Kanagawa – Spielkritik

Künstler sollen wir werden. Doch als Schüler haben wir noch einiges zu lernen. Bei Kanagawa lernen wir vom Meister persönlich. Jeder holt sich aus den Lektionen, was er benötigt. Es bleibt die Erkenntnis: Kunst ist lernbar.

KKanagawaanagawa ist einfach ein sehr schönes Spiel. Die Karten liegen auf einer Bambusmatte, die Malpinsel-Figuren sind aus Holz und die Bilder strotzen vor japanischer Harmonie. Diese Harmonie möchten die Spieler auch erreichen in ihrem Meisterwerk. Das eigene Gemälde soll in den Motiven und den Jahreszeiten im Hintergrund eine Einheit bilden. Dazu trifft man Runde für Runde eine Auswahl aus Lektionenkarten, die ausliegen. Die Karten können in unterschiedlicher Art und Weise verwendet werden. Beim Ausbau des Ateliers wendet man die Karten und erwirbt zusätzliche Fähigkeiten. Malt man am eigenen Kunstwerk weiter, so geht das nur, wenn die Malpinsel-Figuren auf derjenigen Fähigkeit steht, die dem Bild entspricht. Die Malpinsel lassen sich bewegen. Bei Spielbeginn hat jeder Künstler eine Bewegung pro Runde frei. Durch das Erwerben von Fähigkeiten kann der Bewegungsradius erweitert werden.

Die Auswahl der Lektionenkarten folgt einem einfachen Gesetz. Zu Beginn liegen zufällig so viele Karten aus, wie Spieler an Kanagawa teilnehmen. Der Reihe nach entscheidet jeder Künstler, ob er sich eine Spalte aus der Vorlage nimmt. Wer früh seine Karte wählt, erhält, was er dringend benötigt. Bleiben mehrere Spieler im Rennen, legt man eine zweite Kartenreihe aus. Bis zu drei Reihen können es werden. Es gibt auch verdeckte Karten, die für Überraschungen sorgen. Wer am längsten wartet, muss nehmen, was übrig bleibt. Die Auswahl ist entscheidend. Im Atelier kann jede beliebige Karte angelegt werden, beim Gemälde sollte man etwas wählerischer sein. Am Ende zählt die Harmonie. Wem es gelingt eine möglichst grosse Folge gleicher Jahreszeiten aneinanderzureihen, der erhält zusätzliche Punkte am Spielende.

In der grossen Künstlerlaufbahn erreicht man auch das eine oder andere Diplom. Hat ein Spieler seine Lektionenkarten abgelegt, überprüft er, ob er irgendwelche Diplome erreicht hat. Sie werden für ganz unterschiedliche Ziele vergeben, z.B. für grafische Pflichten oder Atelier-Verbesserungen. An dieser Stelle setzt ein kleiner Poker ein. Nimmt man ein Diplomplättchen nicht, kann man es später nicht mehr zu sich nehmen. Da jedes Diplom aus drei Zielstufen besteht, schafft man aber vielleicht noch eine Verbesserung. Die Geschichte vom Spatz und der Taube ist ja bekannt.
Es gibt einige Effekte, die man im Laufe des Spiels erwerben kann: Zusätzliche Malpinsel, weitere Versetzungsmöglichkeiten für den Pinsel oder man kann sich mal eine Karte für eine spätere Runde aufsparen, ohne sie gleich ins Atelier zu legen. Unter den Lektionenkarten gibt es auch Joker, sowohl für die Landschaft, als auch für die Jahreszeiten. Nun muss man nur noch eine geschickte Auswahl treffen.

Hat ein Spieler mindestens 11 Karten in seine Grafik gelegt, endet das Spiel. Der Sieger steht nach Punkten fest. Das Zählen ist sehr einfach, die Werte sind auf den Karten angegeben. Für die längste Folge gleicher Jahreszeiten holt man sich noch einen Bonus.

Fazit

Kanagawa ist optisch ein echter Hingucker – von der Grafik bis zum Material. Spielerisch ist es ein Sammelspiel, das mit dem richtigen Timing gespielt werden muss. Der Zeitpunkt ist sowohl beim Nehmen der Karten, als auch beim Zugriff auf die Diplomplättchen enorm wichtig. Die Reihenfolge muss daher zwingend eingehalten werden. Wer zuerst kommt, nimmt zuerst, auch wenn man sonst wohl ein wenig flüssiger spielen könnte. Der Zufall bestimmt die Auswahl der Lektionenkarten. Für den totalen Überblick benötigt man immer ein wenig Zeit, damit nicht alle Karten im Atelier enden. Das Glück spielt vor allem bei den Sammlungen der Motive oder den Jahreszeiten mit. Obwohl der Einfluss dort sehr begrenzt ist, arbeitet man trotzdem fortwährend am eigenen Werk und ist im eigenen Atelier beschäftigt. Das Legen der Karten ist nicht ganz einfach, da man sie teilweise untereinander schiebt. Unter den Spielern heisst das: Es ist kein Spiel für Grobmotoriker. Zu schnell verschiebt man die Dinge im Atelier. Sonst ist Kanagawa ein sehr schönes, unterhaltsames Spiel, bei dem man einiges beachten muss. Das Spielprinzip bei Kanagawa ist äusserst durchdacht und funktioniert sehr harmonisch. Es eignet sich gut für ein wenig geübte Familienspieler, am liebsten zu dritt oder zu viert.

Kanagawa | Autoren: Bruno Cathala & Charles Chevallier | Verlag: Iello
Spiel für 2-4 Personen | Spieldauer: 45 Minuten | Ab 10 Jahren | Benötigt: Ein künstlerisches Auge für Motive und Landschaften | Wiederspielreiz: gross 

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