Tackle – Spielkritik

Ein klassisches Brettspiel für die heutige Zeit zu entwerfen, ist mutig. Mit Tackle liegt nun ein Strategiespiel für 2 Personen vor – sozusagen Schach mit Spielsteinen im direkten Duell. Auge in Auge, Stein um Stein. Ein Denkspiel par excellence!

Tackle 1Auf einer Spielfläche, die in 100 Quadrate eingeteilt ist, versuchen die Spieler, ihren job zu erledigen. Der ist frei wählbar besteht aus einem Muster, das mit einer unterschiedlichen Anzahl Steinen aufs Spielbrett gelegt werden soll. jobs aus 3 Steinen sind dementsprechend einfacher zu erledigen, als jobs mit 8 Steinen. Als Spielsteine dienen Würfel in den Farben weiss und schwarz.

In der Eröffnung legen die Spieler ihre Steine abwechselnd auf die Felder des Spielfeldrandes (border). Von dort dürfen die Steine nachher ins Spielfeld (court) gezogen werden – waagrecht oder senkrecht. Ecksteine haben auch ein diagonales Zugrecht. Ein Überspringen von Spielsteinen ist verboten. Eigene Steine können sich jedoch zusammenschliessen und gemeinsam verschoben werden.
Tackle 2Mit diesen wenigen Regeln ist man schon mittendrin in einem hirnlastigen Offensiv- und Defensivspektakel. Tackle lebt von der Mischung aus Erfüllen des eigenen jobs und Verhindern des gegnerischen. Züge müssen durchdacht sein und den Gegner im besten Fall auch wieder in einen Zugzwang bringen, so lange, bis es gelingt, den job zu erfüllen.

Tackle beinhaltet noch ein paar Raffinessen. Grössere Blöcke können kleinere gegnerische Blöcke auf dem Spielfeld verschieben. So lohnt es sich oft, spielerische Stärke zu demonstrieren. Ein Goldstein (gelb) gleicht den Startspielervorteil von weiss aus. Er liegt so lange unbeweglich im Spielfeld, bis alle Steine den border verlassen haben. Und grosse Strategen nutzen den Opferzug (worm). Mit ihm zieht man einen Block aus dem Spielfeld, damit er auf der anderen Seite wieder erscheint – allerdings mit einer Ebene weniger.
So sollte es jedem Spieler gelingen, seinen job vernünftig zu erledigen!

Fazit:
Tackle erscheint auf den ersten Blick simpel und einfach: Klare und wenige Regeln, eindeutige Aufgabenstellung und keine unnötige Ablenkung am Spielbrett. Schon nach wenigen Partien erahnt man jedoch die Spieltiefe. Man verliert sich in Spielzugtheorien, überlegt sich strategische Winkelzüge und sieht sich plötzlich in der Defensive, da der Gegner die eigenen Pläne durchkreuzt. Bei Tackle hat man nie ausgelernt. Je grösser der job, desto schwieriger wird die Annäherung. Die Denkleistung ist enorm, die Partien sind zeitlich nach oben offen.
Die Aufgabenstellung, ein klassisches Spiel in die Moderne zu übertragen, ist eindrücklich geglückt. Wer strategische Denkspiele im direkten Duell mag, sollte sich Tackle unbedingt ansehen. Die Erfinder von Miss Lupun haben wieder einmal ganze Arbeit geleistet. Was die sich wohl dabei gedacht haben?

Tackle | Autoren: Thomas Sing und Ralf-Peter Gebhardt | Verlag: Süddeutsche Zeitung Edition
Strategiespiel für 2 Personen | Spieldauer: 10 – ??? Minuten | Benötigt: Räumliches Denken beim job | Wiederspielreiz: sehr gross

Besten Dank an die Süddeutsche Zeitung Edition für ein Rezensionsexemplar von Tackle!

> Auf der Webseite von Tackle findet man zusätzliche Informationen zum Spiel oder kann in einer Live-Partie gegen die Spielautoren antreten.

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