The Mind – Spielkritik

The Mind ist ja total ein Spiel für Körper und Geist. „Eins werden“ am Spieltisch, die Mitspieler spüren bis in die eigene Fingerspitze, um gleich danach satte Vorwürfe zu kassieren, wenn es nicht geklappt hat. Spielt man so ein Kartenspiel trotzdem immer noch gerne – dann ist man in einer anderen Dimension angelangt.

The MindDamit man sich im Geiste annähert, befreit man sich von unnötigem Ballast. Keine Angst, das übernimmt das Spiel ganz alleine und schmeisst schon einmal alle überflüssigen Regeln von Bord. Was übrig bleibt, ist des Pudels Kern, eine Essenz des spielerischen Miteinanders oder eben: The Mind!
Simple Zahlenkarten von 1 bis 100 legt man aus, aufsteigend. Und nun der Clou: Ohne ein Wort untereinander auszutauschen. Der geistige Zustand soll sich schrittweise erweitern, daher hangelt man sich von Level zu Level in höhere Sphären. In Level 1 besitzt jeder Spieler nur eine Karte, die man schön in aufsteigender Reihenfolge in die Mitte legt. Level 2 startet mit zwei Karten, Level 3 mit drei, das Steigerungspotenzial liegt auf dem Tisch. Überschreitet ein gelegter Wert die Handkarte eines Spielers, hat man sich verzockt. Natürlich liefert The Mind einige Ansätze, die man spielerisch befolgen sollte. Etwas unüblich mutet die Startkonzentrationsphase an: Alle Spieler legen eine Hand in die Tischmitte. Ziehen sie zurück, beginnt die ausspielende Ruhephase. Was erst ganz komisch wirkt, wird schnell als wichtiger Starthilfe empfunden. Es ist der Aufruf zum Boarding, ein Fokussieren auf das Wesentliche. Danach sucht man den Flow. Tiefe Zahlen oder kleine Abstände spielt man bedenkenlos eher schneller. Werden die Abstände grösser, werden Sekunden zu Minuten und die Spannung steigt.

The Mind

Je nach Spielerzahl besitzt die Spielgruppe eine gewisse Anzahl an Leben. Legt jemand eine zu hohe Karte auf den Stapel, erwischt es die Gruppe. Bei einem Fehler gibt man eine Lebenskarte ab, sortiert kleinere Zahlenwerte aus und weiter geht das Spiel. Heben alle Spieler die Hand, setzen sie einen Wurfstern ein. Er eliminiert die kleinste Zahlenkarte in jeder Spielerhand. Das gibt Aufschluss über die aktuelle Situation und rettet vielleicht über eine kritische Stelle hinweg. Lebenskarten und Wurfsterne kann man nach erfolgreich absolvierten Leveln wieder dazu gewinnen.
Übersteht die Spielrunde das letzte Level, das kann bis zu 12 Karten lang dauern bei 2 Spielern, sind die überirdischen Sphären erreicht.

The Mind

Eine Variante mit verdeckter Kartenabgabe sorgt dann für zusätzliche Unterhaltung – und die ist wirklich sehr schwierig.

Fazit

Die Erkenntnis ist nicht neu: Es braucht wenig für ein gutes Spiel. Mit The Mind sind wir nahe an der Meditation, spüren unsere Mitspieler, deuten Fingerzucken und entgleitende Gesichtszüge – dabei legt man doch nur Karten aus. Das Spiel ohne Worte fasziniert auch Skeptiker nach der ersten Runde. Steht einer nur ansatzweise quer, spielt man sich nicht weit in den übersinnlichen Olymp. Das kratzt am Ego und schon beim nächsten Versuch klappt es besser. Das ist der Moment, in dem man von The Mind gefangen ist. Simples Spielprinzip, bei dem es natürlich auf die Spielrunde ankommt, schliesslich geht es um Harmonie bei der Suche nach dem gemeinsamen Feng Shui. The Mind ist ganz einfach ein Knaller, ‚tschuldigung, eine Offenbarung. Bitte spielen!

The Mind | Autor: Wolfgang Warsch | Verlag: Nürnberger-Spielkarten-Verlag
Kartenspiel für 2-4 Personen | Spieldauer: 15 Minuten | Ab 8 Jahren |  Benötigt: Ruhe und Kraft in Verbindung mit aufsteigender Tendenz | Wiederspielreiz: sehr gross

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2 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Volltreffer! Ich bin völlig „eins“ mit dir – eine kosmische Verschmelzung unserer Seelen scheint auch fern vom Spieltisch über das Internet möglich!

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