Natives – Spielkritik

Wie schwer ist es eigentlich, einen Indianerstamm auf den Winter vorzubereiten? Bei Natives muss man seinen Stamm in den Wohlstand führen, Nahrung besorgen und sich um seine Stammesmitglieder kümmern. Ein Kartenspiel mit drei Erweiterungen.

Natives

Das Grundspiel startet jeder Anführer mit 7 Stammesmitgliedern, die in einer festgelegten Reihenfolge nebeneinander ausliegen. So ist gut ersichtlich, in welchen Bereichen die Spieler ihre Stärken haben und Fortschritte erzielen. Im Laufe einer Partie können neue Stammesmitglieder dazu gewonnen werden, die man unter die entsprechende Stammeskarte legt. Die Stammesmitglieder gibt es in unterschiedlichen Spielerfarben. Am besten ist es, wenn man eigene Mitglieder für sich gewinnt. Das bringt am Ende Punkte. Mitglieder eines fremden Stammes sind zwar auch nützlich, sorgen bei Spielende allerdings für Punkteabzug.

Soweit die Informationen zur Rekrutierung des Personals. Doch im Wilden Westen spielt sich alles in der Prärie ab. Dort findet man auch Nachschub für sämtliche wichtigen Bereiche im Indianerleben. Bei Spielbeginn liegen 5 Karten aus. In der Prärie werden gleich die Stammesmitglieder aktiv.

Ein Spielzug startet aber immer mit dem Auslegen einer neuen Karte in die Prärie. Freiwillig deckt man noch weitere Karten auf. Die Anzahl der eigenen Kundschafter im Stamm bestimmt, wie viele Karten noch in die Prärie gelangen können. Doch es ist Vorsicht geboten. An der Prärieauswahl bedient man sich erst selber, danach sind auch die Mitspieler an der Reihe, die von einer grossen Auswahl ebenfalls profitieren. Man möchte ja schliesslich keine perfekten Vorlagen bieten. Nach dem Aufdecken neuer Präriekarten aktiviert man eine eigene Stammeskarte und führt die dazugehörige Aktion aus.

Natives

Natives ist ein Sammelspiel. Mit dem richtigen Einsatz seiner Stammesmitglieder holt man sich viele Punkte und damit Wohlstand für den eigenen Stamm. Die Anzahl der anliegenden Stammemitglieder an der entsprechenden Stammeskarte ist zugleich die Anzahl an Karten, die man sich aus der Prärie holt.
Und diese Aufgaben kann man erledigen: Der Älteste holt neue Stammesmitglieder und legt sie an beliebiger Position in seinen Stamm (an die Stammesfarbe denken). Das verbessert die Ausbeute in den nächsten Runden. Der Schamane holt Totems, die Zielvorgaben liefern. Jede erfüllte Aufgabe bringt am Ende wichtige Punkte. Der Krieger macht Gefangene. Am besten Mitglieder eines fremden Stammes. Das verhindert bei den Mitspielern Punkte und bringt selber einen Punkt pro Gefangenen. Der Farmer erntet Mais. Nahrung bringt Punkte. Der Fischer fängt Lachse, der Jäger erledigt Bisons – alles am Ende Punkte wert.

Natives

Erscheint die Winterkarte im Präriestapel, leitet sie die letzte Runde ein. Wer gut gesammelt hat, holt sich in allen Bereichen Punkte. Der Stamm mit dem grössten Wohlstand gewinnt.

Das Grundspiel kann mit Erweiterungen ein wenig komplexer gestaltet werden. Diese Karten fügt man beliebig dem Kartenstapel bei. Ob nur eine oder alle drei Erweiterungen spielt keine Rolle.
Mit 16 Ritualen erhält der Schamane zusätzliche Arbeit. Rituale führt man sofort aus. Mit den Ritualen nervt man auch mal die Mitspieler, die Karten abwerfen müssen und Punkte verlieren. Ein gewisser Ärgerfaktor tritt ins Spiel.
Mit den Jahreszeiten verändern sich im Frühling, Sommer und Herbst die Rahmenbedingungen, im Guten wie im Schlechten. So werden Flüche ausgeteilt, die Minuspunkte bringen. Wer passt sich am besten an?
Die Seele der Prärie bringt grössere Nahrungserträge, Stammesmitglieder mit Aufgaben und Konflikte mit anderen Stämmen, die man manchmal in Eintracht löst.

Die Erweiterungen bringen deutlich mehr Spieltiefe in das einfache Grundspiel, erschweren die Sammelaktion aber auch.


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Fazit

Natives ist ein Kartenspiel, das sich auf dem Grat zwischen Familienspiel (Grundspiel) und Kennerspiel (Erweiterungen) bewegt. Die Grafik wirkt ein wenig bescheiden, ist aber mit der Symbolik durchaus zweckmässig. Hinter Natives findet man ein Sammelspiel, bei dem man selber entscheidet, in welche Richtung man sich mit dem eigenen Stamm bewegt. Das hat in erster Linie mit der Auslage in der Prärie zu tun, aber auch mit der Stärke der einzelnen Stammeskarten. So betreibt man einen klugen Aufbau und holt sich geeignete Kombinationen mit den Totems, die viele Punkte einbringen. Grundsätzlich ist das Spiel im Ablauf leicht zu verstehen, erst mit den Erweiterungen nimmt man auf die Mitspieler mehr Einfluss und stellt sich überraschenden Anforderungen. Natives wird anspruchsvoller und das Glück mit den Karten in der Prärie schwindet ein wenig. Hinter Natives verbirgt sich mehr, als man auf den ersten Blick vermutet. Das zeigt sich eindrücklich, wenn sich die Stämme auf dem Tisch entfalten. Die Erweiterungen sind hier das Salz in der Suppe.

Alles über Natives

Natives| Autoren: Trehgrannik| Illustration: Victor Zaburdaev, Fiore GmbH | Verlag: Kosmos

Spielerzahl: Kartensammelspiel für 2 bis 4 Personen
Spieldauer: ca. 30 Minuten
Altersangabe: ab 10 Jahren
Benötigt: Stammeskräfte an der richtigen Stelle
Wiederspielreiz: gross

Geeignet für 2 Spieler: gut
Beste Spielerzahl: 3-4 Personen
Richtet sich an: Familie, Kenner (Erweiterungen)

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