Stone Age Junior – Spielkritik

Den steinigen Weg durch die spielerische Steinzeit bewältigt man am besten mit einem Mammut. Das hat sich wohl auch die Jury gedacht – und Stone Age Junior kurzerhand zum Spiel des Jahres 2016 gewählt. Neben zwei, drei anderen Gründen…

Tolles Spielmaterial lacht einem entgegen, wenn man in die steinzeitliche Schachtel blickt. Oder waren da nicht ursprünglich mal ein paar Beeren mehr dabei? Später mehr dazu. Ähnlich wie beim Spiel für die Erwachsenen (Stone Age) geht es um das Sammeln und Tauschen von Waren. Die Aktionen sind jedoch einfacher und übersichtlicher gehalten. So bewegt man die Spielfigur auf einem vorgegebenen Pfad und steuert sie mit den Waldplättchen, die sich aussen um das Spielfeld befinden.

Die Waldplättchen zeigen eine Würfelzahl oder ein Symbol. Entweder marschiert man die aufgedeckte Punktzahl vorwärts oder bewegt sich direkt zum angezeigten Gegenstand. Auf den entsprechenden Aktionsfeldern erledigt man seine Arbeit. Bei Beere, Fisch, Krug, Pfeilspitze oder Zahn sammelt man eine Ware und legt sie verborgen zu seiner Siedlung. Auf dem Tauschfeld tauscht man eigene Waren gegen ausliegende auf dem Feld. Beim Hundefeld schnappt man sich ein Hundeplättchen. Sind alle bereits weg, bedient man sich bei einem Mitspieler. Beim Bauplatz tauscht man waren gegen eine Hütte ein. Drei Hütten liegen immer offen aus und zeigen die aktuelle Nachfrage an. Besucht ein Spieler den Bauplatz, dreht er anschliessend alle Waldplättchen wieder um und vertauscht noch zwei von ihnen. Danach beginnt der Waldspaziergang wieder von vorne.

Ach ja, die Hundeplättchen setzt man beim Hüttenbau als Joker ein. Sie ersetzen eine fehlende Ware. Wer zuerst drei Hütten auf seine Siedlung bauen konnte, gewinnt den steinzeitlichen Wettkampf und einen Ritt auf Mammut Martin.

Fazit

Material und Illustrationen bei Stone Age Junior sind einfach toll. Es wird sofort kindliches Steinzeitgefühl vermittelt. Und wer nicht weiss, weshalb so wenige Beeren in der Schachtel liegen, soll mal bei den Sträuchern genauer hinschauen. Das Spiel ist eine Mischung aus Wettrennen, Tausch und ein wenig Memory. Nach dem ersten oder zweiten Drehen der Waldplättchen merkt man sich, wo sich welche Werte befinden und steuert die Aktionsfelder schon bald ziemlich zielgerichtet an. Das Spiel nimmt Fahrt auf, denn man muss sich beeilen, sonst schnappt sich jemand die gewünschte Hütte vor der Nase weg. Stone Age Junior ist für die Kinder ein schöner Einstieg in die anspruchsvollere Spielewelt: Sammeln und tauschen – das machen die Kinder heute noch gerne.

Stone Age Junior | Autor: Marco Teubner | Verlag: Hans im Glück
Kinderspiel für 2-4 Personen | Spieldauer: 15 Minuten | Ab 5 Jahren | Benötigt: Sammeltrieb und Tauschreflex | Wiederspielreiz: sehr gross 

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Bilder von der Spielwarenmesse 2017 in Nürnberg

Hier also einige Spiele-Neuheiten, die auf der Spielwarenmesse 2017 vorgestellt wurde. Die Galerie ist nicht komplett. Queen Games hat beispielsweise gleich einige Neuheiten am Start, moses legt ein weiteres Quiz nach, Iello lässt die Kampfhasen raus und Berge erklimmen (allerdings wohl erst im Herbst). Und einige Spiele liegen noch nicht in der endgültigen Version vor. Die Erscheinungstermine sind mal früher oder später angesetzt, auf jeden Fall aber im Frühjahr 2017.

Yamatai – Errichte die Hauptstadt für den König.

Die Händler von Osaka – Kartenspiel zum Warenhandel in japanischen Gewässern

Valletta – ein Kartendeckbauspiel bei Hans im Glück

Citadels – Neuauflage von Ohne Furcht und Adel

Die Gärten von Versailles – Legespiel mit Kampf um die besten Plättchen

Farbige Würfel, keine Downtime, viel Spass – twenty one

Tembo ist kein Ponyhof. Mit dem Krokodil geht’s ganz schön zur Sache.

Qwinto: Das Kartenspiel – Es fehlt eine Farbe, geht das trotzdem?

El Dorado – Reiner Knizia war für Ravensburger tätig

Crazy Race – Rennspiel mit wechselnden Motoren, äh Tieren

Paku Paku – Das kurze Geschicklichkeitsspiel mit den süssen Tellern

Scotland Yard – Das Kartenspiel. Bekannter Name, anderes Spielgefühl. Macht neugierig

Die Höhle der Löwen – Ravensburger hat auf dem Transfermarkt zugeschlagen und holt sich das Spiel. Erscheint im Herbst in einer neuen Version.

Exit – Das Spiel. Endlich sind drei neue Abenteuer in Sicht.

5 Minute Dungeon von Kosmos – Hektische 5 Minuten stehen bevor

Holmes – Das neue 2-Personenspiel bei Kosmos

Mag-o-Mag – Kooperatives Magnet-Labyrinth

Gruselgrütze – Gemeinsames Kochen mit dem Zauberstreuer

Das Fundament der Ewigkeit – Wir freuen uns auf Herbst 2017

Schnippen, zielen, treffen bei Zoch

Tabula Rasa – Würfel-Einsetzspiel am Buffet. Erscheint bei Zoch

Leinen los! – Der Klasiker in neuem Gewand bei Zoch

Floh am Po – Witziges Hunderennen mit klebrigen Flöhen

Yam Yam – Das Jahr der Igel in einem sehr schönen Kartenspiel von Zoch

Lecker Mammut! – Wer will das schon ausschlagen?

Déjà-vu oder doch noch nie gesehen? Gedächtnis-Training

Sheep & Thief – Familienspiel bei Pegasus

Mein Traumhaus – Der Titel sagt alles. Baue!

Frogriders – Hier springen die Frösche und lösen Aktionen aus

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Spielwarenmesse 2017 in Nürnberg

Der erste, spielerische Grossanlass im Jahr ist ganz klar die Spielwarenmesse in Nürnberg. Die Messe richtet sich an Händler und die Presse, dementsprechend ist auch das Angebot ausgerichtet. Brett- und Kartenspiele sind nur ein kleiner Teil des grossen Ganzen. Und nicht alle vorgestellten Spiele sind bereits im finalen Zustand. Ein kurzer Messebericht.

In Nürnberg bietet sich den Verlagen die Chance, auf ihr grosses Spielprogramm hinzuweisen, die Händler in die Spiele kurz einzuführen und sie ihnen schmackhaft zu machen. Das Angebot ist daher im Familienspielbereich breit aufgestellt. Oder anders ausgedrückt, wie mir mein lokaler Spielwarenhändler erst gerade verkündete: „Ich mache in Nürnberg meinen Jahreseinkauf.“ Im Bereich der Brett- und Kartenspiele bedeutet das auch: Nicht alles ist schon in der Endfassung verfügbar. Die Spiele können an der einen oder anderen Stelle ausprobiert, erklärt und angespielt werden, häufig sind es aber noch Prototypen, die ausliegen. Oder das Cover ist noch nicht in der endgültigen Fassung, es kann sich noch einiges ändern.

In Nürnberg dreht sich daher vieles auch um Begegnungen. Beziehungen werden geknüpft, Gespräche gesucht – Business eben. Nürnberg ist aber weniger hektisch und bedeutend ruhiger als die SPIEL in Essen. So erfährt man Dinge zwischen den Zeilen, hört schon ein erstes Mal über Pläne für den Herbst, unterhält sich über gemachte Spielerfahrungen, würfelt eine Runde mit dem Spielautor persönlich und lässt sich mal zu einem gemütlichen Zusammenspiel einladen. So soll es sein.

Bei den Bildern zur Spielwarenmesse 2017 gibt es einige Neuheiten zu sehen. Einige Spiele sind bereits veröffentlicht, andere erscheinen erst im nächsten halben Jahr. Doch Vorfreude ist ja bekanntlich die grösste Freude…

» Ab zur Bildergalerie der Spielwarenmesse 2017

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Exit – Das Spiel: Die verlassene Hütte – Spielkritik

Bei der Exit – Das Spiel-Reihe weiss man gar nicht so recht, worin das Abenteuer besteht. Ist es die Geschichte selbst? Oder doch vielleicht die Tatsache, darüber zu berichten, ohne auch nur ein kleines Detail zu verraten? Wer genug Mut aufbringt, wagt sich in Die verlassene Hütte.

Die Exit-Reihe orientiert sich an den Escape-Spielen, bei denen man Abenteuer in einem Raum und einer vorgegebenen Zeit lösen muss. Meist gewinnt man durch das Wissen und den Einfallsreichtum der gesamten Gruppe, die zum Spiel antritt. Kosmos bringt solche Spiele nun in einer kleinen Schachtel auf den Tisch. Gespielt wird genau ein Mal, danach sind die Rätsel bekannt, das Material eventuell ruiniert und die Spieler hoffentlich wieder in Sicherheit.

Die Geschichte

Nach einer Autopanne in der Wildnis findet man zum Glück Unterkunft in einer verlassenen Hütte. Erst am nächsten Morgen bemerkt man: Die Hütte ist verschlossen, verriegelt und mit Eisenstäben gesichert. Wie kommt man aus dem dubiosen Gefängnis wieder raus, bevor noch Schlimmeres geschieht?

Der Spielablauf

Nachdem die kurze Anleitung allen bekannt ist, beginnt das Rätselabenteuer auch schon. Eine Decodierscheibe hilft beim Ermitteln von Zahlencodes. Nur wer zahlreiche Schlösser knackt, entflieht dem Gefängnis. Hinweise liefert ein Buch, das auf den ersten Blick ziemlich wirr und undurchsichtig erscheint: Einiges an Inhalt, wenig an Aussagekraft. Und dann gibt es noch zahlreiche Karten. Rätsel-Karten nimmt man sich, wenn man auf entsprechende Hinweise stösst. Mit Hilfe der Lösungs-Karten überprüft man das Rätselgeschick – oder erhält anstachelnde Sprüche, wenn man sich in die falsche Richtung verlaufen hat. Die Hilfe-Karten geben Tipps in Notsituationen. Sie sind schön abgestuft. Sollte ein erster und ein zweiter Tipp nicht den gewünschten Erfolg bringen, kann man ein Rätsel auch komplett auflösen, um in der Geschichte voranzukommen.

Am Ende entscheiden die Zeit und die Anzahl der benötigten Hilfe-Karten über die Teamleistung. Als kleiner Tipp: Mit der Kosmos-App erhält man eine Stoppuhr, passende Hintergrundgeräusche und die Auswertung gleich mit serviert.

Fazit

Keine Frage: Wenn man sich umhört, ist die Exit-Reihe ein totaler Erfolg. Einzelne Abenteuer waren zwischenzeitlich nicht verfügbar und im Frühjahr sind bereits neue Abenteuer angekündigt. Weshalb ist das so, bei einem Spiel, das man nur ein Mal erleben kann? Das Geheimnis ist schnell gelüftet. Das Rätsel-Abenteuer fasziniert und zieht die Spieler sofort in ihren Bann. Die Spielzeit (wir haben die Stunde ganz knapp unterboten) vergeht wie im Flug. Man hangelt sich von Rätsel zu Rätsel, puzzelt sich seine Gedanken zusammen, verfolgt die eine oder andere Spur – und keiner traut sich vom Tisch weg. Der Schwierigkeitsgrad der zu lösenden Codes ist unterschiedlich, trotzdem wird keine Lösung auf dem Silbertablett serviert. Dazu kommen noch überraschende Momente. Das Autorenduo hat tatsächlich alles ins Spiel verarbeitet, was es zur Verfügung hatte. Die verlassene Hütte ist auf jeden Fall grossartige Unterhaltung, und leider auch einmalig. Es bleibt die grosse Lust auf weitere Abenteuer, der nächste Spieltermin ist gesetzt.

Exit – Das Spiel: Die verlassene Hütte | Autoren: Inka und Markus Brand | Verlag: Kosmos
Escape-Spiel für 1-6 Personen | Spieldauer: 45-90 Minuten | Ab 12 Jahren | Benötigt: Verstand, Intuition und starke Nerven | Wiederspielreiz: sehr gross, wenn auch leider nicht mehr im gleichen Abenteuer

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Dynasties – Spielkritik

Eigentlich ist Dynasties ja eine klassische Angelegenheit von Rückfall. Da hat Autor Matthias Cramer gerade noch in Helvetia die ganze Schweiz verbandelt, jetzt heiratet er gleich europaweit weiter. Nun gut, wenn man dadurch an die Macht kommt…

Dynasties ist ein komplexeres Spiel, das zwar einfachen Grundmechanismen nachgeht, sich aber weit verzetteln kann. Gespielt wird in drei Durchgängen, die Handkarten bestimmen jeweils die Aktionsmöglichkeiten, für die Durchführung benötigt man passende Ressourcensteine. Die Handkarten erlauben mindestens drei mögliche Aktionen, aus denen man jeweils eine wählt. Schwarze oder weisse Steine braucht man für das Einheiraten in den Städten Europas, mit goldenen Steinen heiratet man deutlich günstiger, aber nur in den auf den Karten vorgegebenen Städten. Blaue Steine setzt man ein, um sich die Hilfe von Persönlichkeiten mit diversen Bonusaktionen zu sichern. Jeder Promi steht pro Durchgang allerdings nur ein Mal zur Verfügung. Die pinken Steine nutzt man zum Tausch gegen eine beliebige andere Ware. Zudem retten sie Ledige vor dem Gang ins Kloster nach dem 2. Durchgang.

Mit diesen Grundmechanismen weiss man, wie man agieren kann. Doch ganz viel läuft bei Dynasties eben zwischen den Zeilen. In einigen Städten holt man sich zusätzliche Aktionsmöglichkeiten, Punkte oder Landeswappen für die Schlusswertung. Da man in jedem Durchgang nur eine gewisse Anzahl an Handkarten besitzt, macht es Sinn, sich weitere zu ergattern. Das erledigt man über die Persönlichkeiten oder als Bonusaktion in der Durchgangswertung. Dort kann man sich mit pinken Steinen ebenfalls in der Reihenfolge weit vorne einkaufen, um zuerst eine Wahl vorzunehmen. Die Aufzählung liesse sich locker weiterführen. Es gibt genug Möglichkeiten, um sich zu beschäftigen.

Besonders schön ist der Verteilmechanismus bei erfolgreichen Hochzeiten oder beim Handel im Hafen. Bei beiden Bereichen gibt es jeweils ein grösseres und ein kleineres Einsetzfeld. Wer auf dem kleinen Feld sitzt teilt, wer auf dem grösseren Feld sitzt wählt. Bei der Hochzeitsmitgift sieht das folgendermassen aus: Spieler A (kleines Feld) würfelt mit drei Würfeln die Mitgift aus und teilt die Würfel 2:1. Spieler B wählt danach, was er aus der Hochzeit mitnehmen will. Das lässt taktischen Spielraum offen. Was legt man dem Löwen zum Frass vor? Mit den Handelswaren auf den Schiffen verfährt man genau gleich. Spieler A teilt die Ware, Spieler B wählt dafür zuerst.
Bei verheirateten Paaren kann es natürlich auch zu Kindern kommen. Die Mitgift-Würfel erledigen das in weniger als 9 Monaten.

Am Ende zählen vor allem Mehrheiten. Wer hat am meisten Mitglieder in den Ländern? Durch die flexiblen Wertungstabellen kann der Punktesegen in jeder Partie anders verteilt sein. Eine eigene Wertung gibt es für die Kronenstädte. Die muss man allerdings komplett besiedeln. Und nicht zu unterschätzen: Die Wertungskarten. Zu Beginn hält man zwei von ihnen auf der Hand. Im Laufe des Spiels kann man sich weitere holen. Am Ende eines Durchgangs darf man sie werten – je eher, desto mehr Punkte bringen sie ein.
Wer am meisten Punkte holt, gewinnt.

Fazit

Erst muss ich mal die Spielregeln loben. Hans im Glück-Regeln lesen sich meist flüssig und unterhaltsam wie ein Roman. So auch bei Dynasties. Der Grundmechanismus ist sogar ziemlich einfach, doch in vielen Aktionen stecken noch zahlreiche zusätzliche Möglichkeiten. Die Regelerklärung des Spiels kann bei einem Neuling an die 30 Minuten in Anspruch nehmen. Doch Dynasties spielt sich danach sehr flüssig. Vieles im Spiel ist logisch aufgebaut, aus den unterschiedlichen Möglichkeiten muss man nur noch das Beste für sich raussuchen. Die Handkarten geben eine gewisse Spielrichtung vor. Aus den möglichen Aktionen spielt man in Gedanken schon den perfekten Ablauf der nächsten Züge durch. Blöd, wer nicht die passenden Karten besitzt. Schon sind wir beim Faktor Glück. Ob beim Würfeln der Mitgift, beim Ziehen der Wertungskarten oder eben bei den Aktionskarten – Pläne können ohne eigenes Zutun geschmälert werden. Doch bei Dynasties kann man immer etwas machen, man fühlt sich gut beschäftigt und wähnt sich bis am Ende in aussichtsreicher Position. Wenn man nach der Endabrechnung merkt, dass bei anderen Spielern die Karten günstiger lagen, hat man sich trotzdem bestens unterhalten. Die Spielzeit vergeht, mit oder ohne Glücksfaktor, wie im Flug. Unbedingt einmal anschauen und spielen.

Dynasties | Autor: Matthias Cramer | Verlag: Hans im Glück
Brettspiel für 3-5 Personen | Spieldauer: 60-90 Minuten | Ab 12 Jahren | Benötigt: Zahlreiche Mitglieder in diversen Königshäusern | Wiederspielreiz: sehr gross

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