Holmes – Spielkritik

Sherlock Holmes gegen seinen Widersacher Moriarty. Im Detektivspiel Holmes von Kosmos geht es im direkten Duell um Hinweise. Viele Personen stehen helfend zur Seite. Doch welche Kanäle will man nutzen? Ein spannendes Sammelspiel!

Holmes ist ein reines 2-Personen-Spiel. In den Rollen von Sherlock und Moriarty verfolgen beide Spieler das gleiche Ziel, allerdings aus unterschiedlichen Gründen. Während Holmes die Beweise gegen seinen Widersacher verwenden will, sammelt Moriarty Hinweise, um sie verschwinden zu lassen. Wer mit seiner Sammlung erfolgreicher ist, gewinnt das Spiel.
Obwohl Holmes ein klassisches Detektiv-Thema besitzt, geht es nicht in erster Linie darum, jemanden zu überführen. Bei diesem Spiel wird gesammelt. Es geht um Hinweise: Zigarettenstummel, Finger- oder Schuhabdrücke etc. Von 8 verschiedenen Hinweisgruppen ist eine unterschiedliche Anzahl von Karten im Spiel. Die Mehrheit bei 9 Fingerabdrücken ist daher schwieriger zu erreichen als bei 5 Zigarettenstummeln. Doch irgendwie ist alles eine Frage des Timings.

Beiden Spielern stehen in jeder Partie 8 Personen zur Seite. Sie besitzen unterschiedliche Fähigkeiten. Jeden Tag taucht eine neue Person auf. Das geschieht zufällig. Zudem sind 10 Personenkarten in der Spielschachtel. Man weiss also nie, wer in der laufenden Partie alles mitmischt. Ein Tag entspricht einer Spielrunde. Drei Aktionen haben Holmes und Moriarty täglich zur Verfügung. Sie besuchen Personen und nutzen deren Fähigkeiten. Dafür setzen sie ihre Spielfiguren auf die gewünschte Personenkarte. Beide Spieler können in einer Runde auch dieselbe Person besuchen. In diesem Fall verabschiedet sich die vielbeschäftigte Person allerdings am Ende des Tages und steht erst am übernächsten Tag wieder zur Verfügung. Einzig Dr. Watson, Mrs. Hudson und Inspektor Lestrade empfangen jederzeit Besuch – Freundschaftsdienste.

Holmes ist ein Sammel- und Tausch-Spiel. Erst sammelt man Einflussmarker in Form von Lupen, danach tauscht man sie gegen Hinweiskarten in der Auslage. Immer vier Karten befinden sich dort, zufällig ausgelegt. Die Geschäfte regeln die beiden Gegenspieler über Mittelsmänner. Bei Mrs. Hudson erhält man beispielsweise drei Lupen, die man bei Inspektor Lestrade wieder gegen zwei Hinweiskarten aus der Auslage eintauschen kann.
Die Personenkarten sind dann auch das eigentliche Salz in der Suppe. Sie erscheinen in jeder Partie in einer anderen Reihenfolge. Zudem gibt es aggressivere Karten. Mit Irene Adler klaut man sogar eine Hinweiskarte beim Gegenspieler. Ihr Einsatz wird allerdings immer teurer, je länger sie im Spiel ist. Die Mischung ist gut gelungen, die Partien entwickeln sich ganz unterschiedlich. Einzelne Hinweise lassen sich geheim (verdeckt) sammeln. Sie kommen erst ganz am Ende des Spiels zu den offenen Hinweisen. Und mit Joker-Karten lässt sich ein sammlerisches Gleichgewicht vielleicht noch zu den eigenen Gunsten biegen.

Am Ende gibt es Punkte für jede Hinweissorte. Erwischt man einmal alle Karten einer Art, bekommt man sogar drei Bonuspunkte gutgeschrieben. Bei jedem Hinweis erhält nur der Spieler mit der Mehrheit Punkte gutgeschrieben. Dem Kartenwert zieht man die gesammelten Hinweise des Gegenspielers ab. Die Differenz erhält man in Punkten. So macht auch das Sammeln von Hinweisen Sinn, die man am Ende dem Gegner überlassen muss. Der Punktesegen minimiert sich dann. Wer am meisten Punkte sammeln konnte, entscheidet den Wettstreit für sich.

Mit zwei mitgelieferten Spielvarianten können Holmes und Moriarty abwechselnd Karten reservieren. Und mit den Mycroft-Karten verliert man im Laufe der Partie Hinweise oder gar einen Spielzug. Das erschwert die eigene Planung ein wenig.

Fazit

Holmes ist ein sehr schönes, atmosphärisches Detektivspiel für zwei Personen. Dabei handelt es sich aber nicht um ein Detektivspiel im klassischen Sinn. Hier sammelt man Hinweise, um den direkten Gegenspieler zu übertrumpfen. Den besten Weg, um an die Hinweise zu gelangen, sucht man sich in jeder Partie neu. Durch das unterschiedliche Erscheinen (oder sogar Nichterscheinen) der einzelnen Personen im Spiel, muss man flexibel bleiben. Mal gibt es Lupen im Überfluss, mal bildet sich ein grosser Ablagestapel an Karten, mal gehen die Hinweiskarten am Ende einer Partie aus. Diese strategischen Elemente vermischen sich mit einem gewissen Glücksfaktor beim Aufdecken der Hinweise. Es lässt sich auch mit ein wenig Risiko spielen, wenn man bewusst geheime Karten vom Nachziehstapel nimmt. Es gibt diverse Spielmöglichkeiten bei Holmes. Meist entscheiden sich die Partien wirklich erst kurz vor Schluss. Sicher geglaubte Mehrheiten drehen plötzlich noch oder werden zu einem punktelosen unentschieden. Holmes spielt sich von Mal zu Mal flüssiger und liefert mit den Varianten und den Personenkarten anhaltenden Spielspass.

Holmes | Autor: Diego Ibanez | Verlag: Kosmos
Kartenspiel für 2 Personen | Spieldauer: 30 Minuten | Ab 10 Jahren | Benötigt: Flexible Wege zu den passenden Hinweisen | Wiederspielreiz: sehr gross

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