Prosperity – Spielkritik

Eine Nation über mehrere Jahrzehnte in den Wohlstand zu führen, die Infrastruktur im Lot zu halten, die Ökologie ins Positive zu wenden – um nichts Geringeres geht es bei Prosperity. Womit sich viele Politiker äusserst schwer tun, hier kann man sich als Spieler profilieren und glänzen. Wenn Wohlstand nur so einfach zu schaffen wäre…

Prosperity 1Das Regelwerk von Prosperity hat genau auf 2 Seiten Platz. Der Rest beschreibt die einzelnen Spielteile oder den Spielaufbau. Damit ist schon geklärt, dass es sich trotz des durchaus ernsteren Themas um kein spielerisches Schwergewicht handelt. Jeder Spieler führt seine Nation auf dem eigenen Spielertableau. Zusätzlich befindet sich das Forschungstableau in der Tischmitte. Dort liest man den aktuellen Forschungsstand ab und kann sich für die eigene Nation Entwicklungen im Energie- oder Ökologiebereich sichern. Die Technologie verändert sich natürlich ständig. Über 7 Jahrzehnte ziehen die Spieler neue Plättchen und bieten sie für alle zum Verkauf an.

Ein Spieler kann verschiedene Bereiche auf seinem Tableau füllen, allenfalls auch wieder überbauen. Jedes Gebäude hat Auswirkungen auf Energie oder Umwelt, bringt aber auch positive Effekte mit sich: Erfolge in der Forschung, Geld oder Wohlstand. Der Spielablauf ist einfach und immer gleich. Ein Spieler zieht das oberste Technologieplättchen, eine Wertung wird durchgeführt. Jeder Bereich wird in einem Jahrzehnt genau ein Mal gewertet: Energie, Ökologie, Kapital, Forschung oder Wohlstand. Die Wertung hat sofortige Folgen – positive wie negative. Geld wird eingenommen, der Umweltschmutz verringert oder vergrössert sich, die Forschung vorangetrieben.

Prosperity 2Nach dem Ziehen eines neuen Plättchens kann ein Spieler genau 2 Aktionen durchführen. Sie sind beliebig kombinierbar. Man nimmt sich ein Einkommen, saniert seine Umwelt, steigt in der Forschung oder kauft sich ein Plättchen für sein Land. Der Plättchenkauf ist genau geregelt. Je nach eigenem Forschungsstand hat man Zugriff auf bessere Technologien. Alternativ kann man sie auch zu einem höheren Preis einkaufen.
Geübte Spieler merken an dieser Stelle schon: Bei Prosperity wird optimiert – ständig und an jeder Stelle. Braucht man zu viel Energie, muss man sie irgendwo wieder einsparen. Sonst geht das bei einer Wertung ziemlich ins Geld und zu viel Umweltschmutz verhindert den Wohlstand. Prosperity ist sehr gut verzahnt. Dreht man an einer Schraube, wirkt sich das in andere Bereiche aus. Nun muss man nur noch entscheiden, wo man investieren will. Die Wertungen beeinflussen diese Entscheide wesentlich. Schliesslich kann man abschätzen, wann ein einzelner Bereich wieder gewertet wird – im nächsten Jahrzehnt.

Prosperity 3Wenn das letzte Technologieplättchen vom Stapel ist, endet das Spiel. Jeder Bereich bringt noch einmal Wohlstandspunkte. Wer in seinem Land die wohligste Wärme erzeugt, gewinnt.

Für geübte Städtebauer befinden sich auf der Rückseite individuelle Spieltableaus mit unterschiedlichen Startvoraussetzungen. Wer die Technologien einigermassen kennt, findet so eine neue Herausforderung.

Fazit:
Prosperity ist ein thematisch sehr schönes Umweltspiel. Die Regeln sind einfach gehalten, Übersicht benötigt man bei den vielen Technologieplättchen und in den unterschiedlichen Bereichen, in denen gebaut werden kann. Optimieren ist wichtig, oft muss man auch Kompromisse eingehen und Probleme einschränken. Das ist dann auch die grösste Schwierigkeit des Spiels: Die Zusammenhänge zu erkennen und auszuloten. Prosperity funktioniert mit bis zu 4 Spielern. Der Zugang ist mit jeder Spielerzahl anders. 2 Spieler haben eine grössere Auswahl bei den Plättchen, kommen öfter an die Reihe. Mit 4 Spielern muss man sich auf das Wesentliche beschränken. Der eigene Fortschritt wird von den Wertungen mitbestimmt. Damit lässt sich planen. Ein wenig Glück wird beim Ziehen der Plättchen benötigt. Insgesamt ein wirklich ansprechendes Spiel, das in einfachen Grundzügen die extrem verzahnte Thematik verarbeitet. Prosperity spielt sich flott. Es macht Spass, die eigene Nation wachsen zu sehen. Wohlstand ist schnell zu haben, aber gar nicht so einfach zu halten.

Prosperity | Autoren: Reiner Knizia & Sebastian Bleasdale | Verlag: Ystari
Optimierungsspiel für 2-4 Personen | Spieldauer: ca. 60 Minuten | Ab 13 Jahren | Benötigt: Wohlstand, städteplanerische Weitsicht und Wohlstand | Wiederspielreiz: gross 

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