Riverboat – Spielkritik

Amerika zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Die Ernte wird mit Flussbooten über den Mississippi nach New Orleans verfrachtet. Damit beginnt das Abenteuer von Ackerbau, Frachtschiffen, Hafenmeistern und ganz vielen Punkten: Riverboat.

RiverboatMichael Kiesling hat ein sehr interessantes Kennerspiel erfunden, das mit ganz viel Material, zahlreichen Optionen, aber einem eingängigen Mechanismus glänzt. Auf dem Spielertableau erstreckt sich das weite Feld, zu Beginn leer und unbepflanzt. Der Hafenmeister wartet auf Arbeit, möchte die Flussboote empfangen. Arbeiter stehen für die Feldarbeit bereit. Über genau 4 Runden erstreckt sich Riverboat. 4 Runden, in denen das Land Früchte trägt und die Wirtschaft in Schwung gebracht werden muss.
Zu Beginn einer Runde wählen die Spieler ihre Phasenkarten. Jede Runde ist in 5 Phasen unterteilt, die dem logischen wirtschaftlichen Ablauf folgen. An den einzelnen Phasen nehmen immer alle Spieler teil. Wer die jeweilige Phasenkarte besitzt, erhält aber einen einmaligen Bonus. Mit Münzen kann man zudem in jeder Phase die Regeln ein wenig aushebeln und Verbesserungen anstreben. Eine wichtige Funktion.

Weil sich Riverboat mit den Phasen bestens erklären lässt, mache ich das hier auch.
Phase 1 – Arbeiter einsetzen: Als Bonus erhält man einen neuen Arbeiter dazu. Danach setzt man 8 Arbeiter auf die Felder des eigenen Spieltableaus – schön nach Vorgabe der zufällig gezogenen Gebietskarten. Mit Münzen ignoriert man die Gebietskarten.
Phase 2 – Äcker bepflanzen: Als Bonus gibt es eine Münze. Danach wählt man Ackerfruchtplättchen und puzzelt sie zu schönen Gebieten in die eigene Plantage. Natürlich nur dort, wo sich Arbeiter befinden. Für eine Münze darf man sich die Ackerfruchtplättchen aussuchen und muss sich nicht in der allgemeinen Auslage bedienen.
Phase 3 – Ernten und Flussboote beladen: Als Bonus bewegt man den Hafenmeister einen Schritt. Danach zieht man seine Arbeiter von den Feldern ab. Zwei Schiffe darf man mit Früchten jeweils einer Sorte füllen. Es gibt Boote mit unterschiedlichen Lademengen. Je grösser die Ladung, desto besser ist der Bonus, den man mit der Schiffahrt einkassiert. Denn über die Flussboote holt man sich Münzen, Punkte oder spezielle Anschaffungen.
Phase 4 – Günstige Gelegenheiten: Als Bonus winkt ein Siegpunkt. Danach bedienen sich alle auf dem Markt der Karten. Setzt man im Verlauf des Spiels einen Gutachter auf eine „Günstige Gelegenheit“, erhält man Siegpunkte. Da gibt es Punkte für bestimmte Felder, Punkte für Münzen, etc. Durch die Wahl der Karte erhält man einen kleinen Bonus mit auf den Weg. Mit Münzen wählt man eine Karte aus dem Stapel und verzichtet auf den Bonus.
Phase 5 – Wertung: Den Bonus wählt man aus drei Möglichkeiten aus. Bis zu zwei Gutachter schickt man los. Sie bringen bei den „Günstigen Gelegenheiten“ oder Gebietswertungen auf dem Feld Siegpunkte. Münzen bringen in Phase 5 nichts.

Riverboat

Der Spielablauf ist logisch und durch die Symbolik der Phasenkarten gut erklärt. Aber Riverboat bietet noch mehr Möglichkeiten, die man geschickt einsetzen sollte. Der Bau von Brunnen und Scheunen, um eigene Felder werten zu können. Arbeiter wandeln sich zu Kommissionären, die in New Orleans wirken und in jeder Runde Punkte bringen.

Riverboat

In einer Schlusswertung gibt es Punkte für Münzen, komplette Anbaugebiete und nicht gewertete Anschaffungen. Der Hafenmeister, den man immer bewegt hat, rückt nun ins Zentrum. Nur die Flussboote, die er auf dem Steg erreicht, erhalten Punkte. Bei dem Spieler, bei dem der Hafenmeister am weitesten vorgerückt ist, gibt es die volle Punktzahl. Bei allen anderen Spielern die Hälfte. In New Orleans findet für die Kommissionäre eine Mehrheitenwertung statt. Wer die meisten Siegpunkte besitzt, gewinnt das Spiel.

Fazit

Riverboat ist ein anspruchsvolleres Spiel. Der Ablauf ist nach kurzer Zeit klar, die Symbolik hilft durch das Spiel. Doch es gibt viel zu entdecken. Die Flussfahrt auf dem Mississippi ist verzahnt und man muss ein ausgeglichenes Spiel aufziehen, um am Ende erfolgreich zu sein. Das Puzzeln der Fruchtplättchen gehört dazu, wie auch der Einsatz der Arbeiter. Die sind nämlich rar, denn nur wenn man entsprechende Schiffe beladen kann, holt man die Arbeiter wieder in den Vorrat zurück. Oder will man sie frühzeitig nach New Orleans schicken. Erfolgreich spielen kann man auf verschiedenen Ebenen. Über die „Günstigen Gelegenheiten“ kommt man an Punkte, über den Hafenmeister und die Kommissionäre ebenfalls, wenn man vorne mitspielt. Der Einsatz von Münzen lohnt sich, um zum richtigen Zeitpunkt regelfrei zuzuschlagen. Was sich in der ersten Partie wie eine totale Punkteorgie anfühlt, entpuppt sich in den Folgepartien zu einem richtig schön verzahnten Spiel, bei dem man sich geschickt durch die sich bietenden Möglichkeiten voran arbeitet. Der Mechanismus mit der Phasenwahl überzeugt, die einzelnen Komponenten ergeben ein stimmiges Gesamtbild, ein strategisches Highlight. Auch in Partien zu zweit.

Riverboat | Autor: Michael Kiesling | Verlag: Lookout Spiele
Spiel für 2-4 Personen | Spieldauer: 90 Minuten| Ab 10 Jahren | Benötigt: Alles im Fluss am Fluss | Wiederspielreiz: sehr gross

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