Scotland Yard – Das Kartenspiel – Spielkritik

Die Jagd nach Mister X hat nun schon einige Brettspielversionen erlebt. Nun gibt es für den Klassiker eine Kartenspiel-Variante, die allerdings nur in wenigen Punkten mit der ursprünglichen Jagd durch London zu tun hat. Und so funktioniert Scotland Yard – Das Kartenspiel:

Die Illustrationen lassen natürlich Ähnlichkeiten zum grossen Brettspiel erahnen, die Tickets für die einzelnen Verkehrsmittel sind ebenfalls erhalten geblieben, erscheinen aber in Kartenform. Mit genau 8 solcher Kartentickets spielen die Detektive. Mr. X ist einer unter ihnen. Er wird zufällig und geheim bestimmt, keiner weiss, wer nun gut oder böse ist. Die Detektive versuchen das im Laufe einer Partie herauszufinden. Mr. X versucht, möglichst unauffällig seine missliche Lage zu vertuschen. Dazu stehen Mr. X verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Eine davon: Er wechselt seine Identität! So kann, im Gegensatz zum grossen Brettspiel, im laufenden Spiel ein Rollenwechsel vorgenommen werden.

Drei Aktionsmöglichkeiten besitzen die Spieler in jedem Durchgang. Erst ziehen sie eine Ticketkarte vom Nachziehstapel, danach legen sie eine solche Karte zur Aktion ihrer Wahl. Oft liegen Wunsch und Möglichkeit jedoch ein wenig auseinander. Die Ticketkarte muss den geringsten Abstand zur bereits ausliegenden Karte vorweisen und darf die Zahlenkarte der benachbarten Aktion nicht übertreffen. Doch was kann man tun:
– Ein weitere Karte nachziehen
– Ein Verhör einleiten und eine von drei Verhörkarten wenden
– Ein Fahndung auslösen und jemandem eine Karte klauen
Stimmt bei einer Ticketkarte nicht nur der Zahlenwert, sondern auch noch die Farbe, erhält man eine doppelte Aktion.
Im schlechtesten Fall besitzt man nur noch tiefe Zahlenwerte und kann gar keine Aktion mehr wählen. Dann gibt man eine tiefe Karte ab und zieht drei neue Karten nach, die man aufsteigend auf die drei Aktionsstapel verteilt.

Nun sind da doch einige schöne Dinge unter den Aktionen. Kann ich ein Verhör komplett durchführen, indem ich die dritte Karte wende, schaue ich mir die Karten eines Mitspielers an: Besitzt er Mr. X nicht, gebe ich das den anderen Spielern bekannt. Ab sofort ist die Weste eines Spielers reingewaschen. Natürlich könnte ich Mr. X auch dort finden. Auch das teile ich den Mitspielern mit. Mr. X zieht sich dafür ein Black Ticket und muss drei Karten abgeben. Verhöre sind ein gutes Mittel, um Klarheit am Spieltisch zu schaffen.
Die Black Tickets sind für Mr. X sehr mächtig. Es sind schwarze Zahlenkarten ohne ein bestimmtes Verkehrsmittel. Mr. X darf sie nur nutzen, wenn seine Identität bekannt ist oder er sich selber outet. Legt Mr. X ein Black Ticket auf einen Aktionsstapel (natürlich mit einem passenden Zahlenwert), so müssen die Detektive eine bestimmte Anzahl Karten ablegen, Mr. X nimmt sich vier neue Karten vom Nachziehstapel oder Mr. X taucht in der Menge unter: Seine Identität wird neu und geheim vergeben.

Die Zahlenkarten sind wichtig bei Scotland Yard – Das Kartenspiel. Gehen sie allen Detektiven oder Mr. X aus, verliert eine Seite das Spiel. Mr. X fliegt zudem noch auf, wenn seine Karte bei einer Fahndung (der dritten Aktion) gezogen wird. Die Detektive verlieren, wenn der Nachziehstapel leer gespielt ist, bevor Mr. X gefasst wurde. So oder so – der Weg zum Sieg führt über die Karten.

Fazit

Scotland Yard – Das Kartenspiel ist ein Spiel, das abwechselnd vom Miteinander und Gegeneinander der Spieler lebt. Erst sucht man Mr. X und traut niemandem über den Weg, danach versucht man ihn gemeinsam zu fassen. Zufall und Glück spielen an manchen Orten mit. Mit den passenden Zahlen auf den Ticketkarten haben sowohl die Detektive, als auch Mr. X viele Optionen offen. Doch nicht immer ist die Auswahl derart gross. Der Radius wird eben auch vom Zufall, beim Nachziehen der Karten, oft eingeschränkt. Mit viel Glück endet das Spiel gar nach einer Minute mit einer Fahndung. Man zieht die Mr. X-Karte – aus! Das ist tatsächlich vorgekommen, das Erstaunen am Tisch ist gross. Irgendwie befriedigt ein derartig abruptes Ende nicht wirklich. Dagegen lässt sich einwenden, dass es auch manch spannende, lustige, unterhaltsame Partie gab. Dies aber vor allem zu fünft. Mit drei Spielern ist das Kartenspiel eher schwach, es fehlt an Konkurrenz. Mit vier Spielern funktioniert es, mit fünf ausserordentlich gut. Jeder möchte in die Rolle von Mr. X schlüpfen, sich unerkannt durch die Aktionen schmuggeln oder die Karte rechtzeitig wieder abtreten. Scotland Yard – Das Kartenspiel hat sehr viele Gesichter. Aber man muss das richtige für sich entdecken.

Scotland Yard – Das Kartenspiel | Autoren: Inka und Markus Brand | Verlag: Ravensburger
Kartenspiel für 3-5 Personen | Spieldauer: 20-30 Minuten | Ab 9 Jahren | Benötigt: Pokerface und glückliche Kombinationsgabe | Wiederspielreiz: gross

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