Dynasties – Spielkritik

Eigentlich ist Dynasties ja eine klassische Angelegenheit von Rückfall. Da hat Autor Matthias Cramer gerade noch in Helvetia die ganze Schweiz verbandelt, jetzt heiratet er gleich europaweit weiter. Nun gut, wenn man dadurch an die Macht kommt…

Dynasties ist ein komplexeres Spiel, das zwar einfachen Grundmechanismen nachgeht, sich aber weit verzetteln kann. Gespielt wird in drei Durchgängen, die Handkarten bestimmen jeweils die Aktionsmöglichkeiten, für die Durchführung benötigt man passende Ressourcensteine. Die Handkarten erlauben mindestens drei mögliche Aktionen, aus denen man jeweils eine wählt. Schwarze oder weisse Steine braucht man für das Einheiraten in den Städten Europas, mit goldenen Steinen heiratet man deutlich günstiger, aber nur in den auf den Karten vorgegebenen Städten. Blaue Steine setzt man ein, um sich die Hilfe von Persönlichkeiten mit diversen Bonusaktionen zu sichern. Jeder Promi steht pro Durchgang allerdings nur ein Mal zur Verfügung. Die pinken Steine nutzt man zum Tausch gegen eine beliebige andere Ware. Zudem retten sie Ledige vor dem Gang ins Kloster nach dem 2. Durchgang.

Mit diesen Grundmechanismen weiss man, wie man agieren kann. Doch ganz viel läuft bei Dynasties eben zwischen den Zeilen. In einigen Städten holt man sich zusätzliche Aktionsmöglichkeiten, Punkte oder Landeswappen für die Schlusswertung. Da man in jedem Durchgang nur eine gewisse Anzahl an Handkarten besitzt, macht es Sinn, sich weitere zu ergattern. Das erledigt man über die Persönlichkeiten oder als Bonusaktion in der Durchgangswertung. Dort kann man sich mit pinken Steinen ebenfalls in der Reihenfolge weit vorne einkaufen, um zuerst eine Wahl vorzunehmen. Die Aufzählung liesse sich locker weiterführen. Es gibt genug Möglichkeiten, um sich zu beschäftigen.

Besonders schön ist der Verteilmechanismus bei erfolgreichen Hochzeiten oder beim Handel im Hafen. Bei beiden Bereichen gibt es jeweils ein grösseres und ein kleineres Einsetzfeld. Wer auf dem kleinen Feld sitzt teilt, wer auf dem grösseren Feld sitzt wählt. Bei der Hochzeitsmitgift sieht das folgendermassen aus: Spieler A (kleines Feld) würfelt mit drei Würfeln die Mitgift aus und teilt die Würfel 2:1. Spieler B wählt danach, was er aus der Hochzeit mitnehmen will. Das lässt taktischen Spielraum offen. Was legt man dem Löwen zum Frass vor? Mit den Handelswaren auf den Schiffen verfährt man genau gleich. Spieler A teilt die Ware, Spieler B wählt dafür zuerst.
Bei verheirateten Paaren kann es natürlich auch zu Kindern kommen. Die Mitgift-Würfel erledigen das in weniger als 9 Monaten.

Am Ende zählen vor allem Mehrheiten. Wer hat am meisten Mitglieder in den Ländern? Durch die flexiblen Wertungstabellen kann der Punktesegen in jeder Partie anders verteilt sein. Eine eigene Wertung gibt es für die Kronenstädte. Die muss man allerdings komplett besiedeln. Und nicht zu unterschätzen: Die Wertungskarten. Zu Beginn hält man zwei von ihnen auf der Hand. Im Laufe des Spiels kann man sich weitere holen. Am Ende eines Durchgangs darf man sie werten – je eher, desto mehr Punkte bringen sie ein.
Wer am meisten Punkte holt, gewinnt.

Fazit

Erst muss ich mal die Spielregeln loben. Hans im Glück-Regeln lesen sich meist flüssig und unterhaltsam wie ein Roman. So auch bei Dynasties. Der Grundmechanismus ist sogar ziemlich einfach, doch in vielen Aktionen stecken noch zahlreiche zusätzliche Möglichkeiten. Die Regelerklärung des Spiels kann bei einem Neuling an die 30 Minuten in Anspruch nehmen. Doch Dynasties spielt sich danach sehr flüssig. Vieles im Spiel ist logisch aufgebaut, aus den unterschiedlichen Möglichkeiten muss man nur noch das Beste für sich raussuchen. Die Handkarten geben eine gewisse Spielrichtung vor. Aus den möglichen Aktionen spielt man in Gedanken schon den perfekten Ablauf der nächsten Züge durch. Blöd, wer nicht die passenden Karten besitzt. Schon sind wir beim Faktor Glück. Ob beim Würfeln der Mitgift, beim Ziehen der Wertungskarten oder eben bei den Aktionskarten – Pläne können ohne eigenes Zutun geschmälert werden. Doch bei Dynasties kann man immer etwas machen, man fühlt sich gut beschäftigt und wähnt sich bis am Ende in aussichtsreicher Position. Wenn man nach der Endabrechnung merkt, dass bei anderen Spielern die Karten günstiger lagen, hat man sich trotzdem bestens unterhalten. Die Spielzeit vergeht, mit oder ohne Glücksfaktor, wie im Flug. Unbedingt einmal anschauen und spielen.

Dynasties | Autor: Matthias Cramer | Verlag: Hans im Glück
Brettspiel für 3-5 Personen | Spieldauer: 60-90 Minuten | Ab 12 Jahren | Benötigt: Zahlreiche Mitglieder in diversen Königshäusern | Wiederspielreiz: sehr gross

» Mit dem Newsletter immer spielend mehr wissen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Pflichtfelder sind mit * markiert.