Jetriko – Spielkritik

Der Verlag Rulefactory hat mit Frantic ein ziemlich bissiges und erfolgreiches Kartenablegespiel auf den Markt gebracht. Nun treibt es Jetriko ziemlich bunt. Es ist, wen erstaunt es, erneut ein Kartenablegespiel.

Jetriko

Kartenablegespiele orientieren sich irgendwie alle am grossen und bekannten Vorbild UNO. Am Spielprinzip wird an der einen oder anderen Stelle geschraubt, doch der Grundmechanismus bleibt. So auch bei Jetriko: Die Karten müssen weg, Farbe auf Farbe oder Zahl auf Zahl passt immer. Graphisch ist Jetriko sehr gelungen. Das Spiel sieht frisch aus und die beiden zentralen Kartentypen sind an ihrer Rückseite klar zu erkennen. Mit 5 Spielkarten startet man in die Partie, die Aktionskarten befinden sich im Nachziehstapel und sorgen später für Abwechslung. Es lohnt sich, zu Beginn gleich die speziellste Eigenschaft von Jetriko zu erwähnen: Eine Partie ist erst gewonnen, wenn man während einer Runde keine Karte mehr in der Hand hält. Das bedeutet, dass den Mitspielern noch genügend Zeit für eine Reaktion bleibt, wenn jemand seine letzte Karte auf den Stapel gelegt hat.

Gespielt wird grundsätzlich reihum. In einem Spielzug legt man eine passende Karte auf den Ablagestapel. Jetriko besitzt ganz normale Zahlenkarten in unterschiedlichen Farben. Die legt man nach bekanntem Muster passend ab: Zahl auf Zahl, Farbe auf Farbe oder Effekt auf Effekt. Für Unordnung und Spannungen am Tisch sorgen die Spezialkarten.
Weisse Spielkarten legt man auf alle Karten. Sie können nur mit weissen Karten abgewehrt oder gestoppt werden. Und ganz wichtig: Spielt man eine weisse Karte ohne auf einen Angriff zu reagieren, zieht man eine Karte nach. Mit einer weissen Karte beendet man eine Partie also nie aus eigenen Stücken.

Jetriko

Die Effekte sind vielfältig. Mit Divide teilt man einen Angriff mit dem Angreifer. More erhöht die Angriffsstärke und gibt ihn in Spielrichtung weiter. Two Times verdoppelt ihn, während Target ihn auf ein beliebiges Ziel abwälzt und Stop erklärt sich von selbst.

Auch unter den farbigen Spielkarten findet man Effekte. Diese Karten muss man allerdings passend ablegen. Plus 2 bringt der nachfolgenden Person 2 Karten, Steal 1 fordert zum Klauen einer Handkarte auf und Redraw 1 wirft eine Handkarte ab, um gleich darauf eine neue zu ziehen. Blank fordert von der nächsten Person eine Karte ohne Effekt und Skip überspringt einen Spieler. Deflect wechselt die Spielrichtung oder gibt einen Angriff an den Nachbarn weiter. Allein diese vielen Effekte sind nicht ganz einfach zu merken. Das ist schon bedeutend komplexer als UNO.

Jetriko

Zur grossen Verwirrung setzen die Fallenkarten an. Deckt ein Spieler eine solche Karte vom Nachziehstapel auf, müssen die Anweisungen befolgt werden. Positiver Nebeneffekt: Allfällige Angriffe werden abgebrochen. Es warten natürlich schöne Überraschungen auf die Spieler. Man wirft zum Beispiel sämtliche Karten ohne Effekte ab oder bestimmt jemanden, der 3 Karten nachziehen muss.

Mit dem Ablegen der letzten Spielkarte gewinnt man die Partie… eben nicht. Dann wird man erst zur Zielscheibe der lieben Mitspieler. Übersteht man eine Runde ohne Karten, kann man tief durchatmen und sich am Sieg von Jetriko freuen.


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Fazit

Jetriko ist auf den ersten Blick ein richtig schöner, bunter UNO-Klon mit ein klein wenig Bissigkeit von Frantic. Das Kartenablegespiel ist nicht ganz so komplex und vielseitig wie das sehr erfolgreiche Erstlingswerk des Verlags, aber spürbar komplexer als UNO. Trotzdem verbirgt sich die eine oder andere Klippe im Spiel. Das Effektmuster der Karten ist in den ersten Partien schwer zu durchschauen. Mal erfolgen die Effekte in Spielrichtung, mal beliebig, mal muss man nachziehen, mal nicht. Trotz eigentlich einfacher Effekte gibt es viele Kleinigkeiten zu beachten. Die Grafik der Karten gefällt mir sehr, doch dadurch ist Jetriko, entgegen der Ausschreibung, kein Spiel ab 7 Jahren. Mit den englischen Begriffen ohne Symbolik können 7jährige leider nichts anfangen. Den besten Kniff hat Jetriko in der Siegbedingung. Wer seine letzte Karte gespielt hat, kann sich auf einen spielerischen Shitstorm der Mitspieler gefasst machen. Jetriko ist kein Ponyhof, es kann ziemlich fies zur Sache gehen. Womit wir wieder bei der Mutter aller fiesen UNO-Klone angelangt sind: Frantic. Wer Frantic besitzt und liebt, braucht Jetriko nicht unbedingt. Die Spiele sind sich doch sehr ähnlich und Jetriko wirkt in vielen Situationen wie ein Frantic light, besitzt aber nicht die Leichtigkeit von UNO. So wächst die grösste Konkurrenz des Spiels aus dem eigenen Verlag.

Alles über Jetriko

Jetriko | Autoren: Fabian Engeler, Pascal Frick, Pierre Lippuner, Stefan Weisskopf | Illustrationen: Pierre Lippuner | Verlag: Rulefactory

Spielerzahl: Kartenspiel für 2 – 8 Personen
Spieldauer: ca. 20 Minuten
Altersangabe: ab 7 Jahren | brettspielblog.ch: ab 10 Jahren
Benötigt: Kartenglück in der Ehrenrunde
Wiederspielreiz: ok

Geeignet für 2 Spieler: es geht
Beste Spielerzahl: ab 3 Personen
Richtet sich an: Familie

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