Nach zahlreichen Rätselkrimi-Formaten und zuletzt den Medical Mysteries lanciert Kosmos ein neues Format. Bei Ihr seid die Jury: Zwei Gesichter – ein Schuss nimmt man als Geschworene an einem Gerichtsfall teil. Am Ende muss ein Urteil gefällt werden.

Die ganze Geschichte ist ein wenig amerikanisch angehaucht, aber es handelt sich um einen echten Fall. Basierend auf True Crime nehmen wir also als Geschworene im Gerichtssaal Platz und hören uns an, was die Staatsanwältin, die Verteidigung und die Zeugen zu sagen haben. Unbedingt nötig ist die Kosmos-App, mit der man sämtlichen Aussagen mühelos anhören kann. Nach einer kurzen Einführung in den Spielablauf geht es auch schon los. Ein Kartenstapel führt durch das Spiel, das am Ende ein Urteil erwartet.
Und so wird gespielt:
In den folgenden Zeilen wird inhaltlich natürlich nichts verraten, was den Rätselspass mindern könnte. Konkret geht es um den Tod von Brian Jones, der vor einem Tanzclub erschossen wurde. Der Täter flüchtete vom Tatort und wurde erst Wochen später verhaftet. Nun steht Jeff Walker vor Gericht, das Verfahren gegen seinen Zwillingsbruder Ray Walker, der als Komplize verurteilt werden soll, findet zu einem späteren Zeitpunkt statt.

Nach den Eröffnungsreden der Richterin, der Staatsanwältin und des Verteidigers geht es konkret zur Sache. Am ersten Tag erscheinen vier Zeugen vor Gericht, die ihre Aussagen machen und ins Kreuzverhör des Verteidigers kommen. Sämtliche Gespräche hören wir als Audio-Aufnahme mit. Auf einem Zettel können wir uns notieren, ob das Gehörte eher für einen Schuldspruch oder für einen Freispruch reicht. Wie echte Geschworene müssen wir uns aber vor allem die unterschiedlichen Positionen anhören, um uns ein Bild zu machen.
Nach dem ersten Tag erhalten wir Zeit für eine erste Besprechung, die wir anhand einiger Leitfragen führen. Zudem dürfen wir uns die Eindrücke eines anderen Geschworenen ansehen. Vielleicht hilft das, um ein Urteil zu fällen.
Noch zwei weitere Tage folgen, mit je vier neuen Zeugen und Aussagen. In den Besprechungen festigen wir unsere Tendenzen.

Nach den Schlussplädoyers hilft aber alles nichts: Wir müssen zu einem Urteil kommen. Mit Plättchen zeigen wir an, wie wir zu den beiden Anklagepunkten stehen. Gibt es keine Einigung, müssen wir noch einmal in eine letzte Besprechung. Wir lautet das Urteil: Ist Jeff Walker schuldig oder nicht schuldig? Am Ende hören wir uns an, welche Folgen unser Entscheid hat.
Und weil es ein True Crime – Fall ist, erhalten wir zum Schluss das tatsächliche Urteil dieses Falls. Da die Tat bereits 2011 geschah, lässt sich das natürlich mittlerweile gut rekonstruieren.
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Fazit zu Ihr seid die Jury: Zwei Gesichter – ein Schuss
Es ist in erster Linie eine eindrückliche Geschichte, die man hier erlebt. Nach Anhörung aller wichtigen Personen muss man ein Urteil fällen, das für den Beteiligten enorme Auswirkungen haben kann. Der Wunsch nach möglichst konkreten und genauen Angaben und Beweisen ist nach jedem Zeugen und jeder Zeugin spürbar. Doch wie im richtigen Leben gilt es auch hier die Spreu vom Weizen zu trennen. Oder anders ausgedrückt: Auf welche Aussagen kann man sich verlassen und auf welche nicht? Der eigentliche Fall könnte in mehrere Nebenschauplätze abgleiten. Doch welche Informationen sind wichtig?
Der Fall beruht auf einem amerikanischen Urteil. Dort werden auch Geschworenengerichte eingesetzt. Das ist bei uns nicht üblich, aber man erkennt den Sachzwang hinter der Angelegenheit. Es entsteht ein gewisser Druck, zu einem Urteil zu kommen. Und so spielt man hier nicht um eine richtige oder falsche Lösung, sondern vielmehr um die Erkenntnis, was man wie schwer gewichtet und wertet. Eine Rätselaufgabe, die mir in dieser Art gefällt.
Fakten zu Ihr seid die Jury: Zwei Gesichter – ein Schuss
Autor: Jacob Berg
Illustrationen: Hanna Wenzel
Verlag: Kosmos
Spielerzahl: 2 – 5 Personen
Spieldauer: 120 Minuten
Altersangabe: ab 14 Jahren
Benötigt: Ein Urteil
Wiederspielreiz: gross
Geeignet für 2 Spieler: sehr gut
Beste Spielerzahl: 2 – 5 Personen
Richtet sich an: Familie




