First Class – Spielkritik

Als Geschäftsmann soll die eigene Eisenbahn in den Orient geschickt werden. Ein gehobener Standard ist gefragt: First Class eben! Das Brettspiel entfaltet sich in nur drei Durchgängen auf dem Spieltisch. Da sind weise Entscheide bei der Kartenwahl gefragt.

Kennerspieler sind bei First Class angesprochen. Denn nur mit etwas Spielerfahrung setzt man die verzahnten Spielelemente bis in den Orient erfolgreich um. Unterschiedliche Module verändern das Spiel und die Aufgabenstellung ein wenig. Immer zwei Module sind pro Partie im Einsatz.
Jeder Spieler besitzt ein eigenes Tableau, das sehr vielfältig nutzbar ist. Auf der einen Seite wachsen die Züge. Genau zwei besitzt jeder Spieler, die er im Laufe des Spiels ausbauen kann. Waggons müssen angeschafft und auf eine besseren Standard ausgebaut werden. Der Schaffner bewegt sich durch den Zug, immer weiter nach vorne. Das ist gut so, denn nur wo der Schaffner war, generiert man auch Punkte für die eigene Eisenbahn.
Parallel dazu arbeitet man an der Eisenbahnstrecke. Dort erhält man sofortige Boni ausbezahlt oder regelmässige, am Ende eines Durchganges. Womit die Spieldauer angesprochen wäre. Gespielt werden drei Durchgänge, in jedem Durchgang nimmt man sich 6 Karten aus der offenen Auslage. Da ist ein gutes, zielgerichtetes Kartenmanagement wichtig. Zudem liegen die Karten in Reihen auf dem Spieltisch. Ist eine bestimmte Anzahl Karten in einer Reihe weg, schliesst man sie und sämtliche Karten verschwinden. Dieser zentrale Mechanismus beherrscht das Spiel. Auswahl und Zeitpunkt der Wahl sind wichtig, können die Mitspieler aber auch vor vollendete Tatsachen stellen.

Mit den Aktionskarten erledigt man praktisch alles in seinem Eisenbahngeschäft. First Class ist aber derart gut verzahnt, dass man auch über andere Kanäle gewisse Vorteile erhält. Mit Geld lassen sich Schaffner und Lokomotiven bewegen und neue Waggons anhängen. Ein Postwaggon, der exakt an 6. Stelle des eigenen Zuges positioniert wird, bringt sofortige Vorteile. Aufträge, die man sich über Aktionskarten an Land zieht, bringen bei Erfüllung einen Bonus. Es führen tatsächlich viele Wege in den Orient.

Am Ende muss man viele Punkte sammeln. Das macht man in den drei Wertungsphasen. Was zu Beginn noch recht trocken verläuft, nimmt gegen Ende richtig Fahrt auf. Es kann zu richtigen Kettenreaktionen im Wertungsbereich kommen, wenn sich die Streckenboni und die Wertung vermischen. Ordentlich Punkte erhält man für ein gute ausgebautes Schienennetz, für erstklassige Waggons (wenn der Schaffner dort war) und Spielendekarten. Man sammelt sie im Laufe der Partie und multipliziert sie mit den entsprechenden Aktionskarten, die man am Ende besitzt. Auch hier gilt wieder: Eine kluge Kartenwahl beschert am Ende viele Punkte.

Mit den wählbaren Spielmodulen kommen zusätzliche Ziele ins Spiel: Man nimmt Passagier mit, sammelt Gepäck oder plant mit Weichen und Mechanikern. Bei allen Varianten sollte man sich gut überlegen, auf welche Ziele man setzt.

Wer am Ende die meisten Siegpunkte besitzt, gewinnt den First Class – Wettstreit in den Orient.

Fazit

First Class ist relativ einfach im Kartenmanagement. Es ist den Spielern schnell klar, was sie bauen oder erweitern können. Die rund 18 Karten, die man im Verlaufe einer Partie bezieht, sind allerdings schnell verbraucht. Die Kartenwahl erhält dadurch ein beachtliches Gewicht. Während in den ersten beiden Durchgängen das Spiel so langsam in Gang kommt, hebt man im dritten Durchgang ab. Es kommt zu richtigen Kettenreaktionen im Wertungsbereich. Die Punkte liegen in verschiedenen Bereichen: Auf der Strecke, in den Waggons, bei Passagieren und auch in den Spielendekarten, die nicht zu unterschätzen sind. Wohin der eigene Weg führt, entscheiden die Möglichkeiten, die durch die Aktionskarten auf dem Tisch liegen. Es kann sich auch lohnen, Reihen vorzeitig zu schliessen, um den Mitspielern wichtige Karten vorzuenthalten. Alles in allem ein sehr schönes Spiel, bei dem man sich den Aktionsteil gerne länger wünscht. Zu schnell ist die Auswahlmöglichkeit vorbei und man beschäftigt sich schon wieder mit der Administration. Das ist aber das Einzige, was ich dem Spiel anlasten kann. Der Spielablauf ist äusserst logisch, man muss nur wissen, wie man trotzdem noch an entgangene Aktionen kommt. Da bietet First Class viele Ansatzpunkte. Mit den einzelnen Modulen setzt man neue Schwerpunkte und bringt ein wenig Variabilität ins Spiel.

First Class | Autor: Helmut Ohley | Verlag: Hans im Glück
Spiel für 2-4 Personen | Spieldauer: 60-90 Minuten | Ab 10 Jahren | Benötigt: Vernetztes Denken im Eisenbahngeschäft | Wiederspielreiz: gross

» Mit dem Newsletter immer spielend mehr wissen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Pflichtfelder sind mit * markiert.