Die Quacksalber von Quedlinburg – Spielkritik

Einmal als Quacksalber seine Allheilmittelchen marktschreierisch unter die Leute bringen. Kein Problem, doch bei Die Quacksalber von Quedlinburg muss man die eigenen Mittelchen zuerst noch brauen. Der Kochtopf verträgt so einiges, nur auf Knallerbsen ist er irgendwie allergisch.

Die Quacksalber von QuedlinburgBei Die Quacksalber von Quedlinburg trägt jeder sein eigenes Beutelchen mit sich. Darin befinden sich die Zutaten der eigenen Tränke. Durch das zufällige Ziehen der farbigen Chips verändern sich die Zaubermittelchen ständig. Gefährlich wird es, wenn die weissen Knallerbsen einen grösseren Wert als 7 einnehmen. Dann hat man es übertrieben und der Trank fliegt dem Quacksalber um die Ohren. Daher gilt: Rechtzeitig aufhören!
Über 9 Runden brauen die Spieler ihre Substanzen. Je mehr Zutaten man in den Kochtopf bringt, desto bessere Zutaten kann man sich später dazu kaufen. Irgendwie ist jeder seines eigenen Glückes Schmied. Der Ablauf ist stets gleich. Eine Wahrsagekarte offenbart ein Ereignis, das sofort eintritt oder am Ende der aktuellen Spielrunde ausgeführt wird. Danach zieht jeder Spieler die Zutaten-Chips aus dem eigenen Beutel – ohne zu gucken, versteht sich. Die Zutaten legt man schneckenhausförmig in den eigenen Kessel. Je höher der Wert, desto mehr Schritte macht man. Einigen Zutaten folgt eine direkte Aktion, die man sofort durchführt. So kann es beispielsweise weitere Schritte oder Einblicke in den Beutel geben. Andere Zutaten bringen am Ende der Runde Punkte, Rubine oder kleine Spielvorteile.
Jeder Spieler bestimmt das Ende der Runde selber. Will er keine weiteren Zutaten mehr ziehen, hört er auf. Sind zu viele Knallerbsen im Topf, MUSS er sofort aufhören. Das Ende hat Auswirkungen auf die folgende Abrechnung. Ist es freiwillig erfolgt, schöpft man aus dem Vollen: Eine Bonusaktion mit dem Würfel, Punktewertung und Einkauf neuer Zutaten-Chips. Ist das Ende erzwungen, verliert man die Würfelaktion und muss auf Einkauf oder Punkte verzichten. Das ist in den ersten Spielrunden weniger tragisch, als in den letzten, in denen es viele Punkte und bessere Zutaten zu gewinnen gäbe.

Die Quacksalber von Quedlinburg

Die Quacksalber von Quedlinburg besitzt einige Feinheiten, mit denen das Spiel in Balance gehalten wird. Mit der Rattenwertung bevorteilt man zurück liegende Spieler beim Kochen des nächsten Trankes. Sie erhalten einen kleinen Startbonus. Mit Rubinen kauft man sich Koch-Vorteile oder füllt sein Fläschchen mit Zaubermittel wieder auf. Dieses Fläschchen ermöglicht es den Spielern, eine gerade gezogene Knallerbse einmalig in den Beutel zurückzulegen und neu zu ziehen.

Nach jeder Spielrunde rechnet man ab, füllt die Zutaten wieder in den Beutel und startet neu. Durch den Zukauf von Zutaten bei den Rundenzwischenwertungen verbessert sich die Mischung im Beutel ständig und die Wahrscheinlichkeitsrechnung beginnt zu spielen. Wer am Ende die meisten Punkte hat, wird zum grössten Kurpfuscher erkoren.

Die Quacksalber von Quedlinburg

Die Quacksalber von Quedlinburg verfügt über einige Zutatenbücher, die eine gewisse Varianz ins Spiel bringen. Mit den Büchern erhalten die Chips unterschiedliche Aktionsmöglichkeiten. Auf welche Farbe man setzt, bestimmt man beim Zukauf der Zutaten selber. In jeder Runde darf man zwei Zutaten unterschiedlicher Farbe einkaufen. Je grösser der Wert, desto besser die Aktion. Auf der Rückseite des Kessels findet man eine weitere Variante mit Reagenzgläsern, die zusätzliche Punkte zulassen.

Fazit

Die Quacksalber von Quedlingburg ist ein sogenanntes Bag-Building-Spiel. Aus dem Beutel zieht man sich Runde für Runde sein Glück. Mit dem geschickten Zukauf von Zutaten verbessert man die eigenen Ausgangslage. Einige Aktionsmöglichkeiten versuchen den Glücksanteil zu verwässern: Die Wahrsagekarten, die Rattenwertung, die Zauberflaschen. Verschiedene Wege führen zum gut gefüllten Kochkessel. Oft entstehen so spannende Duelle bis zur letzten Runde. Manchmal gelingt der spielerische Ausgleich aber so gar nicht. Wer die Knallerbsen immer magisch anzieht, wird als Kurpfuscher kein Bein vor das andere bringen. Klebt das Pech an den Fingern, helfen auch die ausgleichenden Belohnungen nicht mehr. Das kann ganz schön ärgerlich sein, besonders bei einem Spiel über neun Runden. So ist meine Meinung zu diesem Spiel mittlerweile ein wenig gespalten. Erst haben einige Partien ganz viel Spass bereitet, doch hin und wieder wird der Glücksfaktor beim Ziehen der Zutaten auch zur Last. Wer zu den Quacksalbern greift, muss sich bewusst sein, nicht alles beeinflussen zu können. Das Spiel lebt eben vom Überraschungsmoment aus dem Beutel.

Die Quacksalber von Quedlinburg | Autor: Wolfgang Warsch | Verlag: Schmidt Spiele
Spiel für 2-4 Personen | Spieldauer: 45 Minuten | Ab 10 Jahren | Benötigt: Glückliche Zutaten im Kessel | Wiederspielreiz: Mal ok, mal gross

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