Elysium – Spielkritik

Halbgott ist ja wieder einmal so eine halbe Sache. Um den Olymp zu erreichen, benötigt es aber ganze Götter. Daher holt man sich schnell Helden und Artefakte zu Hilfe, um mächtige Kartenkombinationen zu bilden. Die halten jedoch nicht ewig, denn das Ziel ist das Elysium.

Elysium 1Der Spielaufbau bei Elysium ist in zwei grosse Flächen aufgeteilt. Zentral liegt der Tempel mit seinen Aufgaben und der Rundenanzeige. Gleich darunter die Agora mit der Kartenauswahl, bei der man sich Runde für Runde bedient. Zudem besitzt jeder Spieler ein eigenes Tableau, auf dem er sein Geld und seine Säulen platziert. In jeder Partie sind 5 (von 8) Götterfamilien im Spiel. Die lassen sich beliebig kombinieren und Elysium variiert mit ihnen auch in der Planung. Jeder Gott bringt so seine eigenen Stärken und Schwächen ins Spiel, die es zu nutzen gilt.

Elysium geht über 5 Spielrunden, jede Runde besteht aus 4 Phasen. Zuerst wird die Agora, die Kartenauswahl, aufgefüllt. Je nach Anzahl der Mitspieler schwankt auch die Zahl der Karten. Die 5 vorher gewählten Götterfamilien bilden einen gemischten Nachziehstapel, der immer wieder frische Möglichkeiten ins Spiel bringt. Nun sollte man erst einmal alle Karten der Agora und ihre Besonderheiten studieren, um sich bei der folgenden Auswahl richtig zu entscheiden.
Elysium 2In Phase 2 spielen die vier Säulen in den Farben rot, gelb, blau und grün eine entscheidende Rolle. Der Reihe nach wählen die Spieler eine ausliegende Karte und legen sie oberhalb ihres Tableaus in die Sphäre. Sämtliche Karten besitzen kleine Farbkreise in einer Ecke. Ein Erwerb der Karte ist nur möglich, wenn man noch im Besitz der entsprechenden Farbsäule ist. Nach jedem Kartenerwerb muss man nämlich eine beliebige Säule abgeben. Insgesamt wählt man 3 Karten aus der Götterwelt, sowie eine Aufgabenkarte. Die Aufgabenkarte regelt später den Geldfluss, die Mythenbildung und die neue Spielerreihenfolge. Auch Aufgabenkarten fallen unter die Farbsäulenregel.
Hat man sich mal verspekuliert und findet keine passende Karte zu seinen Säulen, so zieht man eine unvollendete Aufgabenkarte (minime Möglichkeiten) oder erhält einen Bürger (dient als Joker, aber bringt am Ende Minuspunkte). Einige der Karten besitzen einen Effekt, den man sofort ausführen muss: Man erhält zum Beispiel Geld, Punkte oder weitere Spielmöglichkeiten. Andere Aktionen sind dauerhaft, bringen immer wieder Vergünstigungen. Es gibt da viele Optionen. Die Karteneffekte können allerdings nur genutzt werden, solange die Karte noch in der Sphäre, also oberhalb des Tableaus liegt.

Elysium 3

Phase 3 startet die Mythenbildung, die durch die Aufgabenkarten festgelegt ist. Jede Götterkarte hat einen bestimmten Wert (1,2 oder 3). Genau so viel kostet es, eine Karte ins Elysium, unterhalb des Tableaus, übergehen zu lassen. Karten im Elysium verlieren ihre Effekte, bringen aber am Ende Punkte, indem man die eigenen Karten bestmöglich kombiniert – einen Mythos erschafft. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: Ein Familienmythos mit einer 1, 2 und 3 aus der gleichen Götterfamilie. Oder einen Rangmythos, bestehend aus lauter gleichen Kartenwerten von unterschiedlichen Götterfamilien. Bonusplättchen versüssen das frühe Erreichen eines Mythos noch zusätzlich mit Punkten.
In der 4. Phase erhalten die Spieler alle Säulen zurück, die Aufgaben- und Familienkarten werden erneuert und die nächste Runde startet.

Elysium endet nach genau 5 Spielrunden. Die Punkte aus den persönlichen Mythen werden eventuell ergänzt durch zusätzliche Punkte aus Götterkarten, die gewisse Kombinationen unterstützen. Doch Vorsicht: Die zusätzliche Punktekarten müssen noch in der Sphäre liegen, nur dort sind sie aktiv. Wer einen Bürger als Joker im Elysium eingesetzt hat, erhält 2 Minuspunkte. Wer kann nun das Halbgott-Stadium hinter sich lassen?

Fazit:
Elysium ist tatsächlich ein faszinierendes Spiel. Es stand auf der Liste zum Kennerspiel des Jahres 2015, also ein leicht komplexeres Spiel. Das ist es im Ablauf nicht wirklich. Die einzelnen Phasen sind eingängig und logisch. Schwieriger wird es mit dem Nutzen der Karten und Säulen. Der Kartenauswahl-Mechanismus mit den Farbsäulen ist genial und fordert heraus, eine perfekte Reihenfolge der Kartenwahl vorzunehmen. Was ist absolut wichtig und was können die Mitspieler noch erreichen? Auch die Aufgabenkarte ist nicht zu unterschätzen, sonst hat man am Ende das Nachsehen und schränkt sich selber in den Möglichkeiten ein. Natürlich ist die Kartenwahl wichtig, aber zu welchem Zeitpunkt verzichtet man auf Karteneffekte und startet mit der Mythenbildung. Am Ende zählen nur möglichst komplette Mythen.
Die unterschiedlichen Götterfamilien bringen anhaltenden Spielspass. Mit Apollo kommt beispielsweise ein Orakel ins Spiel, mit dem man zukünftige Karten schon sieht. Die Mischung aus den Familien verändert Elysium immer wieder in der strategischen Marschrichtung. Elysium ist spannend und abwechslungsreich, ein Spiel für erfahrene Spiel-Strategen. Und wo ist die Achilles-Ferse des Spiels? Die Wartezeit! Die Auswahl der Karten dauert, oft sogar anstrengend lange. Bis alle Spieler die Karten gelesen, sich ein Bild über die Situation verschafft und die Strategie laufend angepasst haben, vergeht auch mal zu viel Zeit. Meist wiegt der Spielspass das aber wieder auf.

Elysium | Autoren: Brett J. Gilbert & Matthew Dunston | Verlag: Space Cowboys
Göttliches Brettspiel für 2-4 Personen | Spieldauer: 60-120 Minuten | Ab 14 Jahren | Benötigt: Göttliche Hilfe in allen Sphären | Wiederspielreiz: gross

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