Helvetia – Spielkritik

Bei Helvetia kann sich endlich einmal der ganze Heimvorteil voll entfalten. Denn Helvetia spielt man im Gegenuhrzeigersinn. Kein Problem, denn in der Schweiz spielen wir immer so, auch wenn der Rest der Welt immer falsch herum spielt. Das Brettspiel wurde im Interview mit Matthias Cramer schon einmal kurz vorgestellt. Und so funktioniert es tatsächlich:

Jeder Spieler erhält ein Dorf, das er in der Schweiz des 19. Jahrhunderts in den Wohlstand führen soll. Dieses Dorf baut man mit Hilfe verschiedener Gebäude immer weiter aus. Gewinn erzielen die Gebäude aber erst, wenn sie auch bewohnt sind. Dafür kann jeder Spieler weibliche oder männliche Dorfbewohner einsetzen – auch in fremden Dörfern.
Alle Spieler starten mit drei Gebäuden, die bereits bewohnt sind. Einen Dorfbewohner darf man sogar schon in ein Nachbardorf einheiraten und von Beginn an von Produkten des Nachbarn proftieren. Güter besitzt man bei Helvetia allerdings nie auf Vorrat. Wer ein Produkt verbraucht hat, legt seinen Bewohner im Produktionsgebäude schlafen. Arbeit ermüdet, auch in der Schweiz. Erst wenn er wieder geweckt wird, kann er neue Güter produzieren.

Neben den Bewohnern sind aber vor allem 5 Persönlichkeiten wichtig, deren Dienste man in jeder Spielrunde in Anspruch nehmen kann. Sie sind auf einem zentralen Spieltableau abgebildet. In seinem Spielzug legt man jeweils eine oder mehrere Münzen auf eine Person und nutzt deren Möglichkeiten.
Beim Baumeister kann man neue Gebäude für sein Dorf erwerben. Der Fuhrmann liefert Güter auf den Markt. Der Nachtwächter weckt in einem Viertel des eigenen Dorfes alle Bewohner. Beim Pfarrer kann man sich in ein fremdes Dorf einheiraten, als Mitgift winken zusätzliche Münzen. Und bei der Hebamme wird Nachwuchs gezeugt. Sie kommen als gekippte Spielfiguren ins Spiel, besuchen in der nächsten Runde die Schule und sind erst dann vollwertige Dorfbewohner. Eine sorgfältige Nachwuchsplanung ist also nötig.

So werden reihum Münzen gelegt. Sobald nur noch ein Spieler Münzen hat, endet die Runde sofort. Der übriggebliebene Spieler wird dafür in der nächsten Runde zum Startspieler. Wer die meisten Münzen bei einer Persönlichkeit legen konnte, erhält das entsprechende Personenplättchen. Das bringt in der nächsten Runde die Möglichkeit eines Zusatzzuges und sofort einen Siegpunkt.

Helvetia endet, wenn ein Spieler 20 Siegpunkte erreicht hat. Die Punkte werden aber nicht addiert, sondern nach jeder Runde neu gezählt. So kann es vorkommen, dass man plötzlich weniger Punkte hat als in der Runde davor.
Sichere Punkte erhält man für alle Güter, die man auf den Markt bringen kann. Dort gibt es Bonuspunkte, wenn man als Erster gewisse Güter liefert oder eine Kombination zuerst erfüllt. Einzelne Gebäude im Dorf bringen Punkte, dafür keine Güter.
Nun gibt es aber auch Siegpunkte, die den Besitzer nach jeder Runde wechseln: Das Startspielerplättchen oder jedes Personenplättchen.

So gibt es bei Helvetia einiges zu beachten und immer wieder zu optimieren. Dafür bestehen viele Möglichkeiten und es braucht einen guten Überblick über alle Dörfer, deren Güter und Bewohner, um das Spiel zu gewinnen.

Fazit:
Helvetia ist ein vielseitiges Strategiespiel. Was ganz behutsam startet, nimmt schnell Fahrt auf und endet plötzlich. Der Überblick über seine Güter ist genauso wichtig, wie eine gute Familienplanung. Denn nur bewohnte Gebäude bringen Ertrag. Oft muss man sich auf einzelne Produktionsketten beschränken. Wird der Nachtwächter überstürzt eingesetzt, weckt er auch gegnerische Bewohner auf. Es gibt wirklich viel zu beachten bei Helvetia. Das Spielthema überzeugt, Freude herrscht in der Schweiz.
Leider leidet das Spiel ein wenig unter den unübersichtlichen Dorfbewohnern. Da sie sowohl stehend, liegend und auch gekippt auf den Gebäudeplättchen sind, kann man oft nur schwer erkennen, welche Güter denn nun in den Gebäuden produziert werden. Spätestens wenn man in alle Dörfer eingeheiratet hat, ist die so wichtige Übersicht meist dahin. Das ist schade, denn Helvetia hat sonst in den Spielrunden einen guten Eindruck hinterlassen.

Helvetia | Autor: Matthias Cramer | Verlag: Kosmos
Strategiespiel für 2-4 Personen | Spieldauer: 60-90 Minuten | Benötigt: Dorfkenntnisse in Gütertrennung | Wiederspielreiz: gross

Besten Dank an Kosmos für ein Rezensionsexemplar von Helvetia!

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2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ok, ein bisschen Ordnungssinn muss sein! M.E. bieten die Gebäudeplättchen genügend Platz, um ein Ehepaar mit Kind – schlafend oder arbeitend – so zu platzieren, dass das Gut, resp. die Güter, ohne Mühe zu erkennen sind.
    Ist es bei Burgen von Burgund das Licht, welches nicht zu schwach sein darf, so ist es bei Helvetia die Ordnung, welche nötig ist, um die Details nicht zu übersehen.
    Beide Spiele stehen für mich auf gleicher Höhe und haben einen sehr grossen Wiederspielreiz :-)

    • @ xaverius: Persönlich spiele ich Helvetia auch sehr gerne und kann auch mit den grossen Dorfbewohnern gut leben. Unter den Mitspielern wurde das unterschiedlich gewichtet. Helvetia wäre einfach sonst noch perfekter ;-)

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