Misty – Spielkritik

Die Spiele in der kleinen Schachtel des Verlages Helvetiq haben eine besondere Aufmerksamkeit verdient. Seit Bandido steckt oft eine Überraschung drin. Das neueste Spiel heisst Misty.

Misty

Das längliche Kartenformat ist bekannt, im Fall von Misty mit vielen einfachen Strichzeichnungen bedruckt. Einzelne Karten führen auf dem Grund noch Pfeile oder Punktesymbole mit sich. Doch dazu später mehr. Misty ist eine Mischung aus Drafting- und Legespiel. Erst reicht man die Karten weiter, bevor man sie möglichst punkteträchtig auf dem Tisch auslegt. Der Spielmechanismus ist einfach, die Aufgabe schnell erklärt. Herausfordernder ist es, die Spielsituation zu lesen und zu ahnen, was noch kommt. Die Spieler sollen ein Raster aus 3×4 Karten legen, wahlweise auch 4×3. Runde für Runde erhalten sie EINE neue Karte dazu. Die Entscheidung ist nicht einfach, denn man weiss ja nie, was die Mitspieler übrig lassen.

Aus 6 Karten wählt jeder Spieler seinen Favoriten, gibt die restlichen Karten weiter und legt die eben gewählte Karte offen in sein Raster vor sich aus. Misty simuliert Kritzelzeichnungen an beschlagenen Fensterscheiben. Die Spielkarten sind wunderbar in dieser Art illustriert. Die Kartenauswahl nimmt Runde für Runde ab. Die 6. Karte muss zwanghaft irgendwo angelegt werden. Der Raster ist zwar vorgegeben, Karten müssen anliegend sein. Ein gewisse Flexibilität bleibt trotzdem auf allen Seiten.
Es folgt eine weitere Kartenrunde mit 6 neuen Karten für jeden Spieler. Das Prozedere bleibt gleich: Wählen und weiterreichen. Am Ende bleibt für die letzte Karte genau noch ein Platz übrig. Hoffentlich der richtige…

Misty
Misty vor den Kartenaktionen

Damit ist erst die Hälfte des Spiels vollzogen. Schliesslich sind ganz unterschiedliche Karten vorhanden. Da sind normale Zeichnungen ohne speziellen Aufdruck. Sie bleiben in Phase 2 des Spiels vorerst liegen. Karten mit einem Pfeilaufdruck verschieben sich in der vorgegebenen Richtung. Daraus können zwei Situationen entstehen: Ein Karte fliegt aus dem Raster – und damit aus dem Spiel. Oder eine Karte verdeckt eine andere. Kartenstapel sortiert man ebenfalls aus. Das Pfiffige an dieser Ausgangslage: Hat man die Karten geschickt ausgelegt in Phase 1, ergeben sich Kettenreaktionen. Karten schieben sich von Position zu Position, ohne anderen zu schaden.

Misty

Die Monsterkarte will gefüttert werden. Findet sie eine Blume in der Auslage, frisst das Monster sie auf und nimmt ihre Position ein. Die Reihenfolge der einzelnen Kartenaktionen bestimmt man selber. Haben alle Karten ihre Aktionen vollzogen, folgt die Abrechnung.

Was am Ende übrig bleibt, ist der Gipfel der eigenen Kombinatorik. Jede Karte, die noch ausliegt, bringt einen Punkt. Blumen sind zwei Punkte wert und zwei lachende Gesichter nebeneinander sogar drei. Planung ist das halbe Punkteleben.

Mit Kindern empfiehlt sich erst eine Variante mit einem kleineren Fenster. Das Voraussehen der einzelnen Aktionen ist nach einer Übungsphase aber schnell möglich.


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Fazit

Misty ist wieder ein ideales Spiel für die kleine Helvetiq-Schachtel: Einfache Regeln ohne Schnickschnack, trotzdem eine gewisse Spieltiefe mit dem Vorher-Nachher-Gefühl beim Legen der Karten und den folgenden Aktionen. Dabei gerät man immer wieder in Konflikte. Gewisse Dinge lassen sich voraussehen. Gegen Ende wird man von der letzten Karte gespielt – oder man hat das Spiel richtig gelesen und freut sich, dass der Plan aufging. Es lohnt sich, die Mitspieler zu beobachten. Ihnen gewisse Karten vorzuenthalten, andere bewusst zuzuspielen. Das ist dann schon gehobenes Misty-Spiel. Für die kurze Spieldauer bringt Misty gleich einige Mechanismen unter, die gut zueinander passen und überschaubar sind. Man freut sich über gelungene Aktionen und wartet auf das perfekte Fenster. Also gleich noch einmal spielen!

Alles über Misty

Misty| Autor: Florian Fay| Illustration: Felix Kindelan | Verlag: Helvetiq

Spielerzahl: Kartenspiel für 2 bis 4 Personen
Spieldauer: 20 Minuten
Altersangabe: ab 6 Jahren
Benötigt: Planendes Kartenlegen
Wiederspielreiz: gross

Geeignet für 2 Spieler: sehr gut, taktischer
Beste Spielerzahl: 2 bis 4 Spieler
Richtet sich an: Familien

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