Little Factory – Spielkritik

Alles beginnt mit ein paar Münzen in der Tasche. Mit geschicktem Tausch und gutem Handel verbessert man die Situation im neuen Dorf mit jeder Runde. Nach dem ausgezeichneten Little Town sorgt Little Factory für einen neuen Dorf-Aufbau – diesmal mit Karten.

Little Factory

Die Little-Spiele spielen im selben Universum. Das erkennt man an den ähnlichen Aufgaben, den Illustrationen, sowie dem Tauschen und Handeln mit den Ressourcen. Little Factory ist diesmal ein Kartenspiel, bei dem man sich Runde für Runde weiterentwickelt. Sozusagen vom Tellerwäscher zum Millionär, denn bei Spielbeginn besitzen alle neuen Siedler lediglich ein paar Münzen in ihren Taschen, bevor sie zum ersten Tausch ansetzen. In der grossen Kartenauslage auf dem Tisch gibt es Ressourcenkarten in 3 Level, sowie Gebäudekarten, die zu grösseren Produktionen führen, dafür auch schwieriger erhältlich sind. Bei Little Factory geht es letztendlich um Einfluss. Den holt man sich durch gelungene Tauschgeschäfte und Gebäudekarten.

Um den Tauschhandel einschätzen zu können, muss man den Überblick über die Ressourcen-Karten haben. Die Level 1 – Karten sind gelb und einfache Güter: Holz, Weizen, Lehm, Stein und Baumwolle. Level 2 – Karten sind blau und benötigen die Level 1 – Ressourcen zum Tausch: Schafe, Bretter, Kühe etc. Level 3 – Produkte sind am aufwändigsten. Für eine Angel oder Brot benötigt man mehrere Komponenten in blau und gelb. Gebäude entstehen ebenfalls nur mit vielen Ressourcen, produzieren dafür Produkte und sorgen für Einfluss. Damit entsteht ein pyramidenförmiges System, das man auch auf dem Spieltisch abbildet mit einer Auslage aller Karten. Je nach Spieleranzahl füllt sich die Auswahl bei Little Factory, die während des Spiels nachgefüllt wird.

Little Factory

Nun spielt man reihum, in den ersten Zügen holt man sich mit seinem Startgeld erste, gelbe Ressourcen. Danach tauscht man sich in der Kette langsam hoch. Einige Ressourcenkarten muss man dabei abwerfen, andere nur vorzeigen. Die Symbolik auf den Karten erklärt das ganz gut. Gelbe Ressourcen kommen beim Tausch immer zurück in die Auslage auf dem Tisch. Sie sind begrenzt in der Anzahl. Andere Ressourcen kommen auf einen Ablagestapel und können später wieder im Spiel erscheinen.

Der Spielablauf bleibt in allen Durchgängen gleich. Erst darf man Gebäude aktivieren. Das geht natürlich nur, wenn man schon welche besitzt. Zudem darf jedes Gebäude nur ein Mal pro Zug genutzt werden. In der zweiten Phase kann man etwas herstellen, indem man Ressourcenkosten bezahlt. Dazu nimmt man 1 Karte aus der Auswahl. Oder man handelt, indem man die Münzkosten bezahlt. Dann wirft man Ressourcen von der Hand ab, um mit den dadurch verdienten Münzen andere Ressourcen oder Gebäude zu kaufen. Bei einem Handel gilt immer: Werfe ich eine Karte ab, kann ich mehrere Karten aufnehmen. Werfe ich mehrere Karten ab, kann ich eine Karte aufnehmen.

Little Factory

Im gesamten Spiel dürfen nie mehr als 7 Karten gleichzeitig auf der Hand sein. Nach dem Herstellen oder Handeln dürfen noch einmal Gebäude aktiviert werden. Mit dem Auffüllen von Karten ist der Spielzug zu Ende.
Little Factory endet, wenn keine Einflussmarker mehr im Vorrat sind oder ein Spieler insgesamt 10 Einflusspunkte erreicht.


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Fazit

Nach dem echt tollen Little Town sind die Erwartungen an Little Factory gross. Auch beim Kartenspiel geht es um den Auf- und Ausbau einer florierenden Wirtschaft im Dorf. Man baut sich eine kleine Maschinerie auf und versucht seine Ressourcen und Gebäude bestmöglich zu vernetzen. Leider geschieht das nur sehr langsam. In vielen Spielzügen macht man immer dasselbe: Man tauscht! Dabei kommt man sich spielerisch kaum in die Quere. Legt man sich auf einen Wirtschaftszweig fest, können die Mitspieler nicht mehr einschreiten. Ihnen fehlen schlicht die Ressourcen, um Gebäude streitig zu machen. Es ist auch nicht möglich, das in wenigen Zügen wettzumachen. So optimiert jeder Spieler vor sich hin. Das funktioniert einwandfrei, wenn die passenden Karten ausliegen. Ob mit Herstellen oder Handeln, das ländliche Imperium wächst vor sich hin. Meist kennt man die weiteren Spielzüge im Voraus und arbeitet in Ruhe darauf hin. So bleibt bei Little Factory nach den Partien meist nur ein Eindruck hängen: Man tauscht und tauscht und tauscht und tauscht. Zwar kann man den Mitspielern die Level 1 – Ressourcen klemmen, indem man sie vom Markt nimmt. Von Dauer ist diese Taktik aber nicht, weil man die Kartenhand wieder für ertragreichere Dinge nutzen will. Little Factory funktioniert spielmechanisch sehr gut, das Geschehen ist aber sehr repetitiv und auf die Dauer lahm. Ich bleibe eindeutig bei Little Town.

Alles über Little Factory

Little Factory | Autoren: Shun & Aya Taguchi | Illustrationen: Sabrina Miramon | Verlag: Iello

Spielerzahl: Kartenspiel für 2 – 4 Personen
Spieldauer: 45 Minuten
Altersangabe: ab 10 Jahren
Benötigt: Materielle Steigerungsketten
Wiederspielreiz: ok

Geeignet für 2 Spieler: sehr gut
Beste Spielerzahl: 2 – 4 Personen
Richtet sich an: Familie

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