Switch & Signal – Spielkritik

Der Güterverkehr rollt, erst gemächlich, dann immer schneller. Beim kooperativen Switch & Signal stellt man gemeinsam die Weichen zum Erfolg, damit die Waren den sicheren Hafen erreichen – und das ist eben gar nicht so sicher. Eine Knobelaufgabe für die ganze Familie.

Switch & Signal

Der Spielplan mit dem Streckennetz von Europa oder Nordamerika zeigt, wohin die Reise geht. Von unterschiedlichen Startpositionen treten die Güterloks ins Schienennetz ein, passieren Städte und holen sich Fracht, um am Ende am Hafen die Ware zu verladen. Diese Aufgabe bewältigt man gemeinsam, denn die Signale und Weichen auf dem ganzen Netz erfordern die volle Aufmerksamkeit aller Spieler und einen guten Überblick. Die Lokomotiven sind nämlich in unterschiedlichem Tempo unterwegs und niemand weiss so genau, welche Loks sich demnächst bewegen. So beginnt ein Wettkampf gegen die Zeitmarker, der ein gutes Management zur freien Fahrt erfordert.

Switch & Signal ist kein kompliziertes Spiel, doch mit der Zeit tummeln sich so viele Loks auf den Schienen, dass es schwierig ist, den Überblick über Weichen, Signale und Ziele zu behalten. Das Spiel ist zwar kooperativ, es darf jederzeit beraten werden, doch der aktive Spieler bestimmt schlussendlich selber über seine Aktionen. Ein Spielzug beginnt immer mit einer Fahranweisung. Die auf der zufällig aufgedeckten Karte abgebildeten Aktionen muss man ausführen. Nur durch eine Fahranweisung kommt eine neue Lok auf die Schienen. Der Startort wird ausgewürfelt. Auch Zugbewegungen finden so statt. In dieser Phase bewegt man sämtliche Loks einer Farbe, ausser sie befinden sich noch im Depot. Zugbewegungen würfelt man aus. Schwarze Loks fahren am weitesten, braune sind mittelmässig schnell, graue eher langsam.

Switch & Signal

Danach arbeitet man seine Aktionskarten ab. Von ursprünglich 5 Handkarten setzt man so viele ein, wie man möchte. Am Ende des Spielzugs zieht man wieder 5 Karten nach bis zu einem Limit von 10 Handkarten. Doch was können diese Karten? Einzelne Züge können bewegt werden, wieder kommt der Würfel zum Einsatz. Doch viel wichtiger: Jetzt gibt es Karten, mit denen man Signale oder Weichen stellt. Denn nur Züge, die freie Fahrt haben, behindern den Verkehr nicht und lösen damit keine Zeitstrafen aus. Durch 2 beliebige Aktionskarten nutzt man eine Aktion nach Wunsch. Mit einer beliebigen Karte belädt man eine Lok in der Stadt.

In Städten stoppen die Züge immer. Das kostet nichts. Verfallen jedoch unterwegs Bewegungspunkte, weil eine Weiche oder ein Signal nicht gestellt ist, kostet das ein Zeitplättchen. Kann man eine Lok nicht einsetzen, weil bereits eine andere Lok auf dem ausgewürfelten Startort steht, kostet das 2 Zeitplättchen. Wer einen Zug auf einen Startort lotst, und damit in eine Sackgasse, bezahlt 2 Zeitplättchen. Die Lok kommt zudem zurück ins Depot. Fehler lassen sich nicht immer vermeiden bei Switch & Signal, sind jedoch alle Zeitplättchen verbraucht, füllt man sie wieder auf gegen die Abgabe der obersten Fahranweisung des Stapels. Damit reduziert man das Spiel um eine Runde, denn die Fahranweisungen geben die Rundenzahl vor. Sind alle aufgebraucht, endet das Spiel.

Switch & Signal

Nun ist alles eine Frage der Planung. Die Loks sollen die Städte anfahren, Ladung aufnehmen und sie im Hafen abladen. Das erfordert Voraussicht und eine gute Streckenplanung. Drei Mal kann man Helfer mit Spezialfähigkeiten bemühen. Auf der Europakarte beispielsweise erneut würfeln, Städte passieren oder alle Züge einer Farbe auf der Fahranweisung ignorieren.

Die Zeit ist knapp. Bringen die Spieler alle Waren in den Hafen, gewinnen sie. Ist die letzte Fahranweisung gespielt das Schiff nicht komplett beladen, verlieren sie.

Switch & Signal bietet viele Stellschrauben, um das Spiel anzupassen. Das ist gut so, denn die Herausforderung ist gross. So kann man die Anzahl der Zeitplättchen variieren, die Startorte auslosen, mehr Waren ins Spiel bringen. Mit der Karte von Nordamerika bedient man gleich 2 Häfen. Das Eisenbahnerleben ist hart, es gibt genug zu tun.


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Fazit

Bei Switch & Signal fühlt man sich tatsächlich wie bei der Modelleisenbahn. Das Planen der freien Strecken erfordert Übersicht, und manchmal auch eine Lösung mit dem kleinsten Übel. Mit den Aktionskarten lässt sich zwar an einigen Stellen nachbessern, doch die Fahranweisungen und die Würfel hat man nie im Griff. Sie können einen beträchtlichen Glücksanteil ins Spiel bringen. So entwickeln sich die Partien ganz unterschiedlich – und fordern die Spieler immer neu heraus. Switch & Signal ist eine richtige Knacknuss. Mal erschienen die Loks erst spät im Spiel, mal schleichen sie durch die Landschaft, mal erscheinen sie nur auf der linken Hälfte der Karte. Auf solche Probleme muss man reagieren. Erwischt man eine Welle der freien Fahrt, geniesst man den Spielfluss. Doch schon im nächsten Moment stockt es an mehreren Stellen und Krisenbewältigung ist gefragt. Zum Glück bietet das Spiel neben den Weichen noch viele Stellschrauben, mit denen man einen Gang herunter schalten kann. Mehr Zeitplättchen ins Spiel nehmen oder beim Spiel mit Kindern die Einsetzwürfel mal weglassen. Hier darf man getrost am Spiel schrauben, um es der Spielgruppe anzupassen. Diese Anpassungen erhalten auch die Spannung, denn man kann Switch & Signal auch schwieriger gestalten. Doch dazu braucht es ganz bestimmt einige Partien mit eisenbahnerischen Erfahrungswerten.

Alles über Switch & Signal

Switch & Signal | Autor: David Thompson | Illustration: Claus Stephan | Verlag: Kosmos

Spielerzahl: Eisenbahnspiel für 2 – 4 Personen
Spieldauer: ca. 45 Minuten
Altersangabe: ab 10 Jahren
Benötigt: Frei Fahrt im Schienennetz
Wiederspielreiz: gross

Geeignet für 2 Spieler: sehr gut
Beste Spielerzahl: 2 – 4 Personen
Richtet sich an: Familie

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