Kennerspiel des Jahres

Nun ist die Entscheidung also gefallen. Nein, die Spiele des Jahres sind noch nicht gewählt, aber die Kategorien stehen nun alle fest. Das Spiel des Jahres gibt es bereits seit 1979, viel später kam das Kinderspiel des Jahres dazu und ab diesem Jahr folgt nun der dritte Hauptpreis – das Kennerspiel des Jahres.
Das neue Logo ist in diesem Beitrag zu sehen. Ausgezeichnet werden Brettspiele, für die es bereits einiges an Erfahrung benötigt und die eine Herausforderung für die Spieler bedeuten. Für die Wahl ist die Jury der Kategorie Spiel des Jahres zuständig. Jurymitglied Tom Felber hat im Interview mit brettspielblog.ch bereits einiges über den Ablauf preisgegeben.

Am 23. Mai 2011 erscheinen die Nominierungslisten für die neu 3 Kategorien zum Spiel des Jahres.

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Glen More – Spielkritik

Glen More ist ein Spiel um Einfluss und Macht im Schottland des 17. Jahrhunderts. Als Oberhaupt eines Clans werden die Geschicke gelenkt im Kampf um Ressourcen, Land und Geld. Ein strategisch vielseitiges Brettspiel aus dem Hause alea.

Auf dem Spielfeld bewegen sich die Figuren immer im Kreis. Eine erste Besonderheit von Glen More: Immer der hinterste Spieler im Feld ist am Zug. So kann es vorkommen, dass ein Spieler drei Mal zieht, bevor ein anderer wieder an der Reihe ist. Gezogen wird auf Felder mit Plättchen. Auf ihnen sind Dörfer, Landschaften, Häuser oder besondere Orte: Loch Ness, Loch Oich, Loch Morar etc. Diese Plättchen kann man erwerben, um sein eigenes Gebiet zu erweitern. Einige kosten etwas, andere sind umsonst. Und auch der Nutzen ist unterschiedlich. So bringen sie Ressourcen, Whisky oder gleich Siegpunkte. Auf die richtige Mischung kommt es an.
Wenn ein neues Plättchen angebaut wird, werden alle anderen rundherum für die Produktion aktiviert und bringen sofort einen Ertrag oder eine Aktion. Bauen darf man allerdings nur dort, wo auch ein Clanmitglied anwesend ist.
So baut man langsam sein eigenes Gebiet aus und setzt Schwerpunkte in unterschiedliche Produktionen. Braucht man beim Kauf eines Plättchens gewisse Ressourcen, kann man sie auch auf dem Markt erwerben. Die Nachfrage regelt dabei den Preis. Gleiches gilt dabei natürlich für den Verkauf, der so wieder Geld einbringt.

Drei Wertungen finden in einer Partie Glen More statt. Sie sind durch den Nachschub der Plättchen genau festgelegt. Hier kommt eine zweite Besonderheit des Spiels zum Zug: Punkte werden immer im Vergleich zum schlechtesten Spieler vergeben. Verglichen werden die Whiskyproduktion, die Chieftains und die besonderen Orte. Whisky kann aus dem Spiel heraus produziert werden, Chieftains sind Oberhäupter eines Clans. Wenn man mit einem schwarzen Clanmitglied während des Spiels von seiner Landschaft zieht, wird ein neues Oberhaupt geboren. Besondere Orte sind alle „Loch“-Plättchen, die man während des Spiels erworben hat. Je grösser die Differenz zum schlechtesten Spieler ist, desto mehr Siegpunkte erhält man.
Nach der dritten Wertung kann es für bestimmte Landschaftplättchen noch Sonderpunkte geben. Die übrigen Münzen bringen auch je einen Punkt ein. Doch dann werden noch die Gebiete der Spieler verglichen. Für jedes Plättchen, das man im Vergleich zum kleinsten Gebiet mehr hat, muss man 3 Siegpunkte abgeben. So werden Hamsterkäufe während des Spiels bestraft.

Bei 2 oder 3 Spielern kommt ein Würfel zum Einsatz, der einen weiteren Spieler imitiert und ebenfalls Plättchen aus dem Spiel nimmt. Eine gute Idee, die Glen More somit auch für weniger Spieler zu einem attraktiven Spiel macht.

Fazit:
Glen More ist ein strategisch sehr durchdachtes Spiel mit sehr vielen Möglichkeiten. Spezialkarten bieten Funktionen, die einem Spieler in diesem oder jenem Bereich einen wertvollen Vorteil verschaffen. Trotzdem sollte man auf die Grösse seines Gebietes und die Anzahl der Clanmitglieder achten. Sie sind genau so wichtig für eine erfolgreiches Spiel. Der Zugmechanismus ist toll, kann in grösserer Spielrunde aber auch zu Wartezeiten führen. Das Spielmaterial ist klein, aber fein. Die Siegpunktverteilung lässt verschiedene Strategien zu und trotzdem ist Glen More erst nach der 3. Wertung entschieden. Ein Rückstand lässt sich mit passender Taktik auch aufholen. Glen More spielt sich trotz vieler Möglichkeiten rund und ist ein sehr gutes Strategiespiel.

Glen More | Autor: Matthias Cramer | Verlag: alea / Ravensburger
Strategiespiel für 2-5 Personen | Spieldauer: ca. 60 Minuten | Benötigt: Taktisches Geschick beim Landschaftsbau | Wiederspielreiz: sehr gross

Besten Dank an Fata Morgana für den zuvorkommenden Service beim Erwerb von Glen More!

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Uluru – Spielkritik

Uluru, so heisst der Ayers Rock im fernen Australien. Im Spiel suchen 8 Tiere ihren Platz rund um den roten Berg – und sind dabei oft sehr wählerisch.

Uluru ist ein Logik- und Denkspiel auf Zeit. Alle Spieler wetteifern gleichzeitig auf ihrer eigenen Spieltafel mit 8 Sitzplätzen rund um den Ayers Rock. Ihnen stehen 8 farbige Spielfiguren zur Verfügung. Die Tiere Australiens werden nämlich nachts zu Traumvögeln, die sich um den Uluru versammeln. Dabei äussern die Tiere ihre Wünsche auf Spielkarten, die auf dem grossen Spielbrett in der Tischmitte liegen. So sind die Wünsche nicht immer bescheiden: Rot will unbedingt neben Blau sitzen; Grün möchte gegenüber von Weiss sein; Gelb will in einer Ecke mit Schwarz sitzen und Orange ist es total egal, was passiert. Nun liegt es an den Spielern, alle Wünsche zu erfüllen. Dazu hat man genau eine Sanduhr lang Zeit.
Nicht immer lassen sich alle Wünsche erfüllen, aber zumindest sollte man sich bemühen, die vielen Wünsche richtig miteinander zu kombinieren. Das sorgt in der Hektik manchmal zu unüberlegten Situationen.


Die Spielkarten sind nach Schwierigkeitsgraden markiert. So kann man leicht beginnen und die Kombinationen immer mehr steigern. Erst wenn Rot das Gegenteil will wie Blau, beginnen die Hirnzellen richtig zu rattern. Für jeden nicht gesetzten Traumvogel und jede falsche Kombination erhält man einen Stein. Wer nach 6 Runden am wenigsten Steine hat, gewinnt.

Uluru ist ein sehr variables Spiel. So kann der Schwierigkeitsgrad durch die Spielkarten angepasst werden. Zudem ist auf der Rückseite des Spielbretts eine Partie mit 2 Kartenauslagen möglich. Damit lässt sich beispielsweise für Kinder eine leichte, für Erwachsene eine schwierige Version legen, die es zu erfüllen gilt. Absolute Experten spielen sogar mit der Doppelauslage und erfüllen den Tieren gleich beide Wünsche – eine wirkliche Herausforderung.

Fazit:
Uluru ist ein tolles Spiel und macht grossen Spass. Nur mit einer guten Mischung aus Tempo und Logik kommt man bei Uluru voran. Der Illustrator Harald Lieske hat im Interview mit brettspielblog.ch bereits von den Zeichnungen von Uluru geschwärmt. Das Spiel macht Stimmung. Das Material ist hervorragend und sogar die schönen Glassteine sammelt man gerne bei Fehlern. Da Uluru sehr variabel gespielt werden kann, ist es für Anfänger wie für Vielspieler geeignet. Es ist schnell erlernt, die Spieldauer ist angenehm kurz. Denn einer Partie Uluru folgt schnell eine zweite, eine dritte, eine vierte…

Uluru | Autor: Lauge Luchau | Verlag: Kosmos
Knobelspiel für 1-5 Personen | Spieldauer: 30 Minuten | Benötigt: Kombinatorik in Höchstgeschwindigkeit | Wiederspielreiz: sehr gross

> Interview mit Harald Lieske

Besten Dank an Kosmos für das Rezensionsexemplar von Uluru!

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Mondo – Spielkritik

Mondo – Erschaffe eine neue Welt. Oder noch besser, puzzle sie dir, solange du kannst. Spätestens wenn der schrille Timer ruft, kehrst du wieder auf den Boden der Realität zurück. Doch bis dahin gibt es einiges zu tun.

Das Spiel von Michael Schacht besteht vor allem aus beidseitig bedruckten Landschaftsplättchen: Mit Tier oder ohne, mit Vulkan oder ohne, mit Wald, Steppe, Wüste oder Wasser – aber niemals ohne. Die Plättchen liegen kreuz und quer in der Tischmitte verteilt. Auf der eigenen Weltentafel muss man nun innert weniger Minuten kreativ sein. So eine Welt ist ja schnell gebaut. Doch da gibt es einige Vorgaben. Die Plättchen werden nur mit einer Hand gesichtet, auf keinen Fall gewühlt und es darf immer nur ein Plättchen in der Hand sein. Ist ein Plättchen erst gelegt, wird es gar nicht mehr bewegt! Und auf jeden Fall hilfreich ist es, wenn die Landschaften ineinander passen. Wer mit der eigenen Welt zufrieden ist, kann sich noch einen Bonuschip nehmen. So kann man das Spiel mit Zusatzpunkten selber beenden, bevor es der Timer tut.

Für eine schöne Welt gibt es auch viele Punkte. Auf einigen Plättchen sind Tiere zu finden. Jedes Tier bringt einen Punkt. Passende und komplette Landschaften bringen sogar 2 Punkte. Ein allfälliger Bonuschip erhöht das Puntekonto auch noch.
Nun werden aber die Vulkane gezählt. Wer am meisten aktive Vulkane in seiner Welt hat, bekommt dementsprechend Minuspunkte. Freie Felder auf der Weltenkarte und falsch angesetzte Landschaftsplättchen bringen ebenfalls Minuspunkte. So werden die Punkte für eine Runde errechnet. Der Gewinner erhält für die nächste Runde ein Handicap. Bei ihm zählen nun nicht nur die aktiven, sondern auch die inaktiven Vulkane auf der Insel. Ja, so ungerecht kann die neue Welt auch sein.
Nach drei Runden ist Schluss und der Sieger nach Punkten steht fest.

Nun lässt sich der Schwierigkeitsgrad aber steigern. Denn es gibt noch ein Fortgeschrittenenspiel und ein Expertenspiel. In beiden Spielen bleibt weniger Zeit für die Schöpfung. Im Fortgeschrittenenspiel gibt es eine zufällige Sondermission, die 4 Plus- oder Minuspunkte bringt. Da zählen zum Beispiel die meisten Seen, die meisten Wassertieren, der grösste Wald etc.
Im Expertenspiel liegen Zusatzaufgaben auf. 2 von ihnen kann man sich während des Spiels holen. Sie geben unterschiedlich Punkte, wenn sie bei Spielende erfüllt sind, sonst eben Punktabzug.
Mit einer Solovariante kann Mondo sogar alleine gespielt werden – Training eben.

Fazit:
Mondo hat in allen Spielrunden überzeugt. Das Spiel ist sehr flexibel und kann je nach Art der Mitspieler angepasst werden. Die Spielzeit kann nach Absprache beliebig angesetzt werden, so wird es auch für Kinder interessant. Vielspieler suchen in diesem rasanten Legespiel vielmehr nach der Perfektion ihrer Kreation. Defizite werden mit dem Erfüllen geeigneter Missionen wettgemacht. Jedes Spiel verläuft anders. Und oft wandert das gerade gesuchte Plättchen vor den Augen in die Welt eines Mitspielers, der eben schneller war. Mondo ist toll. Mondo macht Spass. Eine neue Welt hat sich aufgetan…

Mondo | Autor: Michael Schacht | Verlag: Pegasus Spiele
Legespiel für 1-4 Personen | Spieldauer: 20-30 Minuten | Benötigt: Auge und Hand beim Erschaffen von Land | Wiederspielreiz: hoch

Besten Dank an Pegasus Spiele für ein Rezensionsexemplar von Mondo!

> Spielkritik zu den Mondo Erweiterungen Set A + B

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Hornet – Spielkritik

Hornet (Hornissen) ist ein Brettspiel aus Finnland. Das Cover verspricht kein freundliches Spiel, denn auf der Schachtel droht eine Hornisse bereits mit ihrem Stachel. Ob das im Spiel so weiter geht?

Bei Hornet muss man in möglichst vielen Nestern viel Honig produzieren. Hat man drei Nester eingenommen, ist man siegreich. Das Strategiespiel kommt aus Finnland. Ich mag Finnland sehr. Was treiben wohl die Finnen in ihren langen, dunklen Winternächten? Klar, sie spielen!
Das Rundenbrett führt die Spieler über die Wiese. Es zeigt entweder eine Aktions- oder eine Wertungsrunde an. In den Aktionsrunden zieht man zwei verdeckte Handkarten. Mit ihnen bewegt man seine 2 Hornissen auf dem Spielfeld. Das Spielfeld besteht aus Sechsecken, auf denen Nester, Wiesen und Büsche eingezeichnet sind. Nektar liegt auf den Wiesen und Honig in den Nestern. Mit den Aktionskarten kann man mit seinen Hornissen Nektar sammeln, Honig produzieren oder fliegen. Das macht man entweder auf die sichere Art oder man wählt die Risikovariante. Logisch, dass man bei der Risikovariante mehr gewinnen kann. Zieht ein anderer Spieler aber auch eine ähnliche Karte, so kriegt man eine Strafe aufgebrummt. Man sollte sich also auch imer gut überlegen, was die Mitspieler wohl planen. Mit gewonnenem Nektar kann man dann Honig produzieren, oder auch welchen der Gegenspieler vernichten.

Zeigt das Rundenbrett eine Wertung an, wird im jeweiligen Nest der Honig gezählt. Wer am meisten Honig drin hat, übernimmt das Nest und gewinnt den ersten Punkt. Bei drei Nest-Punkten endet das Spiel.
Hornet ist ein taktisches Spiel, das viele Varianten offen lässt. Es lässt bei der Honigproduktion sogar die Wahl, ob man seinen Honig mit Nektar redlich bezahlen möchte, oder ob man seinen Ertrag (ein wenig günstiger) durch Münzenwerfen bestimmen will.

Fazit:
Hornet ist ein gutes Strategiespiel. Ein Spiel, bei dem man die eigenen Bedürfnisse immer auch an die Spielzüge der Mitspieler anpassen sollte. Das Material ist hervorragend und das Spiel schnell erlernt, obwohl es viele spielerische Möglichkeiten bietet. Thematisch hat das Spiel nicht so recht überzeugt. Hornissen sind in erster Linie Jäger und weniger Sammler und Honigproduzenten. Die etwas aggressiven Illustrationen passen irgendwie auch nicht zum Spiel. Das trübt den Gesamteindruck ein wenig – und lenkt vom guten Mechanismus und Kern des Spiels ab. Finnland mag ich aber deswegen immer noch sehr.

Hornet | Autoren: Jani & Tero Moliis | Verlag: lautapelit/Asmodee
Strategiespiel für 2-5 Personen | Spieldauer: ca. 45-60 Minuten | Benötigt: Den richtigen Riecher im Umgang mit Hornissen | Wiederspielreiz: ok

Besten Dank an Swissgames und Asmodee für ein Rezensionsexemplar von Hornet!

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