Hawaii – Spielkritik

Hawaii heisst das neue Spiel aus dem Verlag Hans im Glück. Was aber nach Ruhe und Entspannung im Pazifik klingt, entpuppt sich als knallhartes Optimierungsspiel mit Spassfaktor. Also auf zum fröhlichen Dorfbau als grosser Inselhäuptling.

Optisch kommt man sofort auf Hawaii an. Das Spielmaterial ist zahlreich und vielfältig. Jeder Spieler erhält gleich seine eigene Strohhütte. Aloha – der Urlaub ist organisiert. Wäre da nicht diese klitzekleine, leidige Aufgabe des Dorfbaus. Vorbei ist die Beschaulichkeit – das knallharte Leben beginnt. Als Häuptling versucht man eines oder mehrere Dörfer in möglichst punkteträchtiger Vielfalt auszubauen. Für diesen Ausbau kann man sich auf der Insel bewegen. Der Inselplan liegt auch in der Tischmitte aus. Er ist das Zentrum des Spiels. 10 verschiedene Plätze, an denen man Teile für seine Dörfer erwerben kann, liegen in jeder Partie anders.

Mit seinem Häuptling bewegt man sich in einem Spielzug immer zuerst über die Insel und kauft sich ein möglichst passendes Bauteil für sein Dorf. Diese Bewegungen bezahlt man mit Füssen, den Einkauf begleicht man mit Muscheln. In jeder Spielrunde erhält man eine Grundausstattung in den Währungsformen. Im Laufe der 5 Spielrunden bekommt man allerdings immer weniger. Als dritte Währungseinheit gibt es noch die Früchte. Sie können für eine Bewegung oder auch für den Einkauf gebraucht werden, man darf sie jedoch nie mit den anderen Währungseinheiten (Füsse, Muscheln) mischen.

Nun bleibt beim Einkauf die Qual der Wahl. Es gibt Früchte, Häuser, Bewässerungen oder gar Götter zu kaufen und das ist noch längst nicht alles. Je nach Kauf erhält man bei Rundenende zusätzliche Füsse, Muscheln oder Früchte, man kann sich aber auch sofort Punkte sichern oder durch gelungene Kombinationen in der Schlusswertung noch Punkte ergattern. Kurz: Die Möglichkeiten sind riesig. Aus sämtlichen Bauteilen lassen sich mit guter Strategie irgendwelche Vorteile ziehen.
Zu Beginn jeder Runde werden die Bauteile mit Preisplättchen belegt. Jedes Bauteil kann nur solange gekauft werden, wie auch Preisplättchen ausliegen. Sonst muss man sich auf die nächste Spielrunde vertrösten. Mit den gekauften Preisplättchen muss man in jeder Runde eine bestimmte Punktzahl erreichen. Je weiter fortgeschritten Hawaii ist, desto grösser ist die zu erreichende Punktzahl. Beim Erreichen der Rundenpunkte bekommt man wertvolle Siegpunkte.

In seinem Winkel baut jeder Spieler der Länge nach eines oder mehrere Dörfer an. Dabei gilt es einige Regeln zu beachten. Jedes Bauteil darf in einem Dorf nur einmal verwendet werden. Ein Dorf muss zwingend mit einem Haus beginnen. Teile, die nicht in den eigenen Winkel passen, dürfen auch nicht gekauft werden.

Hawaii bietet aber noch mehr. Inseltourismus ist ebenfalls möglich und bringt zusätzliche Vorteile. Mit Fischfang kann man seine Rundenpunktzahl verbessern. Oder man beendet seinen Spielzug frühzeitig und erreicht für den nächsten Durchgang eine bessere Startposition und zusätzliche Punkte für das Rundenziel.
Beim Kauf eines Bauteils kann man jedes Mal entscheiden, ob man einen noch besseren Ertrag will. Für den doppelten Kaufpreis kriegt man oft auch den doppelten Ertrag. Wer genug Muscheln hat, kann es sich leisten.

Nach 5 Runden ist auf jeden Fall Schluss. Die gebauten Dörfer werden gewertet. Allerdings nur die, die auch eine bestimmte Grösse haben. Und selbst die lassen sich während des Spiels je nach Einkauf variieren.
Es gibt also einiges zu entscheiden bei Hawaii. Am Ende zählen wie so oft die Siegpunkte, um den besten Häuptling zu bestimmen.

Fazit:
Hawaii ist eines dieser Brettspiele, das einen mit der riesigen Fülle an Möglichkeiten zuerst beinahe erschlägt. Auch die Spielregel trägt ihren Teil dazu bei, dass man zu Beginn von Hawaii eher abgeschreckt ist. Doch es lohnt sich durchzuhalten. Vieles erschliesst sich den Spielern schon in der ersten Partie. Das Spielmaterial ist ausgezeichnet und verbreitet Stimmung. Der Spielablauf ist flüssig, es entwickelt sich schnell ein Spiel um die besten Bauteile zum günstigsten Preis. Da man nicht überall gleichzeitig sein kann, muss man Prioritäten setzen – optimieren. Bis zum Spielende hat man immer das Gefühl um den Sieg flott mitzuspielen. Die Spannung bleibt erhalten, die Entscheidung fällt erst mit der Endabrechnung. Hawaii funktioniert auch zu zweit sehr gut, wird aber in grösseren Spielrunden noch spannender, wenn die Bauteile knapp werden. Insgesamt ist Hawaii ein taktisch rundes und tolles Optimierungsspiel.

Hawaii | Autor: Gregory Daigle | Verlag: Hans im Glück
Brettspiel für 2-5 Personen | Spieldauer: 60-90 Minuten | Benötigt: Kluges Shopping auf Hawaii | Wiederspielreiz: sehr gross

Besten Dank für an Carletto und Hans im Glück für ein Rezensionsexemplar von Hawaii!

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6 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Zitat: „Hawaii ist eines dieser Brettspiele, das einen mit der riesigen Fülle an Möglichkeiten zuerst beinahe erschlägt.“

    ??? Dann teste doch mal Twilight Imperium (Fantasy Flight Games)… da ist obige Aussage angebracht.

    Für mich liegt Hawaii in Sachen Anspruch/Komplexität im Mittelfeld zwischen einfachem Familien- und anspruchsvolleren Vielspieler-Spielen. Nach oben ist da noch viel Luft.

    Ich finde die Tendenz bedenklich, dass Spiele immer möglichst einfach sein müssen um Spass zu machen. Man darf doch beim Spielen auch etwas denken. Provokant ausgedrückt: Würde heute ein Autor „Schach“ einem Verlag unterbreiten, würde ihn die Redaktion mit den Worten „zu schwierig“/“Kein Massenappeal“ wieder nach Hause schicken…

    • @ Daniel: Twilight Imperium ist in Bezug auf Spieldauer und Möglichkeiten ein ganz anderes Kaliber.

      Hawaii muss sich der „Normalspieler“ zuerst erarbeiten, erhält dann aber Zugang zu einem tollen, flüssigen Spiel.

    • „Ich finde die Tendenz bedenklich, dass Spiele immer möglichst einfach sein müssen um Spass zu machen.“
      Das ist ja schlich und ergreifend nicht wahr. Wenn man die Entwicklung der Spiele der letzten 20 Jahre sich anguckt, stellt man fest, dass die Komplexität der auf den Markt angebotenen Euro-Strategie-Spiele stetig zunimmt (Ich nehme diese epischen Fantasy-Games mal aus, die nur von einigen Freaks gespielt werden, die sich in irgendwelchen, sich durch Erweiterungen und Extensions immer stärker ausdifferenzierenden Spielwelten verlieren wollen…die gibt es ja schon länger). Vor allem der Regelumfang steigt. Das liegt auch an der gestiegenen Erfahrung der Spieler, die diesen ein schnelleres Erfassen von Regeln ermöglicht, da viele Mechanismen aus anderen Spielen bereits bekannt sind (Pick-up-and-Deliver, Worker-Placement, Auktion, Optimierungsspiel, Zivilisationsspiel etc.). Damit kann, wenn man es genau nimmt, auch nicht mehr unbedingt von steigender Komplexität gesprochen werden, sondern eigentlich nur davon, dass Spiele immer komplizierter werden.
      Haben früher Cliquen „Die Siedler“ gespielt und fanden dies aufregend, so wird heute in Blogs oft gemeint, Spiele wie „7 Wonders“ mit seinen x-Symbolen, Wechselwirkungen zwischen den Karten und mit „Technologiebäumen“ in der Anleitung seien für Gelegenheitsspieler locker zumutbar.
      Insgesamt hat sich die Toleranz bei Leuten, die überhaupt spielaffin sind, gegenüber komplexen Regeln also eher erhöht. Nicht zuletzt aufgrund dieser ganzen Erweiterungspacks, die einfache Spiele mit einfachen Mechanismen mit weiteren Regeln immer weiter aufblähen (z.B. wie bei Carcassonne).
      Ein Spiel wie Schach oder Go hingegen kommt mit sehr einfachen Regeln aus, ist also nicht kompliziert zu erlernen, bietet aber eine unheimliche Komplexität und strategische Tiefe im Spiel. Diese in der Regel glücksunabhängigen, abstrakten Spiele sind natürlich auch heute noch gefragt und eigentlich die Königsdisziplin: Mit wenig Regelaufwand ein ausgewogenes Spiel zu generieren, das über viele Strategien verfügt und komplex ist, ohne kompliziert zu sein!
      Zudem:
      „Für Seltenspieler mag es fordernd sein, aber das liegt nicht am Spiel sondern an deren mangelnden Spiel-Erfahrung.“
      Dieser Satz ist überhaupt nicht sinnvoll und lediglich ein Zirkelschluss und unterstreicht eigentlich die Aussage, dass das Spiel eben nichts für Leute ist, die nur selten Spielen.

  2. @ Paddy: Eben darum mein Kommentar. Wenn Twilight Imperium oder Advanced Squad Leader das obere Ende von Regelumfang und Komplexität darstellt, dann ist Hawaii relativ dazu nicht so komplex, dass es abschreckend wirkt.
    Ein Gelegenheitsspieler hat vielleicht von Twilight Imperium noch nie was gehört und das Wissen, dass es noch anspruchsvollere Spiele gibt, ist ihm egal. Dennoch sollte ein SpieleBlog die Existenz der „Schwergewichte“ nicht ausblenden und quasi ein Mittelgewicht wie Hawaii als „beinahe erschlagend“ darstellen, dafür ist es zu seicht.
    Für Seltenspieler mag es fordernd sein, aber das liegt nicht am Spiel sondern an deren mangelnden Spiel-Erfahrung.

    Wenn Du als erfahrener Spieler die Möglichkeiten in Hawaii als „beinahe erschlagend“ bezeichnest, dann denken Gelegenheitsspieler beim Lesen der Rezension, das Spiel sei zu schwierig für sie, während anspruchsvolle Vielspieler dann enttäuscht sind, weil Hawaii gar nicht soo komplex ist. Darum finde ich es wichtig, ein Spiel jeweils relativ zu allen Spielen (von einfach bis sehr komplex) zu positionieren und nicht nur für die Zielgruppe Gelegenheitsspieler. Du möchtest sicher, dass möglichst viele Leute Deinen Blog lesen, daher bitte die Vielspieler nicht ausgrenzen.
    Sinnvoll wäre wohl am Ende einer Spielekritik ein Fazit für beide Spielergruppen anzubieten. Dann kann jeder, egal wie anspruchsvoll er ist, ableiten, ob das jeweils getestete Spiel etwas für ihn ist.
    Gruss Daniel

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