Yangtze – Spielkritik

Auf den ersten Blick ist Yangtze ein schönes, rundes Spiel, das sich immer schön flussabwärts bewegt. Auf den zweiten Blick ein knallhartes Handelsspiel, bei dem das Geld ebenso schnell abfliesst, wie das Wasser am Fluss.

Der Yangtze, der längste Fluss Asiens, liegt im Zentrum des Spiels. Vor Shanghai stauen sich die Boote mit ihren Gütern und warten auf ihre Abnehmer. Die Preise werden kleiner, je mehr man sich der Stadt nähert. Mit ein wenig Geduld bezahlt man keine Mondpreise mehr für die Waren, die in zwei Sorten aufgeteilt sind. Die Luxusgüter (Vasen, Flaschen, Teekessel etc.) und die Güter des täglichen Konsums (Bambus, Reis, Teeblätter etc.) sollen möglichst günstig eingekauft und später zu einem besseren Tarif wieder verkauft werden. Die Tarife sind immer gleich, für Sammel-Kombinationen aus Gütern gleicher Farbe oder gleichen Gütern unterschiedlicher Farbe erhält man einen deutlich besseren Preis. Der Konkurrenzkampf spielt natürlich mit, wenn mehrere Spieler dasselbe sammeln.

Der Spielzug eines Spieler läuft ganz einfach ab: Erst kann ein Warenbündel verkauft werden, danach darf man genau eine Ware am Fluss einkaufen. Verkaufte Waren werden am Ende des Spielzuges wieder ersetzt. Aus einem Beutel zieht man zufällig ein neues Stück nach, das sich von ganz oben am Fluss auf den Weg nach Shanghai macht. So rutschen die Güter immer weiter nach vorne.
Im Beutel befinden sich noch weitere Plättchen. Niederlassungen zum Beispiel, die man sammeln soll, um am Ende zusätzliches Geld zu verdienen. Auch hier zählen möglichst unterschiedliche Gruppen, aber auch die meisten Gebäude einer Art werden am Ende belohnt. Niederlassungen versteigert man. Jeder Spieler gibt der Reihe nach ein Angebot ab, bis nur noch einer übrig bleibt. Was ist ein angemessener Preis für ein Gebäude?

Herrscherplättchen sind ebenfalls im Beutel zu finden. Sie lösen eine Aktion aus, nicht immer zur Freude der Spieler. Da muss man Steuern zahlen, ein Warenplättchen abwerfen oder man gewinnt auch mal ein wenig Geld für die passenden Gebäude. Sind alle 12 Herrscherplättchen aus dem Spiel, endet die Partie und die Schlussrechnung beginnt.

Jeder Spieler besitzt auch noch 6 Sonderkarten, die er genau ein Mal einsetzen darf. Mit den Sonderkarten holt man sich neues Geld, verkauft seine Waren einmal ausserordentlich, darf gleich zwei Mal einkaufen oder kriegt eine Ware umsonst.

Am Ende zählt das Geld. Die Niederlassungen werden abgerechnet und auch die Geld-Sonderkarten, die man noch nicht eingesetzt hat, sind am Ende bare Münze wert. Ihr Einsatz sollte also gut überlegt sein.

Fazit

Yangtze ist ein schönes Spiel. Der Ablauf fliesst, wie die Boote auf dem Fluss. Oberflächlich. Doch die Schiffe haben Tiefgang, nämlich die Kalkulation. Mit den an- und verkauften Waren finanziert man sich die Niederlassungen, die am Ende ganz viel Geld einbringen. Nur vom Handel wird man nicht reich, dafür sind die Preise am Fluss, auch bei niedrigster Stufe, zu gesalzen. Und so hört man am Spieltisch häufig den Satz: „Einen Moment, ich muss mal kurz durchrechnen.“ Das sollte man dringend. Panikkäufe machen nicht reich, wer einfach drauf los spielt, wird scheitern. So entscheiden für mich die Niederlassungen über Sieg und Niederlage. Der Warenhandel ist Vorgeplänkel. Da man nie weiss, wann die Niederlassungen auftauchen, ist es wichtig, trotzdem immer gut bei Kasse zu sein. Man überlässt den Mitspielern ja so ungern etwas. Einige der Herrscherplättchen gefallen mir gut, doch auch ihr Zeitpunkt des Auftauchens ist wichtig. Es kann gut sein, dass ein Herrscher ins Leere läuft, wenn er zum Beispiel Steuern für Niederlassungen will und noch gar keine im Spiel sind. Wer sich gerne auf einen knallharten, rechnerischen Wettstreit einlässt, ist mit Yangtze gut bedient. Es hat alles, was ein gutes Spiel ausmacht: Handel, Aktionen, Geld, Kombinationen.

Yangtze | Autor: Reiner Knizia | Verlag: Piatnik
Brettspiel für 2-4 Personen | Spieldauer: 45-60 Minuten | Ab 8 Jahren | Benötigt: Fliessenden Handelssinn mit unterschiedlichen Gütern | Wiederspielreiz: gross

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