Kilt Castle – Spielkritik

Den schottischen Clan-Anführern ist die Knausrigkeit anzusehen. Kilt Castle wirkt auf den ersten Blick unbeschwert und leicht. Doch schon bald rauchen beim Turmbau die Köpfe. Hier muss äusserst taktisch gebaut werden.

Auf das Raster des Spielbretts bauen die Clans nach und nach ihre Türme. Ihr Ziel: Möglichst grosse Flächen in ihrer Spielfarbe zu errichten. Gesteuert wird Kilt Castle über anliegende Karten ausserhalb des Spielbretts. Die Karten mit den Spielerfarben bestimmen, wer einen neuen Turm bauen darf. Dafür gibt es einfarbige Karten, aber auch zweifarbige, die bei jedem Positionswechsel gedreht werden. Die Spieler wählen selber, welche Karte sie verschieben möchten.

Der Spielzug eines Spielers verläuft sehr einfach: Erst wird eine Karte verschoben, danach baut man einen Turm. Beim Verschieben der Karten gelten ein paar Regeln. Die Anzahl der Karten ist, je nach Spielerzahl, begrenzt. Es darf im Uhrzeigersinn nur so weit nach vorne gelegt werden, dass noch eine Karte benachbart liegt. Entsteht beim Versetzen einer Karte eine leere Reihe, wird nach der Bauphase eine Zwischenwertung ausgelöst – es gibt Dukaten. Doch dazu später mehr,…

…denn erst wird in Phase 2 gebaut. Jeder Spielfarbe, dessen Farbe auf der eben verschobenen Karte war, darf einen Turm setzen. Das muss nicht unbedingt den eben aktiven Spieler treffen, man darf die Karten ja frei wählen. Gebaut wird auf jeden Fall in die Reihe der angelegten Karte. Ein Turmbau ist kostenlos, wenn er auf dem ersten, unbebauten Feld erfolgt. Ansonsten zahlt man Dukaten für jedes Stockwerk, auf das man baut. Das Geld erhält der Spieler, der bisher das oberste Stockwerk besessen hat.
In einer besonderen Situation bauen gleich zwei Spieler auf dasselbe Feld. Dann erhält der begehrte Turm sofort ein neutrales Dach aufgesetzt. Ab sofort dient er sämtlichen Spielern. Das Dach kann zu einem späteren Zeitpunkt verschoben werden, wenn es an anderer Stelle gebraucht wird.
Einige Turmteile besitzen noch Wappen. Sind solche Wappen bei den Wertungen zuoberst, bringen sie extra Geld ein.

Bei knausrigen Schotten regieren nun mal die Dukaten. Bei Zwischenwertungen bringt die grösste Fläche mit Turm, Wappen und allenfalls neutralen Dächern je 1 Dukate. Je grösser, desto mehr Geld. Es zählen aber nur die obersten Stockwerke. Was mal war, ist nicht mehr interessant.
Kilt Castle endet, wenn der letzte Stein einer Farbe verbaut wurde. Zum Schluss erhält jeder Spieler noch eine Dukate für jeden Turm und jedes oben liegende Wappen.
Wer die meisten Dukaten besitzt, gewinnt.

Zu zweit spielt man Kilt Castle mit zwei Farben. Für mich hat das Spiel auch dann seinen Reiz. Die Wege sind direkter, die Konfrontation grösser. Das Spielende kann ein wenig forciert werden. Wenn eine Farbe komplett auf dem Spielfeld liegt, endet das Spiel.

Fazit

Das tolle und witzige Cover präsentiert ein Bauspiel, das eine überraschende Spieltiefe bietet. Natürlich kann man die Türmchen belanglos aufs Feld setzen. Doch gegen gewiefte Taktiker wird man so nie ein Chance haben. Mit der (beinahe) freien Wahl der Karten kann man sowohl Mitspieler in Bedrängnis bringen, als auch eigene Bauflächen geschickt vorbereiten. Daneben sollte man den passenden Zeitpunkt für eine Wertung nicht verpassen, das eigene Geld im Auge behalten und den Mitspielern nicht auch noch gute Vorlagen liefern. Tja, nach kurzer Einspielzeit raucht der Kopf. Kilt Castle ist ein gutes Bau- und Legespiel. Das eigentliche Thema gerät zwar nach kurzer Zeit in Vergessenheit, denn hier zählt die Taktik. Wie durchkreuze ich die Baupläne meiner Mitspieler? Wie hole ich ihre letzten Dukaten? Wie zwinge ich sie zu einem Bau? Mit den Karten-Legeregeln und dem Bezahlsystem der Turmbauplätze steht man während des gesamten Spiels vor Entscheidungen. Erstaunlicherweise fallen die Ergebnisse am Ende gar nicht mal so klar aus. Kilt Castle ist ein spannendes Turmbauspiel für Taktiker.

Kilt Castle | Autor: Günther Burkhardt | Verlag: Zoch Verlag
Bauspiel für 2-4 Personen | Spieldauer: 30-45 Minuten | Ab 10 Jahren | Benötigt: Blick und Geld für schottische Türme | Wiederspielreiz: gross

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