Neom – Spielkritik

Der Zukunftsgedanke ist gerade absolut ins Zentrum der Politik gerückt. Daher spielt Neom mit einem brandaktuellen Thema: Der Stadt der Zukunft. Über drei Generationen legt man sich seine Pläne zurecht, um am Ende ein ausgewogenes Meisterwerk zu präsentieren.

Neom

Neom ist eine gelungene Mischung aus einem Draftingspiel (Plättchen auswählen und weiterreichen) und einem Legespiel (Es ist entscheidend, wo sich die Gebäude befinden). Allein dieses Zusammenspiel ist nicht komplex, die grosse Anzahl unterschiedlicher Gebäude und ihrer Auswirkungen machen Neom aber zu einem Kennerspiel, das man entdecken muss. Die Spieler starten mit einer grünen Baufläche, die gar nicht so grün sein muss. Ein Rohstoff wird auf der Startfläche bereits produziert, der Zufall bestimmt, ob Kohle, Erdgas, Holz oder Erz. Gespielt wird über drei Generationen, die jeweils eine Menge neuer Plättchen und Gebäude in die Stadt bringen. Erst bekommt jeder Spieler einen Stapel, aus dem er einen Favoriten auswählt. Danach legen alle Spieler die gewählten Plättchen passend auf die Baufläche und nutzen allfällige Aktionen. Die Plättchen reicht man so lange in der Runde herum, bis nur noch eines übrig bleibt. Dann endet eine Generation, die Spieler erhalten Einkommen, mit dem sie die nächste Generation mit neuen Plättchen bestreiten.

Neom

Welches sind nun die Feinheiten von Neom? Sicher einmal die Plättchentypen. Sie lassen eine strategische Spielausrichtung zu. Wohngebäude bringen in Verbindungen viele Punkte, sie müssen allerdings über Strassen verbunden sein. Wirtschaftsgebäude generieren Geld, das ebenfalls zu Punkten führt. Geld gibt es einmalig oder als Einkommen regelmässig am Ende einer Generation. Industriegebäude produzieren Güter, die Punkte und weitere Produktionen ermöglichen. Sie belasten aber auch die Umwelt, daher sollten sie nicht in der Nähe zu Wohngebäuden stehen. Öffentliche Gebäude liefern Strom oder Punkte, wenn gewisse Vorgaben erfüllt sind. Abbaugebiete produzieren Rohstoffe für die Industrie. Nun muss man die verschiedenen Ausrichtungen nur noch gut miteinander verbinden, um eine ausgewogene Stadtkultur entstehen zu lassen. Das ist, je nach Verlauf des Spiels, aber nicht immer ohne Kompromisse zu bewerkstelligen. Die Strassen der Stadt müssen nicht komplett miteinander verbunden sein, doch jedes Plättchen benötigt eine Verbindung zum Zentrum. Erstellte Gebäude können später überbaut werden, verlieren dann aber ihre Vorzüge. Einige Plättchen sind an Voraussetzungen geknüpft: Sie benötigen Geld, Rohstoffe oder eine Anzahl an bereits erstellten Gebäuden. Rohstoffe lassen sich auch von den Mitspielern kaufen, wenn sie diese produzieren. Die Kosten reduzieren sich, wenn eine Handelsroute an den Rand der Spielfläche gebaut wird.

Neom

In jeder Generation verbirgt sich eine Katastrophe: Unwetter, Feuer und Gewaltwelle sorgen bei den Mitspielern für Aufruhr, nicht jedoch beim Auslöser der Katastrophe. Die Spieler können sich mit geeigneten Gebäuden teilweise schützen. Ansonsten zahlen sie eine Abfindung oder büssen Gebäude ein.

Besonders wichtig sind die Ankergebäude. Die Spieler wählen sie ganz am Anfang einer Partie, ebenfalls im Draftingsystem. Es sind besondere Gebäude, sie generieren Punkte oder Geld. Drei Ankergebäude besitzt jeder Spieler. Die darf er statt eines Generationsplättchens einbauen. Dafür wirft er ein Generationsplättchen ab. So stellt man bereits vor der Partie die Weichen für die Ausrichtung beim persönlichen Städtebau.

Erwähnen möchte ich auch das Spiel zu zweit: Dort wird das Draftingsystem aufgelockert. Aus drei oder vier Plättchen wählt jeder Spieler eines aus, das er sofort einbaut. Funktioniert wunderbar. So ist Neom auch für zwei Spieler sehr gut spielbar und mit wenigen Anpassungen ebenso spannend wie in grösseren Runden.

Am Ende löst sich alles bei der Wertung auf. Gebäude, Geld, Kombinationen und das Erfüllen von Aufgaben der Ankerplättchen bringen Punkte. Wer zu wenig Wohnhäuser baut, das Stromnetz vernachlässigt oder zu dicht an schmutzige Produktionsstätten baut, erhält einen Abzug. Wer plant am besten?


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Fazit

Neom ist ein wunderbares Städtebauspiel mit bekannten Elementen. Alles spielt wunderbar ineinander. Über die drei Generationen baut man sich eine Stadt auf, sammelt Rohstoffe, entwickelt sie weiter, setzt auch Wirtschaft oder Wohnhäuser – ganz viele Wege führen zum Erfolg. Und doch spielt sich Neom immer anders. Das hat mit den unterschiedlichen Zielen zu tun, aber auch mit den Kombinationen der Kartenstapel, die reihum gehen. Neom ist ein Kennerspiel und das hat vor allem mit den vielen Gebäuden zu tun, die auftauchen. Es braucht ein paar Partien, um sie alle kennenzulernen und abzuschätzen, welche Spielausrichtung sich besonders positiv für die eigene Stadt auswirken. Dieses Entdecken des Spiels liefert die Spannung und den besonderen Wiederspielreiz. Es gibt Partien, in denen es in den Städten rund läuft und alles floriert. Dann gibt es Partien, in denen man harte Entscheidungen für die eigene Stadt treffen muss. Auch in grösseren Spielrunden gibt es kaum Wartezeiten, da man gleichzeitig die Plättchen wählt und platziert. Ebenso gut ist Neom zu zweit mit leicht verändertem Spielablauf. Die Mischung aus Aufbau, Auswahl, Katastrophen und geplantem Fortschritt macht aus Neom ein ganz tolles Städtebauspiel, das ich sehr empfehlen kann.

Alles über Neom

Neom| Autoren: Paul Sottosanti | Illustration: Christian Opperer| Verlag: Lookout Spiele

Spielerzahl: Städtebauspiel für 1-5 Personen
Spieldauer: 45-60 Minuten
Altersangabe: ab 10 Jahren
Benötigt: Positive Entwicklungsschritte für die eigene Stadt
Wiederspielreiz: sehr gross

Geeignet für 2 Spieler: sehr gut
Beste Spielerzahl: 2 bis 5 Spieler
Richtet sich an: Kenner

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