenig in einem sonst wirklich gut umgesetzten Städtebauspiel, bei dem man vorwiegend logisch vorgehen soll.

Alles über Cities Skylines

Cities Skylines | Autor: Rustan Hakansson | Illustration: Fiore GmbH | Verlag: Kosmos

Spielerzahl: Brettspiel für 1 – 4 Personen
Spieldauer: 40-70 Minuten
Altersangabe: ab 10 Jahren
Benötigt: Schöne Kombinationen im Städtebau
Wiederspielreiz: ok

Geeignet für 2 Spieler: sehr gut
Beste Spielerzahl: 2 – 3 Personen
Richtet sich an: Kenner

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