Gotown – Spielkritik

Die kleine Kartenspielreihe von Helvetiq hat Nachwuchs bekommen. Gotown ist ein kleines Ärgerspiel, bei dem die Hochhäuser doch nicht so schnell aus dem Boden schiessen, wie man es gerne hätte.

GotownEin Hochhaus soll also entstehen, mit insgesamt 5 Stockwerken. Ein Stockwerk besteht immer aus 2 Karten, die in der Summe den Wert 9 ergeben. Damit hat man den Grundsatz des Spiels bereits verstanden. Die kleinen Helvetiq-Kartenspiel verzaubern schliesslich immer mit einfachen Regeln und einem schnellen Spieleinstieg. Gotown ist allerdings ein wenig anders. Es ist das erste Spiel der Reihe, bei dem man so richtig gegeneinander spielen kann. Der Bauboom ist nichts für schwache Nerven.
5 Handkarten besitzt man beim Start. Eine Spielrunde verläuft immer gleich: Eine neue Karte ziehen, beliebig viele Karten ausspielen und noch einmal Karten nachziehen, wenn es am Ende weniger als drei sind.

Gotown

Die Karten bauen bei Gotown das Hochhaus – oder zerstören es auch wieder. Mit zwei Zahlenkarten und dem Gesamtwert 9 legt man ein neues Stockwerk seines Hauses. Das oberste Stockwerk jedes Hochhauses kann von den Spielern aber geklaut werden. Spieler A hat mit einer 6 und einer 3 ein Stockwerk gebildet. Mit einer weiteren 6 holt sich Spieler B die drei von Spieler A ab, baut sein eigenes Stockwerk und Spieler A hat seinen ersten Rückbau hinter sich. Wie gewonnen, so zerronnen.
Das Kartenmanagement ist mit entscheidend bei Gotown. Höchstens 8 Karten darf man in der Hand halten, am Ende seines Spielzuges darf auf 3 Karten aufgerüstet werden. Unter den Karten befinden sich, neben den normalen Stockwerkkarten, bestimmte Aktionen: Eine Jokerkarte, die flexibel einsetzbar ist. Eine Hundekarte, die das oberste Stockwerk bewacht und dadurch schützt. Eine Knochenkarte, die den Hund weglockt und das Stockwerk wieder angreifbar macht. Ein Presslufthammer, der das oberste Stockwerk zerstört. Die Abrissbirne hat den gleichen Zweck, wirkt aber auch bei Hunden. Ein Dieb klaut Karten. Mit Milchshake und Donut setzt man aus. Man ahnt bereits: Friedlich geht es hier nicht zu!

Gotown

Wer als Erster ein fünfstöckiges Gebäude erstellt, gewinnt.

Fazit

Gotown kann ich nur Spielern empfehlen, die ein dickes Fell haben. Die Chance, dass man hier auf der eigenen Baustelle eingeht, ist gross. Was eben noch wunderbar zusammenpasste, ist mit den Spielzügen der Mitspieler gleich wieder weg. Was ein wenig frustriert: Es gibt keine Abwehrmöglichkeiten. Ein Hund kann kurzfristig das oberste Stockwerk schützen, ist aber mit Knochen oder Abrissbirne gleich wieder weg. Gegen Diebe und den normalen Zahlenklau kann man nichts machen. Es bleibt die Hoffnung, die passenden Karten zu ziehen, um vorwärts zu kommen – reines Kartenglück! Eine Partie kann ganz unterschiedliche Ausmasse annehmen. Lange Auf- und Abbau-Projekte sind ebenso möglich, wie kurze Spielrunden, bei denen die Karten für einen einzelnen Spieler sprechen. Gotown ist nicht wirklich berechenbar. Man besitzt wenig Einfluss auf das Spiel, kann allenfalls noch entscheiden, wen man ärgern will. Ohne die passenden Zahlenkarten kommt der Bau nicht voran. Auch hier bestimmt der Zufall, ob man die richtigen Karten zieht und von den Gebäuden der Mitspieler profitieren kann. Ich muss es relativ hart ausdrücken: In der Reihe der coolen, kleinen Helvetiq-Kartenspiele ist es für mich das schwächste. Nur ärgern trägt eben nicht über mehrere Partien. Da wechsle ich wieder zu Bandido.

Gotown | Autoren: Morten & Alexander Bonavent | Verlag: Helvetiq
Kartenspiel für 2-4 Personen | Spieldauer: ca. 20 Minuten | Ab 6 Jahren | Benötigt: Ein dickes Fell im Baugeschäft | Wiederspielreiz: geht so

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